Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 39 (20.9.1852)
- Date
- 1852-09-20
- Page
- Seite 463 (sequence 3)
- Language
- German
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463 Fragen zu lösen, und nicht früher ist die Erlösung und Befreiung, zu gewärtigen, als bis diese Sphinr, der Egoismus, kopfüber in die Fluchen der Vergessenheit gesenkt ist. Darum lege ich so viel Werth auf das Wort; wolle Gott, eS möge so gewaltig wirken, daß es, wie daS Wort des göttlichen Propheten, die Tobten aus dem Schlafe weckt, daß Glied an Glied sich fügt, die Knochen Fleisch und Blut und Nerven bekommen und vereint aufstehen und in Wort und That ein Loblied, dem Herrn singen. — Ich spüre wol, daß ich die Grenzen einer Korrespondenz weit überschreite, aber eS glühet mir das Wort im Herzen. Ein Mittel giebt es, daS diese Schäden heilt und daS ist, wenn das Wort i-ir tw* baw bs fita wieder Fleisch und Blut bekömmt. Einer für Alle, Alle für Einen, aber nicht Jeder für sich, mit seinem besonder» Interesse, mit seinen besonderen Rücksichten und Ansichten und Vorsichten. Möge zum neu eingehenden Jahre vor Allem daS zur Wahrheit werden rinn Dbia ■wi. Ein Band der Liebe alle Menschen umschlingen! Ich kehre nun zu meinem Berichte zurück. Abgesehen^ davon, daß die hier wohnenden Israeliten nun unter einem religiösen Gemeindeverbande stehen, so wurde die Gemeinde auch materiell verstärkt. Es ist nämlich das Gemeindegesetz, daß kleinere Orte zu dem Gemeindeverbande der nächstgelegenen großen gehören, und so wurde die israelitische Kultusgemeinde zu Fünf- und Sechshaus (eS sind dies Bezirke nächst den Linien Wiens auf dem Wege nach dem k. k. Lustschloß Schönbrunn) eine Filialgemeinde der hiesigen, Tempel und Schule von Fünf- und Sechshaus stehen nun unter dem hiesigen Vorstande. Und zwar ist ein recht hübscher, niedlicher Tempel da und der Kantor, Herr Friedemann, der zugleich Lehrer ist, verstehet sein Fach recht gut. ES ist auch die angelegentlichste Sorge des Vorstandes, den Gottesdienst überhaupt in würdiger Weise überall zu gestalten, Nachdem auch anderseits die hiesige sogenannte „polnische Schule" von Seite der Behörden autonom gestellt worden ist, und daher dem Bedürfnisse nach dieser Richtung hin, wo eS sich da oder dort kund giebt, Rechnung getragen ist. Es werden daher all die Privatbethäuser, wo sie noch da und dort bestehen, aufgehoben, mit Ausnahme in der Leopoldstadt, wo das Bedürfniß noch vorhanden, da in dieser Vorstadt viele Juden wohnen, die der Tempel nicht faßt und die noch den neuen Tempel gewärtigen. Eine andere brennende Frage bildet daS Spital. In früheren Zeiten wurde das Spital von dem sogenannten „Fleischkreuzer" erhalten. Es betrug daS im Jahr über 20,000 fl. K. M. Mit dem Jahre 1848 hörte daö auf. Nun aber fragt eS sich, wie das Spital erhalten? Bei der neuen Umlage der Steuer zeigte sich, trotzdem Alles besteuert wurde, ein Defizit von 12,000 fl. K. M. pro Jahr. Es wurde darauf angetragen, das israelitische Spital, welches jährlich an 17 biö 18,000 fl. K. M. kostet, aufznheben, aber dazu will man sich nicht gern verstehen und eS wäre auch ein solcher Vorgang im Interesse der Humanität sehr zu beklagen. ES ist bekannt, daß in diesem Spitale hier die beste Pflege ist, und daß gar keine Kosten gescheut werden. Hoffen wir indessen, daß da noch ein Ausweg getroffen werde, daß einerseits Milde, Liebe und Barmherzigkeit, andererseits der Gerechtigkeitssinn der Reichen und Begüterten, die hier verhältnißmäßig zu anderen großen Städten, wie Berlin, Hamburg rc. nur gering besteuert sind (es giebt nämlich hier sechs Klaffen zu 10, 20, 40, 60, 80 und höchstens 100 fl. K. M. pro Jahr), das Ihrige beitragen werden, um das segenbringende Institut zu erhalten. Dabei muß ich zugleich eine Notiz der hiestgen „Presse" berichtigen. Es ist unrichtig, wenn es in diesem Blatte heißt, die hiesigen Vertreter seien bei der Statthalterei um die Aufrechthaltung des alten Monopols des Fleischkreuzers eingekommen. Die Angelegenheit verhält sich folgendermaßen. Es wird in neuerer Zeit Koscherfleisch ausgeschrotet, das ganz ohne religiöse Beaufsichtigung geschieht. Die Statthalterei wurde daher gebeten, dieses Vorgehen einzustellen und diejenigen, die Koscherfleisch ausschroten, unter Aufsicht des Rabbinen zu stellen. Schließlich erlaube ich mir Ihnen mitzutheilen: Die hiesigen Vertreter wurden angegangen um Beitritt und Unterstützung zu dem sich neu' gründenden Penstonsfonds für Rabbinen in Frankfurt am Main. Dieselben glaubten aber nicht darauf eingehen zu können und zwar aus folgendem Grunde: ES besteht hier seit 16 Jahren bereits ein Pensionsfonds für die vier höheren Gemeindebeamten: Prediger, Rabbiner, Oberkantor und Religionslehrer. Dieser wurde gestiftet vom sel. Herrn Biedermann und von Herrn Jos.