Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 38 (13.9.1852)
- Date
- 1852-09-13
- Page
- Seite 451 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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451 rade wie im Kinde, die Sehnsucht Nach Gott wieder? warum wird dieser wieder frömmer und ' suchet Gott? und warum sticht dich die Frivolität eines Greises tfiit brennendem Schmerze, während du sie dem Jüngling leicht nachsiehst? Nicht die Furcht vor dem Tode, denn diese läßt uns niemals, nicht daß daS Ende nahe, denn nahe ist dies uns zu aller Zeit — sondern ganz unmittelbar wie im Kinde eröffnen im Greise die natürlichen Quellen des Geistes sich wieder, er nähert dem Eingang zu Gott sich, wie daS Kind vom Ausgang auS Gott kommt. So ist diese Sehnsucht des Menschenherzens nach Gott unverwüstlich, und mag nun ein Geschlecht der Religion sich noch so sehr entfremden — einmal, urplötzlich, Kindheit und Alter, Freude und Schmerz wecken es wieder, bringt eS immer wieder zurück — 'nb önp, ‘ptt „Keiner ist so heilig wie der Ewige!" . Und dennoch, eine dritte Mahnung zur Religion ist selbst im Verlangen, in der Forderung der Vernunft. Oder sprich: verlangest du nicht Recht und Sittlichkeit in der Menschenwelr? forderst du nicht Liebe und Erbarmen unter den Menschen? ober willst du, daß Unrecht, Zuchtlosigkeit, Haß und Gewaltchat immer mehr überhand nehmen und „Trümmer schaffen"? willst du, daß Selbstsucht,^ List, Betrug die Triebfedern alles ThunS bei den Menschen werden?.oder daß Edelsinn, Großmuth, Opfer-, Willigkeit wachsen und wachsen? Nun, wenn du wahr sein willst: worauf stützet sich Recht und Sittlichkeit in ihrem Begriff, in ihrer Folgerung und in ihrer Berechtigung, wenn nicht auf Gott? Fordert nicht deine Vernunft: entweder es ist kein Gott, und der Mensch kann thun waS er will und frei, d. h. frech all seinem Gelüste fröhnen, denn wer will ihn zur Rechenschaft ziehen? — oder es ist Gott, und darum muß der Mensch das Gute thun, das Böse meiden, Liebe üben, groß und gut und edel sein! Fordert also deine Vernunft, daß Recht und Sittlichkeit und Liebe in den Menschen seien, so fordert sie auch, daß du dich auf Gntt stützest und an ihm hangest, dieweil du durch ihn und in ihm allein edel und groß und Liebe übend, das Böse meidend , das Gute thuend bist; so fordert deine Vernunft, daß du die'Religion stützest und förderst, weil sie allein in ihrer Reinheit und Lauterkeit — das ist die Bedingung —, den Menschen zum Schönen, Edeln, Göttlichen erzieht, bildet, antreibt, begeistert. Und da nun die Vernunft nimmer verloren geht, so mag ein Geschleckt noch so sehr der Religion sich entfremden, es kommet immer wieder zurück, daß sie einsieht: ynK 'üb ">b „daß des Ewigen die Pfeiler der Erde", die Pfeiler der Menschheit, die Pfeiler des Rechts und der Liebe sind/ Darum:ynNin Vb bin „still vor Ihm alle Erde!" Keine Klage, ruhiges Harren Seiner, „denn er kömmt, er kömmt". ... Zeitungsnachrichten .Deutschland. Aus Baiern, Ende August. (Privatmitth.) Veranlaßt durch einen speziellen Fall, dessen Mittheilung^ ich mir bis zum Austrag der Sache Vorbehalte, werden dermalen durch dje allerhöchste Stelle Erhebungen über die Konkurrenzpflichtigkeit der Religionslehrer zu sämmtlichen Kultus lasten gepflogen, welche, wird nur mit Umsicht abfeiten der Unterbehörden verfahren, nur zu Gunsten dieser öffentlichen Diener auSfallen können.' Erwägt man diese und ähnliche Vorgänge, so sollte man meinen, viele Landgemeinden sehen es so recht darauf ab, künftig keine gebildeten Lehrer mehr zu finden. Einen sonderbaren, fast komischen Eindruck macht, selbst in christlichen Kreisen, die Art, wie das königl. Landgericht Kissingen die dortige Rabbinerstelle ausschreibt. Da figuriren Bankerott, Wucher und Neologie in aller hergebrachten Herrlichkeit. Unrecht würde man jedoch gedachtem Landgerichte thun, wollte man ihm die Schuld beimeffen. Unsere Gesetze, Reskripte ic. schreiben einmal Solches vor. DaS aber ist die Folge alles Unzeitgemäßen und Veralteten, es bleibt wirkungslos und macht sich lächerlich. Die Stelle selbst wird einem Rabbiner zu Theil werdenwelcher der Anforderung, „verderblicher Neologie" nicht zu huldigen, sattsam entsprechen wird. Die streng konservativen Rabbinen gewinnen überhaupt immer mehr Terrän bei uns. Möchten jene Herren, welche sonst der Zeit jede Berechtigung auf dem kirchlichreligiösen Gebiete absprechen, nicht verkennen, wie ihre Domination selbst nur ein Erzeugniß der Zeit bildet und sie zur Belebung und Pflege der sittlichen Grundlage in Israel nützen. Gar leicht ist's, gegen den „jetzigen loszuziehen, die „fleißigen Schulgänger" aber opferwillig für den Jugendunr erricht zu machen,, wäre eine schönere Aufgabe.