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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-09-27 · Heft 40 (27.9.1852) · p. Seite 474

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 40 (27.9.1852)
Date
1852-09-27
Page
Seite 474 (sequence 2)
Language
German
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474 Als die Juden sich mit dem Ende des vorigen und mit dem Beginn des jetzigen Jahrhunderts aus der Versunkenheit, Unbildung und dem Wüste der letzten Jahrhunderte zu lösen anfingen, war die jüdische Schule eines der wichtigsten und segensreichsten Vehikel. Sie mußte Separatschule sein, den die jüdische Jugend konnte noch nirgends anders gebildet und zur Kulturstufe der Zeit erhoben werden. Als auf diese Weise Vieles geschehen war, veränderte sich das Bedürfniß. Man fühlte und erkannte, daß Ln der jüdischen Masse noch Vieles war, was sie von der andern bürgerlichen und gesellschaftlichen Welt schied, ohne im Geringsten zur Wesenheit der Religion zu gehören, an Sprache, Geberde, Sitte. In dem Streben, sich der übrigen Menschheit anzupassen, in dem Streben, sich der Gleichstellung würdig zu machen und ihr voranzueilen, in dem Streben, den Einzelnen von äußeren Bezeichnungen und Merkmalen, die ihm nur Hohn und Zurücksetzung zuzozen, frei zu machen, sah man als das wesentlichste Mittel an, die jüdische Jugend an den allgemeinen Schulen Theil nehmen zu lassen, mit einem Worte, die Separatschule, die jüdische Schule zu beseitigen. Es fiel dies mit der Zeit des Humanismus überhaupt zusammen, als die allgemeine Schule mehr oder weniger bewußt dahin strebte, eine rein humane, konfessionslose zu sein, welche dem konfessionellen Elemente nur außerhalb ihrer Raum lasse. Der jüdische Religionsunterricht war hierbei sehr schlecht weggekommen. In der altern .Separatschule fanden sich die tüchtigen Religionslehrerkräfte — die schwierigsten Lehrkräfte noch zu wenig vor, als daß jener meist mehr als mechanische hebräische und geistlose Katechismenlektkonen gewesen; in der allgemeinen Schule war natürlich für das Judenthum gar Nichts da. Als man daher anfing, das Bedürfniß nach jüdischem Religionsunterrichte wieder zu empfinden, errichtete man neben der allgemeinen Schule die Religionsschule, ein Institut, welches zwar seine großen Schwächen von selbst mitbringt, indessen in der Hand des guten und begeisterten Lehrers immer schon viel leisten kann. Die Zeit ist aber eine andere geworden. Und sie wird mrmer mehr eine andere. Die Konfession ist wieder erstarkt, und wird von den Regierungen in jeder Weise gefördert. Selbst der Kampf zwischen den verschiedenen Konfessionen entbrennt täglich heißer. Es ist ganz unvermeidlich, daß wenig mehr von allgemeiner Elementarschule die Rede sein wird, wo man selbst die Gymnasien nach der Konfession zu spalten sucht, wo man nicht allein dem Religionsunterricht, sondern auch dem Geschichts-, ja selbst dem Sprachunterricht den konfessionellen Charakter aufzuprägen entschlossen ist. Unter solchen Verhältnissen hört aller Prinzipienstreit auf; unter solchen Verhältnissen ist die jüdische Schule, ist mindestens die jüdische Elementarschule daö wesentlichste Bedürfniß wieder. Es kommt^ darauf an, ob die jüdische Konfession noch zu eristiren entschlossen ist, oder ob sie sich widerstandslos dahingiebt. Es kommt darauf an, ob es jüdischen Eltern gleichgiltig, ja willkommen ist, ihren Kindern von Kindesbeinen die christlich-katholische oder christlich-protestantische Religionslehre einprägen, sie mit den Lehren, Benennungen, Gefühlen der Letzteren bekannt machen, ihnen Verehrung und Liebe für diese einflößen zu lassen, oder nicht. Im erster» Falle ist die jüdische Elementarschule unentbehrlich, im letzter» freilich! gleichgiltig.... Man sage nicht, es ist ja so lange gegangen. Wir wollen eben die Folgen dessen nicht an'S Licht ziehen, so klar sie sich legen jeden Tag. Aber je mehr auS den Häusern der Juden das Spezifisch-Jüdische entweicht, desto weniger Gegenwirkung kann die Jugend in dem häuslichen Leben finden; je stärker und ausgeprägter daS Konfessionelle wieder in der Schule hervortritt, je systematischer und konsequenter dieser Charakter allem Unterrichte gegeben wird, ungleich mehr als in den verflossenen. Dezennien: desto nothwendiger wird die jüdische Konfessionsschule. Es wird der jüdischen Gemeinde und deren Vorständen, eS wird den jüdischen Eltern zur theuersten Pflicht, die jüdische Schule zu erhalten, zu stärken, neu zu schaffen. Wir halten uns überzeugt, daß die Staatsregierungen, selbst im Geiste der bezeichneten Richtung der jüdischen Konfessionsschule, mindestens der jüdischen Elementarschule Überall Vorschub leisten werden, wenigstens die Regierungen, welche entschieden ihren Weg gehen und nicht hin und herschwanken. Denn Jedermann weiß, was aus der jüdischen Jugend wird, wenn sie innerhalb der Widersprüche heranwächst, die nothwendig aus dem konfessio. nell christlichen Religionsunterricht und der Erziehung als Juden hervorgehen — jene religionslose, ja antireligiöse Masse, welche der religiösen Durchbildung am Meisten entgegensteht. Die jüdische Schule ist daher für die gegenwärtige Zeit ein allseitiges Bedürfniß geworden, das Bedürfniß her Eltern, die ihre Kinder ihren Ueberzeugungen konform erziehen wollen, daS Bedürfniß der Jugend, welche diesem

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