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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-09-27 · Heft 40 (27.9.1852) · p. Seite 475

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 40 (27.9.1852)
Date
1852-09-27
Page
Seite 475 (sequence 3)
Language
German
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475 Schwanken zwischen Gegensätzen wahrhaftig nicht auSgefttzt werden darf, ohne großen Schaven zu leiden, das Bedürfniß des Judentums, das sonst seine Einwirkung auf seine Zugend völlig Vahingiebt, das Bedürfniß deS Staates, der bei der anderweitigen konfessionellen Ausprägung der Schule nicht die jüdische Zugend konfessionslos erwachsen lassen darf. So ist eS daher höchste Zeit, daß die jüdische Schule einer neuen Blüthe entgegengeführt werde. Warnend und mahnend ruft die Zeit den Juden zu: wo die jüdische Elementar- und Bürgerschule noch besteht, erhaltet sie, in kleinen und. großen Gemeinden; aber erkräftigt sie, belebt sie von Neuem, sehet auf beste Lehrkräfte, gute Methode, Förderung des Religiösen und Sittlichen, strenge Disziplin, angemessene Organisation; wo ste nicht mehr eristirt, oder wo sie noch nicht eristirt hat, schaffet sie, sofern irgend die nöthigen Mittel vorhanden sind, und sollte sie Euch schwere Opfer kosten — es gilt Euer eignes Blut, eS gilt Euere Kinder, die ihr von früher Kindheit vor Widersprüchen, Schiefe, der Richtung, Religionslosigkeit zu wahren habt. Wo überall für die Konfession die größten Anstrengungen gemacht und die größte Entschiedenheit bethätigt werden: da könnt Ihr nicht mehr sagen, die Jugend muß gemeinsam erzogen werden, damit im bürgerlichen Leben die Spaltung vermieden werde — die Spaltung ist da, Ihr könnt sie nicht hindern; da kann nicht mehr gesagt werden: die Jugend muß zuerst zu Menschen gebildet werden, da überall die Konfession die ersten Jugendeindrücke beansprucht. Die jüdische Schule ist das erste und dringendste Bedürfniß gegenwärtig; ohne sie kein Judenthum, keine religiöse Erziehung für die jüdische Jugend. Bemerkung. Ein junger Freund schreibt uns, daß ihm die, von uns im zweiten Leitartikel No. 36, S. 426, Sp. 2 angeführten, gewiß höchst interessanten Schlußworte Volkmanns mit der Fechner'schen Bemerkung nicht ganz deutlich geworden seien, und doch eröffneten sie einen so neuen und eigenthümlichen Einblick, daß es dem Suchenden von Wichtigkeit sei, sie genau zu verstehen. Wir stehen nicht an, uns mit einigen Worten darüber auszulassen; beginnen wir mit der Fechner'schen Beobachtung. Der Fötus oder Embryo, d. i. der Mensch im Mutterschoße hat gewissermaßen zwei verschiedene Arten, von Organen, von denen die Einen für sein gegenwärtiges, die Anderen für sein zukünftiges Leben bestimmt sind. Seine Lungen athmen noch nicht, sein Magen verdaut noch nicht, sein Herz schlägt noch nicht, seine Augen sehen noch nicht, seine Ohren hören noch nicht, sein Mund nimmt noch keine Speisen auf, seine Hände greifen, seine Füße schreiten noch nicht, die beiden Letzteren machen nur einige Bewegungen. Der Embryo, wenn er, wie Fechner sagt, physiologische Beobachtungen machen könnte, würde die Bestimmung aller dieser Organe, ihre Befähigung, ihre Funktionen nicht kennen, und müßte sie äls die massenhafte Unterlage seines Lebend ansehen, als blos materielle Bestandtheile seines Daseins, an denen seine höheren, seine eigentlichen Lebensorgane agiren. Diese Letzteren sind die Gefäße der Nabelschnur, die ihm die ernährenden Säfte zuführen, die Eihäute mit all ihrem Inhalt, die ihn umgeben u. s. w. Beobachtet er nun seine Geburt, so sieht er gerade seine eigentlichen Lebensorgane zerreißen und der Vernichtung anheimgegeben, und muß darum jene Masse von Organen, die bis jetzt massenhaft vorhanden, aber noch nicht thätkg gewesen, um so sichrer der Vernichtung heimfallend ansehen, da sie ohne jene gar nicht eristiren zu können ihm scheinen müssen.; er muß daher, wie Fechner sagt, seine Geburt als den Tod, als den Untergang seiner Individualität betrachten. Und wie anders kommt es! Jene äußeren Organe, die die Träger seines Lebens gewesen, lösen sich auf, aber in Organen, die er noch gar nicht gekannt, beginnt mit dem ersten Momente der Geburt, der sich durch den ersten Athemzug, und dieser durch den ersten Schrei charakterisirt, ein neues, vom Embryo, selbst wenn er physiologische Betrachtungen machen könnte, nicht gekanntes, höchstens geahntes, ungleich höheres Leben! In gleicher Weise, meint nun Volkmann, sehen wir den Tod als die Auflösung unsers Organismus, als den Untergang unsrer Individualität an. Wir ahnen ein neues Leben jenseits dessen, die Religion sagt es uns, unsre Vernunft erweist es uns, aber wir blicken auf die traurigen Reste des Gestorbenen, die wir dem Schooße der Erde übergeben, und fragen: was soll da die Basis der fortdauernden Individualität sein? Wie aber, sagt Volkmann, „lassen wir uns nicht durch das Zerfallen der gröberen Organe täuschen?" „Wir durchschauen die Veränderungen des Organismus im Tode nicht in dem Grade, daß wir eine vollständige Auflösung zu behaupten befugt K

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