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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-09-06 · Heft 37 (6.9.1852) · p. Seite 439

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 37 (6.9.1852)
Date
1852-09-06
Page
Seite 439 (sequence 3)
Language
German
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439 woran wir zweifeln, denn wenn wir auch ,-einigen Herz en s für möglich hallen, „einigen G e ist e s " in u nserer Zeit-... schwerlich.!Znd was soll die Versammlung?. S.ie soll „sichten und ordnen und die'Verhältnisse des Jugendunterrichtes und des Gottesdienstes regeln und aussprechen: was Israel zu thun hat." Was den Gottesdienste betrifft, so glauben wir, daß eine Einigung und Einheit, hierin herbeizuführen, für jetz t weder möglich, noch nützlich ist. Die verschiedenen Gemeinden stehen noch auf zu verschiedener Stufe der Bildung und darum des Bedürfnisses und des Verständnisses. Es ist auf diesem Gebiete genug geschehen; eS liegen den' Gemeinden die verschiedenartigsten Stufen und Arten zur Auswahl vor, , vom alten stabilen Gottesdienst-bis zu dem der Reformgenossenschaft. Obi nun noch e i » Kompromiß mehr durch eine Rabbinen- und Laienversammlung hinzukomme, da den Gemeinden doch immer die freie Wahl, was sie thun oder lassen wollen, zustehen wird, - wäre kein großer Schritt vorwärts. Hinsichtlich des FugendUnterrichtes kann aber, unsrer Meinung nach, eine solche Versammlung Nichts beschaffen; soll sie erklären, was zum Jugendunterrichte nöthig ist? was zum Religionsunterrichte gehöre? wie dieser eingerichtet werden soll? Dazu bedarf es keiner Versammlung —und nun dies auszuführen, zu verwirklichen? Dies, ist wieder Sache der Gemeinden unter der Einwirkung der hohen Regierungen. Aber der Korresp. sagt auch: „sie soll sichten, ordnen, aussprechen: was Israel zu thun hat." Was soll sie sichten und ordnen? Die Sabbatgesetze?- Die 'Speisegesetze? Der Korresp. wird zugestehen müssen, auf diesem Gebiete läßt sich gar Nichts thun. Diejenigen, welche sich einmal über diese hinweggesetzt habenwerden wir nicht zurückbringen. Diejenigen, welche noch fest daran halten, werden sich Nichts „erleichtern" lassen. Wir müssen lehren und lehren, ein: Jeder nach seiner innersten Ueberzeugung — aber der Strömung; des Lebens können wir nicht entgegentreten, wirdkeine Versammlung der Welt hindernd und . zum Stillstand bringend entgegentreten! Ein Gebiet auf dem wirklich Etwas zu leisten wäre, und in der That von großer Wichtigkeit, würde das jüdische Eherecht sein, denn dies ist täglich öon Bedeutung für die Wirklichkeit — aber das kann' keine Versammlung von Laien, sondern nur von Fachmännern, und ich frage : würden sich da Stabile und Reformer-vereinigen und, verständigen? Ich zweifle. -Also gerade in dem. wesentlichen Punkte, den unser gesch. Korresp. bespricht, - sind wir nicht einerlei Sinnes. Da ist es denn nun gleichgiltig, ob er eine solche Versammlung Und ihr Werk „Kritik" nennt, ich aber gerade ,\ iin e positive S ch ö Pfug für welche ich dem gedachten Artikel No. 32 das Wort ergriff, im Grunde kommt darauf Nichts an. Was eine solche Versammlung schaffen würde, wäre jedenfalls positiv, wenn auch eine Frucht der vorangegangenen Kritik. Und dies stimmt mit dem überein, was ich in dem Artikel No. 32 aussprach. Allein mit dieser Verneinung ist Nichts gethan', und ich bin es dem Korresp. wie meinen gesch. Lesern schuldig, mich noch offen darüber zu erpektoriren. Als den besonder» Beruf meines Lebens, das, was ich mir vöN jeher zur Aufgabe und zum Inhalt gemacht — das ist: Leben zu wecken im Judenthume, wo es erstorben, zu fördern, wo es erwacht ist. Allerdings ist dies Leben ebenso oft in den starren Stabilen erstorben, wie in deN blasirten Jndifferentisten. ES kann Einer nicht athmen im Judenthume, und hält auf's Strengste'kleinstes wie größtes Gebot mit gleicher Gewissenhaftigkeit, wie' Einer, der bei dem Namen „Jude" zu Tode erbleicht. Was'das Leben, das tief innere, geistige Leben weckt und fördert, ist meinen geringen Kräften zur Förderung willkommen. Das wahre Leben im Judenthume kann ich für unsere Zeit nur in der Durchdringung und Durcharbeitung der positiven Lehre des Judenthums und in der intensiv en uns extensiven G estaltung, Gewinnung und Verbreitung der positiven Ueberzeugung von dieser Lehre finden. Es versteht sich von selbst, daß von dieser Lehre und Ueberzeugung ausauch eine' Wiederbelebung der äußeren Erscheinungen unferS Kultus, des großen israelitisch-religiösen Formgesetzes in seinen HöHenZÜgen erstehen und erstrebt werden müß." Nimüi'ermehr aber wird es> meiner Änficht nach, zwslnem «Erfolge'gereichen, die Wiederbelebung und Erhaltung des Formgesetzes a posteriori, d. h. von diesem Gesetze selbst aus zu versuchen, und wenn wir mit Engelszungen reden. Sondern vor Allem kommt es daraüf"an,^mit aller Schärfe Und mit aller Gluth den Lehrinhalt des Judenthums wieder zu beleben, aber bei Diesem, nicht etwa bei etlichen Abstraktionen steheit zu bleiben/ sondern bis ins Konkreteste zu verfolgen. Dies ist der archimeve'ische Punkt, von dem aus auch ein geläutertes Formgesetz, wenn'irgend, wieder belebt und gehoben 'werden kann, Nur erst jener seichte Liberalismus, jener nackte Rationalismus wieder beseitigtwie er vor Dezennien in das Judenthum' ein-

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