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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-09-13 · Heft 38 (13.9.1852) · p. Seite 450

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 38 (13.9.1852)
Date
1852-09-13
Page
Seite 450 (sequence 2)
Language
German
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450 Mahnungen, die aus den Seelen und Herzen der Menschen-.immer wieder von selbst hervorquellen und sie erfassen und erfüllen, die Mahnungen, hie tief in die Saiten des Menschengeistes greifen, und die Töne des Göttlichen in ihnen wecken, so lang sie auch schliefen, und diese Hallen wieder und wieder und sterben nicht wieder dahin. ... Ihr fraget, welche diese Mahnungen, die ewig sind kn der Menschennatur, so daß der Religion immer wieder eine Zukunft verbürgt ist, wenn die Gegenwart ihr abgestorben scheint? Vor Allem: die Abhängigkeit deS Menschen von Gott! . . . Ihr wollet sie leugnen, stellet Euch auf eigene Füße und trotzet: wir Menschen find es? Aber daß Ihr abhängig seid von einer Macht, der Ihr Euch nimmer und nimmer entziehen'könnt, leugnet Ihr doch nicht? Habt Ihr noch nicht gesehen, daß was am Morgen blühet, am Abend ist verwelket? was gestern an Kraft und Gesundheit und Schöne leuchtete, heut' ist verschmachtet? Wer ist es, der 'tHtoi rp7272 „tödtet und in die Gruft senkt?" *) — und im Gegensatz, was schon geschwunden und dahin scheint und alle Hoffnung ist aufgegeben und alle Menschenkunst scheitert, aber vom Thau des Himmels getränkt erhebt es sich und erblühet und wachset zu langem Dasein? Wer ist es, der „belebt und heraufbringt?" --- Habt Ihr noch nicht erfahren, wie wer gestern an Gütern der Erde die Fülle — o die Hoffahrt über Tausende von Brüdern — über Nacht sind die Seifenblasen geplatzt, und wie Spreu ist's dahin, die der Wind verweht? noch nicht erfahren, wie es wechselt im Leben, und wer hoch stehet, tief fällt, wessen gestern die Macht und die Ehre, heute nichtig und mit Schmach bedeckt? Wer ist es, der V'SrtDEi W-^172 „arm macht und erniedrigt"? — und im Gegensatz, Fleiß und Mühsal wurden gesegnet, oder im plötzlichen Umschwung ward die Hütte des Mangels in den Palast des Ueberflusses gewandelt, und der des Morgens sprach: wer stillt mir den Hunger? Abends frug er: wer birgt mir das Gut all? und wer drunten ist, kommt droben, es wird der Niedrige erhöht, neben Fürsten zu sitzen: wer ist eS, der -nzmj 2M-172 „reich macht und erhebet?" — Habt Ihr noch niemals gewahret,, wie der Mensch strebt und berechnet, sinnet und brütet, entwirft und beschließt, thuet und. schaffet: aber am Ende still, unvermerkt knüpfen sich die Fol¬ *) Die Schriftstellen find sämmtlich — außer der ganz letzten (Chabak.) — aus der Haphtora des Tages. gen früherer Thaten an seine Schritte, nach vielen, vielen Jahren kommt es zu Tage, was gesäet worden, eS wird geerntet, da es gar nicht erwartet worden fürtpahr ein Gericht, eine gerechte Vergeltung in der Seligkeit nicht mehr erhofften Lohnes und in den Schrecken nicht mehr gefürchteten Verderbens geht durch das Leben — wer ist es, der yitt •’ööi*. •pT „die Enden der Erde richtet?" Und wenn Ihr so abhängig seid zu jeder Stunde, und keine Macht deS Menschen und keine Schärfe des Geistes vermag ihn zu sichern von wem bist du abhängig? Thor, von der. blinden Nothwendigkeit? oder vom Zufall? Was ist in dem Gefühle deiner Ohnmacht deine einzige Stütze, die Säule, darauf du dein zertrümmertes Glück immer wieder bauen kannst, was ist deine Erhebung, daß du der .Gefahr lächelstund ruhig durch die Brandung der Wogen fährst? Die Zuversicht auf Gott! --Und nun mag ein Geschlecht noch so sehr der Religion sich entfremden, die Stunden, in denen sie die Waltung des Herrn erfahren, bringt sie immer wieder zurück: ir^KS ItS *p» „es ist kein Fels wie unser Gott!" Und die zweite Mahnung ist: die Sehnsucht deS Herzens nach Gott, die selbst im kältesten Zweifler niemals überwundene. Sieh,' wie sie aus der innersten, unmittelbarsten Natur schon im Kinde hervorquillt, wie es fragt: wer hat dies gemacht? wer ist die Ursache all Dessen? 'wer giebt und wer nimmt? wer sendet her und entbietet von dannen? — Und dieses Heben und Schwellen zu Gott höret niemals im Menschenherzen auf: dr^Nl fimn N221 b>2» bbönrn wsi ri-,72 „da sie bekümmerter Seele war, betete sie zu Gott und weinte sehr" — weißt du es anders? Ob das Leid plötzlich wie ein Pfeil komme, oder lang vorbereitet wie Gistpfianze aufschieße, dein erstes, dein natürliches Gefühl drängt dich hin, „dem Vater es zu klagen", „deine.Seele vor Gott auszuschütten". Und im Gegensatz: „da ihr der Herr gegeben, was sie von ihm erbeten, da warf sie sich nieder vor ihm, bbsnm und betete." Wie betete sie? „Es frohlocket mein Herz im Ewigen, mein Glück .erhob sich durch den Ewigen!" — weißt du es anders? Wann ging eine drohende Gefahr an dir vorüber, wann fiel eine Last von deinem Nacken, wann ward dir eine schöne Freude, eine unerwartete Gabe und Befriedigung : und dein erstes, natürliches Drängen des Herzens trieb nicht Worte des Jubels und DankeS vor Dem, der Dir es sandte, auf deine Lippen? — Und warum erhebet sich doch im Herzen des alternden Menschen, des Greises, ge-

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