Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 39 (20.9.1852)
- Date
- 1852-09-20
- Page
- Seite 468 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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468 Marokko. *-•' HäinbrntA, im September. (Privatmitth.) Eine Geschästskönnerion mit einem Kaufmann aus 'der Hauptstadt Marokko verschafft mir die Gelegenheit zur Mütheilung einiger Notizen über die dortigen jüdischen Verhältnisse. * Bei den so verschiedenartigen Anschauungen eines Marokkaners und eines Hamburgers gebe ich nur das, was ich für interessant und verläßlich halte, und freue mich zugleich unfers AntheilS an der europäischen Zivilisation,- da leider daS Zudenthum in so stockafrikanischer Umgebung eben kein Uns anlockendes Bild darbietet, obgleich es direkt auS der Marannenzeit stammt und eine Ungestörte Fortsetzung ist von der „stolzen spanisch-arabischen Blüthenzeit jüdischer Wissenschaft". Ja sogar: wenn Gott seine ' 'Gaben auSschüttet so ist' eS gär leicht möglich, daß dort neue Juda Hallevi's, neue Salomo ben 'Gabirot Md eine ganze Menge - sehr gelehrter Jbn'S äuftreten und ein Auditorium finden; aber bewirken, daß z. B. Mädchen schreiben lernten, das könnten sie schwerlich. Als die Juden Spanien und Portugal räumten, dü schloß sich ein,' Th eil - der' größere, den - Arabern und' Mauren, 'der'kleinere deANördlichen Nationen an. Der sefardische Ritus,LWenWodalität nicht nur, sondern dessen Eristenz undheutiger Gebietsumfang den Meisten unserer Gelehrten und Kultusmänner fast unbekannt ist, obgleich er von Hindostan und Ava, durch Asien und Südeuropa bis nach Surinam und Kuraeao-*) herrscht, erlitt dadurch einige unbedeutende Varianten; und es giebt in jenen Gegenden Gemeinden von BarbariSkos und Flamingos (Flanderer,' Holländer): In Fez und Marokko ist man natürlich ErstereS, spricht durchgehendS ärabisch und gebraucht die-arabische Sprache auch beim öffentlichen Gottesdienst da wo bei Letzteren auch die spanische oder portugiesische angewendet wird, z. B. bei den Mischeberachs, bei den Paraphrasen der Hüftora's' von Chason u. a m., so wiebeim *) In Curayao leben etwa -500 jüdische Familien vom portugiesischen Ritus, und dominiren das dortige Leben so sehr, daß am Sonnabend förmlich alles Geschäft ruht und der jüdische Purim den allgemeinen Fasching bildet. Außer der koschern Küche und dieser Sabbatsruhe werden aber im Allgemeinen keine, weiteren frommen Gebräuche beobachtet..; *• Predigen. Der marokkanische Dialekt des Arabischen scheint die Eigenthümlichkeit zu haben, die Vokale säst ganz zu unterdrücken und wenn man — selbst ohne die Sprache zu kennen — statt Mitkal (Piaster) Mtkal, statt Rottel (Pfund) Rttl, statt Flus (Pfenninge) FlS aussprechen hört, so begreift man wol, wie die orientalischen Sprachen sich lange mit bloßer Konsonantenschrift behelfen konnten. Die Aussprache deS Ebräischen unterscheidet stch von der unserer Portugiesen durch die für einen Europäer fast ganz unnachahmbaren y, n, und p (Kuph), von denen letzterer/Laut sich ungefähr durch "Khh wiedergeben läßt. Das ch wird durchgehendS wie v gesprochen, und das Jüd nireh dennoch nicht hörbar gemacht. Die ebräische Kursivschrift ist die auch in Asien gebräuchliche sogenannte fränkische, unterscheidet sich jedoch von dieser ein wenig bei den Buchstaben a und n, welche den wirklichen arabischen Buchstaben ähneln. Uebrigens ist den Juden die arabische Schrift völlig unbekannt und zwar in Folge von Verboten sowol von islamitischer als jüdischer Seite; sie schreiben ihr Arabisch durchgehendS mit ebräischen Lettern. Die meisten Männer können sich einigermaßen in ebräischer Sprache unterhalten, viele auch in spanischer. Das Kajserthum enthält außer in den Hauptstädten Fez und Marokko auch noch jüdische Gemeinden in Tetuan Mequinez, Rabat und Sale, Affafö, Lareisch, Mazagan LakSr, Astla, Dar'l'bida (Casablanca) Asmor, Tanger und Mogador (Suerra): In den beiden Letzteren kleiden die Juden sich europäisch und sprechen und schreiben spanisch und mehr noch portugiesisch. Außerdem giebt es noch eine Zahl kleinere Gemeinden in den Häfen und im Gebirge. Gegen die Sahara hin wohnen jüdische Stämme, die stch in Lebensart und Aussehen wenig von den anderen Beduinen unterscheiden. Eine hierarchische Verbindung zwischen den jüdischen Gemeinden und Tribunalen besteht nicht, doch kommen die Juden aus den ganz kleinen Gemeinden in die Städte, um RechtShändel abzumachen. Die bürgerlichen Verhältnisse der marokkanischen Juden sind im Allgemeinen bekannt. Sie bewohnen eine besondere Judenstadt, die allabendlich mit einer Schutzwache von tausend Mann besetzt wird, deren Kommandant für alle Erzesse sowol als für Diebstähle verantwortlich ist. Sie dürfen nicht auf Pferdensondern nur aus Mauleseln reiten , dürfen keine