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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-09-20 · Heft 39 (20.9.1852) · p. Seite 462

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 39 (20.9.1852)
Date
1852-09-20
Page
Seite 462 (sequence 2)
Language
German
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schen Individualität, dem Leibe, vollkommen zerstört, indem diese in Verwesung übergeht, und in die allgemeinen Elemente, der Erde -zurückfällt. Es kann-somit nicht mehr eine neue- Anknüpfung des Bewußtseins in demselben.Leibe stattfinden, und der Tod, wie er uns sinnlich erscheint, würde, wie es auch die gemeinste Ansicht meint, allem Dasein der Seele, in der Art, wie eS unS bekannt ist, ein Ende machen. So voreilig eS aber wäre, der schlafenden Seele die Möglichkeit des nächsteintretenden Erwachens abzusprechen, ebenso wäre es voreilig, Solches zu thun bei der im Tode entschlafenen Seele. Solche Konsequenz geht aus dem natürlichen Vorurtheil hervor, daß man das Dasein der Seele nie anders als mit dem Leibe,' und durch diesen vermittelt vorstellt; und wenn man darin noch weiter gehen will, für sie einen Sitz im. Gehirne, wo möglich im kleinsten Raume, ja in einem einzigen Punkte, aufsuchen möchte. Doch kann der eigentliche Sitz der Seele nur das ewige, zeit- und raumlose GeisteSwesen selbst sein, aus dem sie nur scheinbar in die Schranken der Endlichkeit der weltlichen Relation hervortritt, und in welches Wesen ihr die Einkehr immer wieder offen steht, oder eigentlich nie unterbrochen werden kann." — Wir verlassen nun daS große Wagner'sche Werk, und fragen noch bei anderen, den bedeutendsten Naturforschern unsrer Zeit an. Beginnen wir mit Schleiden, dem größten Botaniker der Gegenwart außer v. Mohl und Brown, und der nicht minder der Philosophie seine Studien zugewandt. Wir wollen hier in eine tiefere Darlegung seiner Ansichten aus seinen wissenschaftlichen Werken nicht eingehen, sondern greifen zu seinen populär geschriebenen Vorlesungen über „die Pflanze und ihr Leben" (2te Aufl. 1850). Hören wir ihn gleich zum Beginn S. 16: „Der Mensch, wenn er über sich selbst nachdenkt, fühlt sich alsbald als Bürger zweier Welten. Sein ganzes Wesen wird nicht von der Körperwelt allein umfaßt, sondern eine Welt freier geistiger Wesen, in der er Unsterblichkeit fordert, über welcher er einen Gott als gütigen Lenker sich denkt, fordert ihren Antheil an seinem Dasein. Auf geheimnißvvlle, uns als Menschen ewig unenträthselbare Weise ist in unserer Natur Seele und Leib, Geistiges und Körperliches verschmolzen. Wo ist die Grenze des Einen, wo der Anfang des Andern? Die meisten Menschen und selbst oft die größten Forscher antworten uns, wir wissen es nicht; es giebt keine Grenze, Beides geht in einander über und durchdringt sie in jeder Weise.. Hier liegt der 3rrweg, dem forschenden Menschen 462 so nahe gerückt, daß er ihn nur unendlich schwer vermeiden kanndaß derselbe oft die Scharfsinnigsten verführt und.dennoch:ein Irrweg, denn Geist und K örper sind'für^üns so strenge, so unvermeidliH H'eL trennt, daß keine Brücke von Einem zum Andern überführt. Es ist hier nicht am Orte, dieses Verhältniß in allen, seinen Beziehungen zu -entwickeln und in seinem ganzen Umfange gründlich zu erörtern, aber die genauere Untersuchung dessen, was wir Sehen nennen, wird uns Gelegenheit geben, wenigstens an einem Beispiel den großen Sprung vom Körperlichen zum Geistigen aufzuweisen und anzudeuten, wie die Nichtanerkennung dieser Trennung auch beim Auge oft die größten Forscher verwirrt hat." (Fortsetzung folgt.) — - -:-———-*- — Zeitungsnachrichten. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 7. September. (Privatmitth.) Einzelnweise gehet der Kristallisationsprozeß bei den hiesigen Gemeindeverhältnissen vor sich. Und so viel man auch gegen die neue Zeit sprechen kann, von den getauschten Hoffnungen, von den fehlgeschlagenen Erwartungen, wenn man die, Verhältnisse, wie sie bis zum Jahre 1848 bestanden haben und wie sie, heute sind, zusammenstellt, so muß man dem Geiste der neuen Zeit dankbar sein. Währenddem früher die in Wien wohnenden Israeliten ohne eigentlichen Verband gelebt haben, die Vorsteher selber den Titel hatten: Vertreter der Israeliten zu Wien, giebt es heute die „wiener KultuSgemeinde". — Es ist das freilich nur ein Ausdruck, eine Phrase, aber es war ja überall im Anfänge daS Wort. Ist einmal das Wort gefunden, daS die Geister anregen und bewegen kann, dann übt es seine unwiderstehliche Macht und Gewalt auS. Und leugnen wir es nicht, es ist das einmal der Krebsschaden unserer Zeit, daß nichts Gemeinschaftliches ist. Der Sinn für das Gemeinschaftliche, für das Ganze, der den eigenen Bortheil aufgeben kann, wo es gilt etwas Höheres, Gemeinsames zu fördern, der gehet leider zumeist ab, und darum sind unsere politischen und sozialen Verhältnisse von solcher Art, wie sie eben sind. Kaum ist die eine brennende Frage gelöscht, sind drei und sieben neue brennende

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