Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 38 (13.9.1852)
- Date
- 1852-09-13
- Page
- Seite 453 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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453 grissenen Ausstellung eines, neuen Steuerkatasters für die Betheiligten von größtem Interesse, der. an.sie ergehenden 'Aufforderung, vor der Klassisikationskommission zu erscheinen, Folge zu leisten. Posen, 30. August. (Privatmitth.) Die Cholera grassirt hier stärker als in früheren Jahren: Vorgestern hatten.Wir n eu n jüdische Leichen, ein Fall, der seit undenklichen Zeiten nicht vorgekommen, gestern zwei. Seil 8 Tagen werden die i2->2dr und Psalmen täglich, zweimal in allen Synagogen rezitirt. Sehr thatig und bewahrt zeigen sich die Mitglieder der jüdischen Krankenverpflegungsgesellschaft; der Magistrat hat sich deren vom Vorstande bei den. christlichen Bewohnern in den volkreichen Vorstädten erbeten und bereitwilligst erhalten. Nur bei Gott ist Hilsel — Ich übersende Ihnen anbei zu gefälligem Abdruck einen Artikel der Pos. Ztg. über einen herben Verlust, den wir in diesen Tagen erlitten haben. In der Nacht vom 19. zum 20. verschied hierselbft der Kaufmann .Herr Meyer Neufeld im 67, Lebensjahre, nach kurzem Kampfe an der Cholera. Sein Tod ist ein ebenso herber Verlust für seine zahlreiche Familie, wie für seine Glaubensbrüder. Die Armen und Bedürftigen beklagen den Tod eines ihrer ersten Wohlthäter, denn das Leben des Dahingeschiedenen war eine ununterbrochene Kette edler und wohlthätiger Handlungen, sein Haus die stets offene Zufluchtsstätte per Hilfesuchenden gewesen. — Die zahllosen Unglücklichen, die sich der Strenge der gegen den altjüdischen Kultus gerichteten Ukase durch ihren Uebertritt nach Preußen entzogen, und zumeist ihren Weg über Posen nahmen, verdankten ihm ihre weitere Beförderung und Uebersiedelung nach Amerika. Neufeld brachte enorme Summen zu diesem Zwecke auf und seine Bemühungen haben ihm einen Namen gemacht, der nicht allein auf dem Kontinent sondern auch in England mit Achtung genannt wird. Es ist bekannt, wie vorzugsweise sich die Notabeln der londoner Börse der elenden Lage der polnischen Juden in, dem letzten Jahrzehend angenommen haben, und daß der Sheriff won London, Sir Moses Montefiore, sich vor einigen Jahren zu dem Ende persönlich mit einer Petition nach Petersburg begeben hat. Im verflossenen Jahre machte Neufeld eine Reise nach London, wo er, mit Auszeichnung ausgenommen, daS Interesse für die Verhältnisse der Juden in Rußland von Neuemanzuregen sich bemühte, DpW hierorts garnisonirenden unbemittelten Militärs mosaischen Glaubens widmete, Neufeld eine wahrhaft^ väterliche Fürsorge. Er bemühte sich alljährlichdenselben.an den hohen Festtagen von den Militärbehörden, Dispens vom Dienst zu verschaffen und brachte, sie während des. Osterfestes als Kostgänger in einzelnen Familien '.unter, damit sie des Genusses der rituellen Osterkosi theilhaftig würden. Zu Vieser Zeit glich das HauS veS Verewigten fast ^einejn ServiSamte, von dem sich Unbemittelte, Militärs'und Nicht-Militärs, die Anweisung auf achttägigemBeföst.igyng cholten. Der Name Neufeld hatte einenso guten Mang, sein Wohlthätigkeitssinn fand so lebhafte Anerkennung, daß nicht leicht. Einer seiner Glaubensbrüder sich . den Opfern entzog,, die er ihm auferlegte. Er konnte daher über große Summen zur Unterstützung der Armuth und des Elends gebieten. Sein. Tod ist somit ein sür gewiß lange Zeit unersetzbarer-Verlust. Er stürb, wie er gelebt, fromm und ergeben in dem göttlichen Willen, vorbereitet auf den Tod, der ihn herber Weise an dem Tage ereilte, an welchem er die Hochzeit seiner Enkelin feiern wollte. Sein Andenken wird fortleben in dem Herzen der Armen, deren Beistand er in seinem Leben gewesen. Breslau, 21. August. (N. O.--Z.) .Man wird sich noch lebhaft der Umstände erinnern, welche eine Verlegung der Börsenversammlungen aus dem Börsengebäude am Blücherplatz nach dem Saale des Cafe restaurant veranlaßt. Man kann sie kurz als-den christlich-jüdischen Kaufmannsstreit bezeichnen. In Folge dessen gaben sich Bestrebungen kund, eine breslauer kaufmännische Korporation zu konftituiren, eine Korporation, welche lediglich mit Rücksicht auf das Gewerbe gegründet, jeden weitern Streit über die Theilnahme der jüdischen Kaufleute an den Vergnügungen der christlichen an der Börse und im Zwinger beseitigen sollte. Diese Bestrebungen Haben trotz, vielleicht auch wegen der Einmischung der städtischen Behörden in diese Angelegenheiten zu keinem Resultate geführt. Das Schisma hat aufgehört, die christlichen Kaufleute besuchen die jüdische Börse, aber eine Handelskorporation hat sich bis jetzt nicht gebildet.- An eine Rückkehr in daS alte Börsenlokal scheint,- nach den im Börsengebäude bereits vorgenommenen Bauten zu schließen, nicht: mehr gedacht zu werden. .