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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-08-30 · Heft 36 (30.8.1852) · p. Seite 429

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 36 (30.8.1852)
Date
1852-08-30
Page
Seite 429 (sequence 7)
Language
German
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42S Nordamerika. Philadelphia. Die letzten Hefte der an diesem Orte erscheinenden, von Herrn Isaak Leeser herausgegebenen jüdischen Monatsschrift „tlre Ooeiäenl." sind unS soeben zugekommen. Bei der Durchlesung der „News items“ kann man daS rege Leben, das sich im amerikanischen Judenthum entfaltet, wohl beobachten. Da wird von einer Konfirmation in der Rodef-Scholem-Synagoge zu Philadelphia (in deutscher Sprache), dort von Predigten und Konfirmationen in den Synagogen zu New-Aork, dann z. B. von den Beiträgen an die Armen in Palästina, in den beiden letzten Jahren 316 Dollar, von den Wahlen von Predigern und Vorbetern in den verschiedensten Gegenden, von den höchst zahlreichen wohltätigen Vereinen, und Stiftungen, die überall gegründet sind und werden (z. B. in Panama auf dem JsthmuS), von der Erbauung oder Restauration von Synagogen, von Dankesbezeugungen an die Vorsteher der Gemeinden, in öffentlichen Meetings dargebracht, von Schulen und ihren Leitern u. s. f. berichtet. Mit der Zeit wird in dieses ChaoS wol auch noch eine gewisse Organisation, eine freie Vereinigung, aber in gemeinsamen Streben nach einem bestimmten Ziele, Belebung und Unterstützung des Judenthums aller Orten, kommen! Literarische Nachrichten. Aus Mähren, im Juni. (Zur Schulliteratur in Oesterreich.) Biblische Geschichte für die israelitische Jugend. Bearbeitet von Leopold Breuer, Religionslehrer in Wien. I. Theil, 2te Auflage, VIII. 120. — II. Theil. 176. 8. Wien, 1852. Nicht durch die Lehrsätze, sondern durch die Geschichte der Bibel keimet lebendige Religion auf, sagt Jean Paul in Levana. Ein schönes, wahres Wort, das nicht genug beherzigt zu werden vermag. Wenn beim Religionsunterricht überhaupt viel, recht viel zu wünschen übrig bleibt, was Jedermann gern zugeben wird; so wird die biblische Geschichte in den Volksschulen (wir haben hier Oesterreich vorzüglich im Auge) gänzlich vernachlässigt. Mit dem Katechismus ist man leicht fertig! Die 10 Gebote, die Eigenschaften Gottes und was braucht man mehr! Mit der biblischen Geschichte macht man sich's noch bequemer! Zum Dikn'ren ist sie, wenn noch so gedrängt, zu weitläufig; vorgrschrieben ist sie nicht; biblische Geschichten für Israeliten giebt es nur sehr wenige *) und meistens nicht mehr im Buchhandel zu haben. Man ließ sie daher ganz weg. Wol wird der Bibelunterricht in der Ursprache noch immer Gottlob von den Knaben so ziemlich betrieben und mit Recht als der eigentliche Religion sunterricht * 2) betrachtet, .aber die Mädchen gehen dabei leer aus. — Herr Breuer hat mit seiner biblischen Geschichte einem nur zu sehr gefühlten Bedürfnisse abgeholfen. Denn in Beziehung auf die h. Geschichte ist Schillings berühmtes Wort gewiß doppelt wahr: „Dennoch ist selbst unter dem Heiligen Nichts, das heiliger wäre als die Geschichte, unser großer Spiegel des WeltgeisteS, dieses ewige Gedicht des göttlichen Verstandes;- Nichts das weniger die Berührung unreiner Hände ertrüge." — Daß Herr Breuer den richtigen Standpunkt erfaßt, läßt sich am Vesten mit seinen eigenen Worten, im Vorworte, beweisen. „Der Ausdruck „biblische Ge-, schichte" gilt dem Verfasser nicht bloß als Bezeichnung des geschichtlichen Materials, sondern zugleich und vornemlich als Bezeichnung des Stand- und Gesichtspunktes, von dem und nach welchem die Bibel die Geschichte behandelt. Der Bibel ist die Geschichte Offenbarung Gottes in Thaten, wie die Natur Offenbarung Gottes in Werken ist. Es wallet eine göttliche Vorsehung, die mit unsichtbarer Hand die Ereignisse lenkt, und, wie bei Belschazar, den Einzelnen wie den Gesammtheiten nach strengem Maß und Gewicht daS Urtheil fällt und daS Geschick bestimmt — das ist der rothe Faden, der sich in der Bibel durch die Geschichte fortzieht. Insofern ist die „biblische Geschichte" zugleich Lehre und kann oder vielmehr soll, eben weil sie diese, wie so manche andere Lehren, in der den Kindern zusagenden geschichtlichen Form und in kindlicher Einfachheit darstellt, bis zu einem ge- ' wissen Alter die Stelle der eigentlichen Religionslehre bei der Jugend vertreten. Nur sollen diese Lehren, wie in der Bibel selbst, mit in der Darstellung der Geschichte verflochten sein, oder vielmehr in der Darstellung selbst *) Dies ist eine eigentümliche Behauptung!. Ich will dem Herrn Rezensenten 25 aufzählen., 2) Diese Behauptung geht viel zu weit! Der Unterricht in der hebräischen Bibel ist sicher ein wesentlicher Theil des Religionsunterrichtes, aber der eigentliche Religionsunterricht ist er nicht, denn dieser baut sich erst auf jenem auf. Redakt.

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