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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-09-13 · Heft 38 (13.9.1852) · p. Seite 459

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 38 (13.9.1852)
Date
1852-09-13
Page
Seite 459 (sequence 11)
Language
German
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459 -,Jch sag', Euch, noch mehr: der, Hallesder einmal zu Fuß geht, 'der bleibt in seinem Leben ein armseliger DalleS,: und war' er in Sammet und Seide geboren ... nicht zu Fuß, zu Wagen muß. er sich setzen, in der Kutsche muß er im Lande .herumfahren/ dann ist ihm geholfenein gitteS ' Leben führt er, und auf's gute Leben kommt'S den Menschen doch nur an.'.. Wieder Gemurmel: „WaS der redt'", „das heißt eine Sprache", „wie will er das..." . „Nun schweigt nur, ich setz' eS Euch ordentlich auseinander.... Als ich es erst gemerkt hatte, daß ein zerlumpter Dalles ewig ein Dalles bleibt, das armseligste Geschöpf, kein Hund wird mit ihm tauschen — da setzt' ich mir vor, es soll anders werden. Vor Allem schalbert und schalbert ich mir zusammen, daß ich mir ein Wägelchen mit einem Pferde, hübsche Kleider und eine goldne Brille anschaffen konnte — es hat lang gedauert, ich trug Hunger und'Frost unermüdlich, aber einen Dukaten und wieder einen , wechselt' ich mir aus den Pfennigen und Sechsern ein, bis ich genug hatte. Nun setzt' ich mich hinein, fuhr in die nächste große Stadt, fuhr in ein gutes, renommirtes Gasthaus. Ein Paar Tage that ich nichts, als recht oft in meinem Wagen in den Straßen umherfahren, um mich sehen zu lassen, die Leute frugen, wer ist das? es hieß , ein reicher "Kaufmann, logirt im Hotel zum goldnen Ring. Gut. Erkundigte mich nach den Juwelirern, und wählte mir zwei, die spinnefeind mit einander sinddaß ich wußte, sie sprächen nicht mitsammen. Ging zum ersten, und frug ihn, wie viel er gäbe für so und so große Stücke Bernstein und so und so viele Perlen. Gab er mir Bescheid, und ich sagte „gut", und ging weg, so viel er mich rief; kehrte mich um, lud er mich zu Tisch, sagt' ich, ich Hab' keine Zeit. Ging zum Andern, frug auch. Fing er anich sollt' ihm die Sachen bringen, sagt' ich, ich steh' in Unterhandlung mit Dem und Dem, und da Hab' ich sie gelassen, er will sie sich erst ansehen; schrie er: „O weh, seid Ihr sicher, sie wieder zu kriegen rief ich: „was werd' ich nicht, wird's doch ein ehrlicher Mann sein — —" schüttelt' er mit dem Kopf, fang ich an unruhig zu werden, und will fort, und laß ihn nicht ausreden, und laufe von'dannen. - Den andern Tag schlendre ich langsam vor dem Laden des Zweiten vorbei, ruft er mich 'ran : „nun, wie üst!s geworden?" Mach' ich eine zufriedene Miene, und sage: „ist-ein ordentlicher Mann', bin mit ihm Handels eins geworden- und hat mich viel besser bezahlt, als Ihr geboten.". Kraut sich der hinter's Ohr,, und lädt mich zu Tische, will ich nicht, dringt er in mich, geb' ich ihm endlich nach, und nehm'san. Wird sehr wohl gespeist, ich aber eff' nicht viel,. nicht wenig, thu' nicht groß, nicht klein, sondern Alles wieordinär,, bekommt der Mann immer mehr Respekt. Frägt er mich endlich: „Was willst du hier?" sag' ich: /.ich bring' Bernstein und Perlen her, und kaust seidne Maaren dafür." Bietet er nur an Kredit, wenn ich in Zukunft nicht seinem Feind, sondern ihm verkaufen will. Nehm' ich den Kredit nicht an (denn er wird sich erkundigen nach mir), aber verkauferl will ich ihm in Zukunft. Scheidenwir als sehr gute Freunde. Nach einem Paar Tage komm' ich in Eile in seinen Laden: „Könnt Ihr mir da auf ein, zwei. Tage 300 Thaler geben,,mir fehlt noch Geld, ich krieg's erst mit der Post." „Sehr gern- und wär's zehnmal so viel." - „Nun war.ich. ein . gemachter Mann: ein Wägelchen/ ein Pferd und 300 Thaler, und man ist. nicht gerettet Zeit seines Lebens, und man kommt nicht so weit, gut zu essen und gut zu -trinken-, ohne daß man -einen Menschen zu betrügen braucht — so ist man ein bornirter Mensch, der ruhig bei seinem Dalles zu Fuß bleiben muß, und darf sich niemals beklagen. Meint Ihr, ich Hab' dem Juwelier seine 300 Thaler behalten? Freilich verging ein ganzes Jährchen, eh' ich so viel raus hatte; dann aber fuhr ich ruhig nach der Stadt, und brachte dem Mann seine 300 Thaler mit 5Prvzeut Zinsen, und entschuldigte mich mit vielen Reisen, und speiste sehr gut wieder bei ihm, und lieh mir Nichts wieder von ihm — das hat mir in der Stadt mehr eingebracht, als wenn ich was von ihm hätte haben wollen, und er hätt's mir nicht gegeben." Alle staunten; da fing Einer an: „Da seh' ich immer noch nicht,, wie Du's machst, um zu bestehen...." „Dummkopf, der Du ewig ein Dalles zu Fuß bleiben wirst ... sollich Dir Alles sagen? Das mußt Du selber raus finden. Z. B. Ich fahr' nach, ein er Stadt, halte mich da auf, thu' auf die verschiedenste Weife, als ob ich Geschäfte mache, erwerbe, mir viele Freunde- — was ist leichter, , wenn man etwas Geld hat-und sehr .viel zu haben scheint? — zuletzt, fahr' ich vor, und veranstalte eine Sammlung, da für Abgebrannte, dort für Cholerakranke, hier dafür, dort dafür, und wer versagt mir da eine-Gabe, oft sehr bedeutende Gaben? ... Nach selbiger Stadt komm' ich zwei-, dreimal und mach' keine Sammlung, nach Jahren thu' ich's wieder, und die fällt noch besser aus, als das erste Mal. DaS ist nur so ein Erempel. Man muß es gut. erfinden. . Wer aber zu Wagen schnurrt

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