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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-09-06 · Heft 37 (6.9.1852) · p. Seite 438

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 37 (6.9.1852)
Date
1852-09-06
Page
Seite 438 (sequence 2)
Language
German
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438 -im ÄÜerentferntesten die Bestrebungen der Zeit verkenne. Ich weiß sie sehr zu würdigen, wer wollte>dem ,HerkuM da^BerdienHabsprechen/? daß er den Augiasstall gereinigt haö, Mher /sind cheüte die Parteien versöhnterhabeil.-sie bereits einen Boden gewonnen, auf dem sie Beide zugleich ihre Heerschaaren aufgestellt haben, daß man hoffen könnte, eine Schlacht werde entscheiden für oder wider. Im Gegentheil sind wir heute Noch viel ärger daran; während früher Alles Antheil am Kampfe genommen Hat, stehet jetzt die ungeheure,^Schaar der. Indifferenten da; und so hört man nur noch da und dort, von Zeit zu Zeit einen Schuß fallen, der hin und wieder einen Schläfer weckt, um bald wieder in Schlaf zu finken. Ja, der JndifferentismuS, das ist der Krebsschaden, bei uns wie anderswo.. Unsere Zeit ist eine materielle, nach Golde drängt, am Golde hängt Alles". Früher, wo die Juden in ihrem Ghetto abgesondert waren, war nicht immer das Gepräge der Zeit an ihnen sichtbar. Es war ein unterbundenes Glied, das, seine eigenthümlichen Erscheinungen hakte. Nun.haben sie den Stempel der Gegenwart an stch. . Dazu kommen noch alle Forderungen des Lebens, denen allerdings das Judenthüm nicht freundlich gesinnt ist; und diese sind gar mächtig und gewaltig, und so wird Zaun um Zaun abgebrochen, Ast nach Äst fallt ab und kaum hält noch der Stamm. ' ES ist in dieser Beziehung sich ja keiner Täuschung hinzugeben. Ich kenne Gemeinden in Mähren und Ungarn, wo noch vor zehn Zähren eine außerordentliche Frömmigkeit herrschte und es zu den Seltenheiteü gehörte, daß Jemand sich in den „drei Wochen" rasirte (freilich mi-t aurüm pigmentum); Heutzutage haben sie den, gordischen Knoten von Vsan und bban ab durchschnitten. Was die Folge 'davon ist , daß bei der Jugend im. Vorhinein, nicht mehr die religiöse Innigkeit ist, und der Verstand in religiösen Dingen zu wirthschaften anfängt. Nehmen Sie noch dazu den Jugendunterricht, und den Gottesdienst und Sie werden ein vollständiges Bild unserer unerfreulichen Verhältnisse haben. . Der Unterricht aus dem Talmud gehört zu den Seltenheiten und auch die Kenntniß der Bibel fängt an sehr abzunehmen; da-, durch entstehet das Mißliche, daß der Gottesdienst nicht, in solcher Weise gefeiert wird, wie er sollte. . Deutsche Gebete sind verpönt und die hebräischen versteht mgn nicht. Hier haben Sie nur einige wenige Striche aus unserm Leben. Mögen die Rabbinen die Äugen zudrücken und sich selber täuschen, und die Prediger sich damit begnügen, werm sie eine hübsche, Predigt gehalten haben; ich, und mit mir jeder Einsichtsvolle, kann.diese Verhältnisse üicht^als erfreulich halten. . . In 'solchxn Zeiten ist es meine, unmaßgebliche Ansicht, muß die Kritik beginnen. Nicht das seichte Kritistren, sondern die ernste, strenge Kritik. Eine Versammlung von Rabbinen und Laien, die daS Vertrauen der Gemeinde haben, müßte sichten und Ordnen und , die Verhältnisse des v Jugendunterrichtes und des Gottesdienstes regeln und aussprechen: waS Israel zu thun hat. — Freilich müßten alle Parteien, dabei vertreten sein, und Alle von dem Gedanken beseelt, für das Wohl und Heil ihrer Glaubensgenossenschaft zu wirken. Sie/ Herr Redakteur! haben bereits unendliche Verdienste um das"!Judenthüm, Sie werden gewiß mit frischer Kraft daran, gehen einen Vorschlag zu fördern, Falls Sie ihn für gut halten. Die Gemeinden werden in ihrem eignen Interesse jetzt wol eine solche Verrsammlung beschicken, denn die Folgen unserer Verhältnisse stellen sich von Tag zu Tag immer mehr heraus. Mögen dann die vorangegangenen Rabbinerversammlungen die Vorläufer gewesen sein zu jener großen Versammlung, wo ganz Israel vertreten sein wird, um einiges Geistes und Herzens zu werden. Wir stehen nicht an , dem Artikel einige Worte zur Bemerkung anzuschließen. Der gesch. Korresp. hätte der! mehreren Einleitworte nicht bedurft. Wir theilen sehr j gern eine Bekämpfung unserer Ansichten mit, und haben; dies noch Niemandem, sofern die Sache irgend von Ber deutung, verweigert. Und nun gar im vorliegenden Falle, ' wo im Grunde, wie es sich zeigen wird, eine Meinungs- Verschiedenheit gar nicht vorliegt. Der Korresp.-zeichnet mit wenigen, aber scharfen Züj gen die Lage der Dinge. Als Abhilfe.empfiehlt er - „eine 'Versammlung von Rabbinen und Laien^.. Es thut uns; leid, hiermit nicht übereinstimmen zu können. Wir brau-? chen nur die Bedingungen anzusehen, welche der Korresp. j selbst aufstellt, um der Unausführbarkeit gewiß zu sein. 'Er sagt: „freilich Müßtenalle Parteien dabei vertreten sein" — wie will er das bewirken? Auf Wessen Ruf i werden diese Vertreter aller Parteien erscheinen? -.Alle müssen von dem Gedanken beseelt sein, für das Wohl und Heil ihrer Glaubensgenossenschaft zu wirken." Wir setzen dies voraus, aber dieser Gedanke, genügt nicht, daß in der Wahl der Mittel, die zu diesem Wohl-und Heil führen; mögen, , sie Alle auseknandergehen. - „Um einigen- Geistes und Herzens zu werden" — das ist es eben/

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