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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-09-20 · Heft 39 (20.9.1852) · p. Seite 465

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 39 (20.9.1852)
Date
1852-09-20
Page
Seite 465 (sequence 5)
Language
German
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läufig nehmen die Jüdischen Bürger Ungarns mit dem Patriarchen Hillel das Psalmwort, zum Wahlspruche : „Für den gegenwärtigen Tag sei Gott gepriesen!" Auch zeigen manche erfreuliche Erscheinungen darauf hin, daß die Aufhebung des bestehenden Provisoriums den bürgerlichen Zustand der Juden nicht? alteriren werde. In verschiedenen Branchen des Staatsdienstes — Finanz, Post, Polizei — sind Juden angestellt, Der Gensd'armerie-Lieutenant und Inhaber einer Verdienstmedaille Mar Weiß aus Kroatien ist Platzkommandant der Stadt Mako im csanbder Kpmitate. Die Zahl der jüdischen Oberärzte in der Armee ist sehr bedeutend. Auf besonders eklatante Weise find die Juden bei den von der Regierung geschaffenen Körperschaften und den durch den Gemeinsinn der Bürger in'S Leben getretenen Vereinen vertreten, welche den materiellen Wohlstand des Landes befördern sollen. Zu den Mitgliedern der Handelskammern gehören allenthalbenJuden. Der vielversprechende pesther Lloyd verdankt vorzüglich dem unermüdeten Eifer Jakob Kerns sein Entstehen. Zahlreich sind die Namen, die in kommerzieller und industrieller Beziehung einen guten Klang im Lande, ja in der ganzen Monarchie haben. Außer den bereits genannten Gemeinderäthen nenne ich noch: Baumgartner, Schulhof, Fleischel, Lackenbacher, Schoßberger in Pesth, des Letzter» großartige Oelfabrik hat im Lande kaum ihres Gleichen; Hirschler in Arad; Wettendorfer in Großkanischa; Abraham Kohen in Szegedin, Jos. Adler in Kaschau und viele Andere. Auch dem Ackerbau haben sich neue Kräfte zugewendet. Zu den Juden der nordöstlichen Komitate, wo schon früher jüdische Landgutpächter der Bodenkultur lebten, gesellen sich Viele in der Theißgegend. Am Zahlreichsten sind die jüdischen Landwirthe in Szegedin und seiner Umgebung, geringer ist deren Zahl jenseits der Donau, am Geringsten in unserm Regierungsdistrikte. Die hiesige Gemeinde, welche es liebt, den „Aufgeklärten" gegenüber mit Demonstrationen aufzutreten, hat voriges Jahr einen Anlauf zur Gründung eineö Ackerbauvereins genommen, es ist aber bei dem Anlaufe geblieben, wie denn auch der im Jahre 1822 mit so vieler Ostentation gegründete Handwerkerverein nur sehr geringe Beweise seiner Wirksamkeit lieferte. Doch darauf, so wie überhaupt auf das Wirken und Walten unserer hiesigen Koryphäen und ihres Anhanges werden Sie mir wol ausführlich zurückzukommen gestatten. Heute erlaube ich mir nur noch zu bemerken,. daß das gerechte und humane Verfahren der Regierung bescher israelitischen Bevölkerung die lebhafteste und dankbarste Anerkennung finde. Der wohlthuende Eindruck, welchen die unverkürzte bürgerliche Stellung hervorbringt ■, . ist so überwältigend, daß man auch an solchen Maßregeln keinen Anstoß nimmt, welche an die Unduldsamkeit, früherer Zeiten erinnern. So erfloß im November v. I. eine Statthaltereiverordnung, daß der für die israelitischenGymnasialschüler vorgeschriebene Religionsunterricht durch befähigte, von Seiten der Regierung bestätigte Lehrer in den betreffenden Gymnasialgebäude ertheilt werden solle. Im Mai wurde letztere Bestimmung — nach Journalberichten in Folge klerikaler Vorstellungen — widerrufen und verordnet, der Unterricht sei an einen von der jüdischen Gemeinde zu bestimmenden Ort zu verlegen. Der Besonnene wird dadurch in seinem Vertrauen nicht irre gemacht, weil tausend Thatsachen ihn überzeugen, daß die Regierung'von dem Geiste der Gerechtigkeit und Humanität beseelt sei. Die Zufriedenheit der Israeliten mit der gegenwärtigen Ordnung der Dinge zeigte sich in hervorragender Weise bei dem Empfange des Kaisers in den verschiedenen Gegenden Ungarns. Sie wetteiferten mit der übrigen Bevölkerung, ihrem ritterlichen Monarchen und Befreier Beweise ihrer Dankbarkeit und Anhänglichkeit zu liefern. Preußen. Berlin, 10. September. Die Voss. Ztg. enthält Folgendes: Auf Veranstaltung des KreiSkommissarius der Allgemeinen Landesstiftung rc., als Nationaldank, KreiSfekretärS Koschmieder zu Rawicz hat daselbst am 3. August d. I. eine besondere Feierlichkeit zum Dankes- und Ehrengedächtniffe des hochseligen Königs Friedrich Wilhelm IH. stattgefunden, welche durch eine von dem Rabbinatsaffeffor Salomon Brann gehaltene Festrede noch besonders verherrlicht worden ist. Diese Festrede ist Sr. königt. Hoheit dem Prinzen von Preußen, als dem erhabenen Protektor der obengedachten Stiftung, von dem Kuratorium derselben vorgetragen und mitgetheilt worden; wegen deren vortrefflichen und patriotischen Inhalts, wie über die abgehaltene Feier selbst haben Se. königl. Hoheit unterm 30. Au-

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