Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 37 (6.9.1852)
- Date
- 1852-09-06
- Page
- Seite 441 (sequence 5)
- Language
- German
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441 der Staats- und Zentralkirchenkasse unterstützt werden. Unsere OberschulbKörde wird rwthgedrungen sein, .israelitische Lehrer aus dem Auölande zu berufen. In einer der größten israelitischen Gemeinden soll jetzt schon auS Mangel an verwendbaren jüdischen Lehrern ein christlicher Hilfslehrer verwendet werden. Zwei unserer besseren Lehrer sind heuer nach Amerika ausgewandert; wie überhaupt die Auswanderung massenhaft unter den Israeliten überhand nimmt. Unsere Blätter brachten jüngst rühmliche Berichte von der Gewerbthätigkiit württembergischer Israeliten in Amerika, die die Lieben in der Heimath reichlich unterstützen. — Vom königl. Konsistorium ist ein Generalerlaß an alle Pfarrämter, die jüdische Schulen zu beaufsichtigen haben, ergängen/wornach der Religionsunterricht in israelitischen Schulen, einschließlich des Hebräischen, geregelt wird. Sechs wöchentliche Stunden müssen auf das Hebräische verwendet werden. Die israelitische Oberkirchenbehörde hat schon früher an die Rabbinate ähnliche Instruktionen ergehen lassen. Die israelitischen Schulen Württembergs zeichnen sich stets durch die besseren Kenntnisse ihrer Schüler ausweniger rühmend kann man. aber der kirchlichen Anstalten Erwähnung thun. Die Reformbestrebungen sind abgenutzt, der blasirte Jndifferentismus gefällt sich in seiner Unthätigkeit; die Orthodorie, die an den Juden auf dem Lande ihre Stütze hatte, verliert ihren Hallpunkt, weil das Leben, Handel und Wandel auch diese Klasse reformirt, so daß die poetische Pietät der Alten durch die Latten geht, und nur ein brutaler Starrsinn zurückbleibt. Sehen wir uns um in den Synagogen des Landes: die Predigt ist den Leuten oft zur Last, sie verlassen die Synagogen schaarenweis. Einige Vorstände haben diesem Unfuge durch Strafandrohung Einhalt thun wollen; die k. Oberkirchenbehörde hat aber im Rekurswege solche Strafen ausgehoben. Wir haben in mehreren größeren Gemeinden Gelegenheit gehabt.wahrzunehmenwie gerade das Predigtanhören als Demonstration gegen Rabbinen und Kirchenvorsteheramt benutzt wirb; ja in einer Gemeinde sogar hören die Predigtrenitenten das Muffafgebet vor der Kirchenthüre. .Hier hat die k. Oberkirchenbehörde die Gewissensfreiheit in zu larem Sinne gehandhabt. Wenn es Jedem freisteht nach Belieben die Synagoge zu verlassen und gehässiger Gebrauch von dieser Erlaubniß gemacht wird, so ist die ganze Gemeinde in ihrem Gottesdienste gestört, und die Ausübung, des gottesdienstlichen Kultus ist der kirchlichen Genossenschaft erschwert. Wir machen nun die k. Oberkirchenbehörde auf diesen Mißstand aufmerksam, und hoffen, daß den Gemeinden ferner wieder ihre Autonomie in der Synagogenpolizei zurückgegeben werde. Einen herben Verlust haben die Israeliten Württembers in dem Tode ihres edeln.Glaubensgenossen M. Benedikt zu beklagen. Er starb in einem Alter von 80 Jahren am 8. Juli d. I. in den Armen seines Schwiegersohnes, des edeln Vaters der Waisen, vr. Dreifuß. Der Dahingegangene war der Sohn armer Eltern, sein Vater, ümi» '-i, war noch ein .echt patriarchalischer Charakter. Die beiden älteren Söhne wurden in der Karlsschule, an der Jugendstätte Friedrichs v. Schiller, erzogen. Moses Benedikt widmete sich der Malerkunst, bis er, zwar als Talent geschätzt, einsehen lernte, daß die Kunst nach Brod gehen müsse. Er gründete nun ein Wechselgeschäft, dgs unter der alten Firma eines der geachtetsten in Deutschland ist. Mehr aber als der Reichthum an Glücksgütern hat daS edle reiche Herz den Bankier M.^ Benedikt berühmt gemacht. Kein edler Zweck ist von ihm ununterstützt geblieben. Wie er den strebsamen Kunst- und Wiffenschaftbeflissenen reichlich unterstützte, so hielt er es auchnicht unter seiner Würde , für den verachteten Betteljuden Fürsprache einzulegen, wenn er seine Hilfe in Anspruch nahm. Die Stadt Stuttgart hat in ihm einen seiner edelsten Bürger verloren. Die Thränen vieler tausend Armen, die ihm nachgeweint wurden, gehen vor dem Entschlafenen her zu dem Throne des Höchsten, und wenn auch auf Erden weder Stern noch Ordensband seine Brust schmücktenso wird er dort unter bem Kranze der Gerechten leuchten wie deS Himmels Glanz.— Kirchenrath Maier hat am Grabe deS Edeln seine bekannte Kunst als Kasualredner wieder bewahrt, die Zuhörerschaft von der höchsten Aristokratie bis zu dem Bewohner der Hütten war tief von den gefühlreichen Worten der Grabrede ergriffen. — Ueber das Testament des Verblichenen weiß man noch nichts Näheres. Gewiß sind die Wohlthätigkeitsanstalten reich bedacht. Ruhe der Asche deS edeln Entschlafenen, dessen Andenken nicht erlöschen wird, so lange die Nachwelt edle Menschen in den Büchern der Zeitgeschichte achtet und ehrt. —Der Schwiegersohn des edeln Benedikt, Herr vr. Dreifuß, der als