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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-08-30 · Heft 36 (30.8.1852) · p. Seite 428

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 36 (30.8.1852)
Date
1852-08-30
Page
Seite 428 (sequence 6)
Language
German
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428 die im Jahre 1848 von den Umständen gebotene Beschränkung'der Aufnahme von Zöglingen beinahe die ganze Summe der Einkassirungen für dieses Jahr dem Vorstande im Jahre 1849 zur Verfügung stand; theils dadurch, daß seitdem nicht bloS bemittelte und wohlhabende Eltern aus den Provinzen ihre Kinder dem Handwerke widmeten, und dem Vereine die für dieselben zu machenden Auslagen ganz oder theilweise ersetzen, sondern auch, daß ganze Gemeinden, wie Preßburg, Pesth, Ofen, über schriftliche Aufforderung deS Vereins sich zu Beiträgen für die aus ihrer Mitte aufzunehmenden Zöglinge bereit erklärt haben, welche sämmtliche Beträge in den Beilagen A, B und 6 unter der Rubrik: „Rückvergütungen" angeführt sind. Müssen wir auch mit Bedauern gestehen, daß ähnliche Aufforderungen bei vielen, selbst wohlhabenden Gemeinden ohne Erfolg geblieben, so zeigen doch die vorerwähnten Beispiele zur Genüge, welche große Ernte die vom Vereine gestreute Saat bereits gebracht, und zu welchen Hoffnungen für die Zukunft sie berechtigt." Im Jahre 1848 betrugen die Jahresbeiträge 1492 fl., 1849: 1646 fl., 1850: 1596 fl., 1851: 1581 fl. Man kann also in der. That nicht sagen, daß Wien für ein so glänzendes Institut große Opfer trägt! An Fonds besitzt der Verein circa 13,000 fl. Wir können es daher wohl begreifen, wenn der Bericht mit folgenden Worten schließt: „Nach so vielem Befriedigenden, das wir unseren verehrten Vereinsmitgliedern zu berichten hatten, können wir zum Schluffe nicht verschweigen, daß die Vermehrung der Zöglinge und die hierdurch wachsenden Ausgaben — die beiden Rubriken: „Bekleidung" und „Bildungsanstalten" betragen im Jahre 1851 circa 1900 fl. — die flüssigen Vereinsmittel der Art erschöpft haben, daß wir uns ui dem gegenwärtigen Jahre zu unserm innigsten Bedauern wieder zu einer bedeutenden Beschränkung in der Aufnahme bemüßiget sehen." „Unsere Hoffnung, oder vielmehr die der armen und verlassenen Knaben, deren fast in jeder Woche mehrere aus allen Gegenden der Monarchie um die Aufnahme petitioniren, beruht einzig und allein auf dem bekannten Wohlthätigkeitssinne unserer hiesigen ^ultuögemeinde." „Indem, wir -daher mit aller Zuversicht vertrauen, daß die bisherigen Wohlthäter des Vereins uns ihre Theilnahme auch ferner nicht entziehen werden, hoffen wir mit nicht minderer Zuversicht auf einen Zuwachs von beitragenden Vereinsmitgliedern." Möge diese Hoffnung nicht getäuscht werden, und unsere wiener Glaubensgenossen sich neue Ehre und neues Verdienst erwerben! Großbritanien. London, 20. August. Nach den öffentlichen Blättern will Rothschild seine Stelle im Hause der Gemeinen, da mit deren Behauptung doch Nichts gewonnen ist, zu Gunsten eines sehr tüchtigen Mannes, der die Vertheidigung der Gleichstellung kräftig übernehmen würde, aufgeben. ES wäre damit ausgesprochen, was längst kein Hehl ist, daß es mit dieser Gleichstellung in England — noH weit im Felde liegt. Rußland. Warschau, im August. So traurig es ist, von den Verheerungen, welche namentlich in Warschau die Cholera anrichtet, zu berichten, so bewährt sich doch der Mensch gerade in solchen Zeiten am Ehesten, und unterlassen wir nicht einige solcher Züge anzuführen. Die jüdische Gemeinde läßt täglich 9000 Portionen Thee an Arme ohne Unterschied der Konfession vertheilen, und jeden Mittag werden wenigstens 600 jüdische Arme gespeist. — Der Fürst- Statthalter hat 300 S. R. für die jüdischen Armen in Praga (jenseit der Weichsel) bestimmt. —. Der Lloyd theilt mit: Das warschauer Rabbinat erließ an alle Israeliten deS Königreichs Polen eine Kundmachung, worin sie aufgefordert werden, wegen der herrschenden Cholera die auf Fasten und den Sabbat bezüglichen Vorschriften nicht allzustrenge zu beobachten, namentlich aber nicht dabei zu verharren, am Sabbat blos kalte, Tags zuvor bereitete Speisen zu genießen, sondern die Speisen am Sabbattage selbst zuzurichten und warm zu verzehren. Das Verhältniß zwischen den der Cholera erliegenden Christen und Juden hat sich nämlich zum großen Nachtheile der Letzteren herausgestellt, und unter diesen sind es wieder jene Ortschaften, welche von Altgläubigen bewohnt werden, wo die Sterblichkeit am Meisten herrscht.

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