Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 39 (20.9.1852)
- Date
- 1852-09-20
- Page
- Seite 464 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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464 Wertheimer, .die bedeutende Summen dazu beisteuerten. Die Beamten bezahlen seit dieser Zeit 4°/o ihres jährlichen Einkommens in diese Kaffe und nichtsdestoweniger ist die Summe noch nicht dahin gekom- ‘men um vollkommen hinzureichen. Unter diesen Umstanden glaubten die Vertreter dies ablehnen zu sollen, nach dem bekannten Spruche: wninip Noch erlaube ich mir Ihnen in Kürze zu melden, daß eben heute die Prüfung im Mädcheninstitute der Frau Karol. Szayto war^ Indem ich mir es Vorbehalte, besonders auf die hiesigen israelitischen Institute zurückzukommen, berichte ich Ihnen nur, daß diese Prüfung im höchsten Hrade befriedigend auSfiel. ES ist dies hier das einzige israelitische Mädcheninstitut, das von der Regierung konzessionirt ist. Herr Mannheimer, bemerkte zum Schluß, eS wäre nur zu wünschen, daß derartiger Institute, unter solcher Leitung und in der Weise, mehrere in der Monarchie entständen. Lernberg, 1. September. Der bekannte Pädagog, Dr. B. Sternberg, ist zum Direktor der hiesigen israelitischen Hauptschule ernannt. Lemberg, 2. September. (Privatmitth.) Der Privatdozent an der hiesigen Universität, Herr Dr. Igel, ist von hoher Regierung zur Ertheilung des israelitischen Religionsunterrichtes an der k. k. Unter- und Oberrealschule, ferner an beiden hiesigen Gymnasien durch alle acht Klaffen in zwölf Stunden wöchentlich angestellt worden ist. Zum ersten Male wird dieser Unterricht öffentlich, d. h. in den resp. k. k. Lokalitäten ertheilt werden. Preßburg, 1. September. Ungarische Briefe. I. Wenn Rothschild in der londoner City die volle Religionsfreiheit der österreichischen Juden rühmte, so hat er unseren bürgerlichen Zuständen nur Gerechtigkeit widerfahren lassen. Die Regierung läßt die gleiche Berechtigung der Juden, mit aller Folgerichtigkeit in's Leben treten. Und wenn dessen ungeachtet in manchen anderen Grönländern vormärzliche Zustände noch fortbestehen; wenn hier das Ghetto sich noch erhält, dort Handlungsgewölbe jüdischer Kaufleute gesperrt werden, und an nicht wenigen Orten — wie in Prag, Nikolsburg, Proßnitz, Boskowitz, Neurausnitz, Mieslitz — die jüdischen Religionögemeinden eigene, abgesonderte Bürgerverbände bilden, an deren Spitze ein eigner Bürgermeister, steht: so haben diese Uebelstände ihren Grund in eigenthümlichen Verhältnissen, welche in Ungarn nicht vorhanden sind. — Hier genießen unsere Glaubensbrüder nach der gegenwärtigen Ordnung der Dinge in der That die ungeschmälertste Religionsfreiheit. Dem Erwerbe von Grund und Boden wird nicht däS geringste Hinderniß in den Weg gelegt. .Die hiesige jüdische Kultusgemeinde zählt einige, die pesther mehr als hundert Hausbesitzer. Auch vom Ankäufe adelig ger Güter haben wir bereits einige Beispiele. So haben erst vor Kurzem die um die Glasfabrikation so sehr verdienten Gebrüder Neumann aus Papa das Gut Szöcsen im. raaber Komitate käuflich an sich gebracht. — Die Zünfte werden durch die Behörden dazu verhalten, unter Beobachtung der bestehenden Normen auch jüdische Meister ihren Körperschaften einzuverleiben. Der Distriktsobergespan v. Auguß in Pesth hat in dieser Beziehung voriges Jahr viel Umsicht und Energie entwickelt. Seitdem zeigen sich in vielen Städten die Zünfte' geneigt, jüdische Meister auch ohne behördlichen Zwang aufzunehmen. Die Stadt Pesth geht hierin ihren .Schwesterstädten mit gutem Beispiele voran, wie eS denn auch diese Stadt ist, welche — nach dem Vorgänge Wiens — mehreren Juden den Bürgerbrief zukommen ließ. Daß dies in anderen Städten wie! seltener geschieht, ist vorzüglich dem Umstande zuzuschreiben, daß die Wenigsten daS Stadtbürgerrecht von dem Staatsbürgerrechte zu unterscheiden wissen. Da siesich im Besitze des letztem fühlen, und von den Behörden als Staatsbürger angesehen und behandelt werden, so unterlassen sie es, sich bei ihrer städtischen Kommune um das Stadtbürgerrecht zu bewerben. . Für den Augenblick und unter den vorwaltenden Verhältnissen hat dieses Mißverständniß freilich keine, nachtheiligen Folgen , da der Ausnahmszustand keinerlei Wahlen zuläßt, und bei Ernennung der Kommunalbeamten, welche durch die Regierungsorgane geschieht, auch die Juden bedacht werden. So wurden in Pesth I. H. Kaffowitz, M. A. Weiß, Wolfg. Holitscher und I. L. Boskowitz, in Ofen Dr. Ign. Löblin, k. k. Schulrath, und der Fabrikinhaber Karl Goldberger, in Szegedin Sal. Politzer und Jak. Lederer zu Gemeinderäthen ernannt. Ob aber in der Folge nicht aus den Bürgerbrief wird gesehen werden, steht dahin. Vor-