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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-08-30 · Heft 36 (30.8.1852) · p. Seite 430

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 36 (30.8.1852)
Date
1852-08-30
Page
Seite 430 (sequence 8)
Language
German
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430 liegen -— denn nur diese und nicht daS Faktum selber enthält in den-meisten Fällen die ,Lehre; sie dürfen aber nicht, wie, die Moral an die Fabel, der Erzählung angehängt werdew, eine Methode, die an die Stelle der geschichtlichen Form, die sie nur gls Folie gebraucht, die räsonnirende Lehrform setzt, und sich von dem. später zu nehmenden Religionsunterricht bloS durch den Mangel au Ordnung und Zusammenhang, und durch den 'unzuverlässigen, schwankenden Boden unterscheidet, aufdem diese Lehren oft basirt werden — der lästigen Wiederholungen und. anderer Uebelstände nicht zu gedenken, welche diese Methode in der Regel mit sich führt. Es soll damit nicht gesagt sein, daß der Lehrer die in den Erzählungen enthaltenen und in der Darstellung angedeuteten Lehren nicht gesprächsweise dem Schüler zum Bewußtsein führe; nur dürfen diese, nach der Ansicht des. Verfassers, bei der „biblischen Geschichte" keinen besonder« Lehr¬ oder. vielmehr Lerngegenstand für die Jugend ausmachen. Wer nur Ein Mal mit auch nur einigermaßen . selbstständigem pädagogischen Urtheile. eine solche Prüfung aus der „biblischen Geschichte^ mit dem obligaten „was lernen wir daraus für die Religion?" und „was lernen wir daraus für die Moral?" mit angehört hat, - wird' die unausstehliche Monotonie, das in den meisten Fällen Gezwungene und oft Zweckwidrige einer solchen Behandlungsweise der Geschichte auf den Ersten Blick erkannt haben." „Wir sind gewiß nicht gesinnt, den nationalen Partikularismus,". heißt es an einer andern Stelle, „das Wort zu reden; aber in einer Zeit, wo das Judenthum und Alles, was jüdisch ist, nicht etwa, wie ehedem, bloS von außen — da sichdem zermalmenden Andrange von daher ein inneres., kräftiges, religiöses und nationales Selbstbewußtsein entgegenstemmte— in einer Zeit, wo das Judenthum in seinem Innern zerfallen und verfallen, von seinen eigenen Bekennern verkannt und mißachtet ist, in - einer Zeit, wo jedes edlere Selbstbewußtfein bei einem großen Theile der israelitischen. Jugend erstorben ist, und die Gegenwart selber kein erhebendes Moment bietet, ist es nur die große Vergangenheit, , an der die Gegenwart -erbaut, durch-welche die 'Jugend gehoben, und in deren Anschauen ein edleres Selbstbewußtsein in ihr geweckt wer- . den kann. Fanden die Griechen und Römer in den Zeiten ihres Glückes und ihrer Größe, in der Geschichte ihrer großen Männer das geeignetste Bildungs- und Erziehungsmittel für die Jugend; so sollen wir in einer Zeit der "Gesunkenheit solche Erziehungsmittel, sicherlich nicht verschmähen und verabsäumen," Die Vernachlässigung der eigenen Geschichte kann nicht oft und nicht hart genüg'gerügt 'werden. Es ist eine betrübende. Erscheinung, die, ein sehr schlimmes Zeichen der Zeit ist. Man kann darum nicht nachdrücklich genug auf die hohe Pflicht aufmerksam machen, den . fast erstorbenen Sinn, für, Geschichte frühzeitig zu wecken, worauf schon Moses ein besonderes-Gewicht gelegt: Gedenke der Tage der Vorzeit, erwäge die Jahre vergangener Geschlechter, frage deinen Vater, daß er dir.künde, deine Alten, daß sie dir ansagen (5 B. ,M. 32.)., „Man glgubte," sagt der Verf. mit Recht, „der göttlichen Waltung Abbruch zu thun, wenn man in dem Gottesreiche auch einen Menschen eine selbstständige Thal verrichten ließe, und so begnügte, man sich z. B.. am Chanuka mit dem Dankgebete Al Hanissim rc., und als geschichtliche Erklärung mit der Sage vom kleinen Oelkrüglein, während die Makkabäer dem größten Theile des Volkes bis auf die Namen unbekannt blieben." . .; „Die biblische Geschichte soll nicht, wie so Manche glauben," heißt es etwas weiter, „bloS durch. ihren gemächlichen Ton und durchihre kindliche Einfalt das jugendliche Gemüth, wie etwa eine Erzählung aus dem Lesebüchlein, auf Augenblicke anregen; sie soll nicht blos Erziehungsmittel sein, das man dann bei Seite legt, wenn es seine Wirkung dem Alter angemessen gethan; die biblische Geschichte ist gleichsam Selbstzweck, sie soll eine bleibende Lebensjund Weltanschauung der Jugend geben". „Der Verf. theilte daher das Buch in 2 Theile; der erste, die biblische Geschichte bis zum Ende der Richterzeit (die Episoden vom 17. Kapitel u, f. w. sind gänzlich weggeblieben) enthaltend, ist für die 2te und 3te Klasse der Volksschule bestimmt; den 2ten Theil,. die vorerilische Zeit, vom Beginn des Königthums in Israel, und die nacherilische bis zur 3 e r st ö r u n g. des zweiten Tempels, für Isten Jahrgang der Oberrealschule und die 4te Gymnasialklasse u. s. w." ' " Wo schon in der Volksschule der Bibelunterricht in der Ursprache (wie selbst in Wien) einen inlegrirenden Theil des Religionsunterrichts (dem aber nur in jeder Klasse 3 Stunden wöchentlich anberaumt sind!) aus macht, da kann, meint der Verf., der Jugend Mehreres nicht aufgebürdet werden, wo freilich. auf dem Lande eine bessere Vertheilung und. Benutzung des Stoffes stattsin den kann. Ueberhaupt hat man immer nur beim Religionsunterricht die Knaben vor Augen, denen die. Bibel zugänglich ist, und berücksichtigtzu wenig die Mädchen, die mit der bibli-

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