Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 36 (30.8.1852)
- Date
- 1852-08-30
- Page
- Seite 425 (sequence 3)
- Language
- German
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425 Prof. Haindorf gestifteten und erhaltenen „Rheinisch-Westphalischen Vereines zur Bildung jüdischer Lehrer und Beförderung der Künste und Handwerke unter den Juden" die Rede war, und das Bedauern ausgesprochen wurde, daß trotz vieler Bemühungen das Interesse des Publikums für den Verein immer-'mehr erlahme, und wir die Frage aufw'arfen: ob wol die Thätigkeit des Vereins hinsichtlich der Handwerker überflüssig geworden? — tönte von allen Seiten der nachdrücklichste Ruf entgegen: Bei Leibe nicht! diese ist gerade der nothwendigste Theil der Vereinszwecke und müßte, gerade immer mehr bethätigt werden! — Ein höchst würdiger Mann, der selbst Vorstandsmitglied eines solchen Vereins, und zwar eines der jetzt thätigsten Vereine ist, schrieb uns in diesen Tagen. „Fordern Sie immer und immer wieder zu solchen Vereinen, namentlich zu Ackerbauvereinen auf. Der reiche Jude wird Güterbesitzer, Fabrikant, Industrieller im Großen werden; Bauern und Handwerker können wir nur aus den Armen erwarten; denen muß aber unter die Arme gegriffen werden; die Vorurtheile gegen diese Stände selbst besiegt die Noth,- in welche die Hausirer immer mehr versinken, und das Beispiel derer, die in jenen Ständen zu gedeihlichem Ziele gelangten." Darum, liebe Glaubensgenossen, nehmet Dies mit der, in Euch so leicht zum Guten anzufachenden Empfänglichkeit auf! Lasset uns nicht warten, bis das Uebel einen zu großen Umfang genommen, einen nicht zu überwältigenden, der uns selbst ergriffe! Als der Rabbinismus die guten Werke schematisirte, die er unter NpNL und NvN zu fassen, da nahm er nach den Verhältnissen jener Zeiten Vieles auf, was damals von hoher Bedeutung, jetzt gar nicht oder viel weniger zu üben ist; unter jene zählte er 2^22) yms die „Auslösung von Gefangenen", unter diese a^Vm und 2-^28 2w „Besuch der Kranken" und „Tröstung der Leidtragenden"; die erstere gehört jenen düsteren Zeiten der Verfolgung der Juden an, die letzteren beiden können nach den gesellschaftlichen Verhältnissen jetzt nicht mehr als allgemeine Uebung angesehen werben — wohlan! so setzt die Theilnahme an solchen Vereinen dafür an die Stelle, wirket für die Erziehung unserer Glaubensgenossen zu gutem bürgerlichen Leben, wirket für die Zukunft unserer ganzen Glaubensgenoffenschafk! So möge dies Wort bei vielen Biedermännern eine gute Statt finden! Mögen sie zu solchem Werke an den bevorstehenden hohen Festlagen, an denen schon so manche gute That ihre Keimkraft gewonnen hat, sich angeregt fühlen! Mögen es insonderö die Geistlichen und Lehrer der Gemeinden sich zur Pflicht machen, im Schooße der Familien auf Erlernnng des Ackerbaues und der Handwerke hinzuwirkcn und die Bemittelten zur Unterstützung armer Kinder zu veranlassen! Doch gerade hierbei gestatte ich mir noch ein freundliches Mahnwort hinzufügen. Die Vereine dieser Art haben, mit wenigen Ausnahmen, immer nur den materiellen Zweck im Auge gehabt, die Zöglinge zu tüchtigen Gesellen heranzubilden. Dies genügt jetzt nicht; sie müssen mehr thun; sie müssen auch für die intelligente und religiöse Ausbildung der Zöglinge Sorge tragen; sie müssen für weitern Unterricht und für dann und wann gottesdienstliche Uebungen der Zöglinge (das Letztere hat der wiener Verein trefflichst gethan) bestimmte Einrichtungen treffen. Der Handwerker und Bauer, dessen Intelligenz und Blick jetzt nicht über die Nadel oder die Scholle hinwegreichen, kommt nicht vorwärts. Und was soll ein jüdisches Institut ohrte Judenthum?-Durch solche Einrichtungen werden fie"dem Vereine einen belebenden Hauch geben, ein höheres Interesse, ei^e noch segensreichere Folge, noch sicherere Resultate. Magdeburg, 22. August. Von der Seele. (Materialien. Fortsetzung aus No. 28. 80.) Wie wenig Boden gerade in der Wissenschaft, gerade in der Erfahrungswiffenschaft die materialistische Ansicht von der Seele hat, wie sehr die sorgfältigsten Beobachtungen der Identität von Seele und Leib geradezu widersprechen, ersieht man aus der ausgezeichneten Abhandlung „über das Gehirn" von Volkmann (Bd. I. S. 563—597). Hier ergiebt es sich, daß es schon sehr mißlich aussieht, wenn man den vermuthungsweise ausgesprochenen Satz, daß die Stufenleiter der Hirnentwickelung ein Maßstab für die psychische Begabung thierischer Wesen sei, empirisch beweisen will, und Volkmann spricht es^ trotzdem er ungern der spiritualistischen Ansicht Vorschub leistet, geradezu aus. „Der Materialismus freilich gefiel sich in der Behauptung, daß zwischen Hirnbildung und Seelenleben ein paralleler Entwickelungsgang bemerklich sei; allein die Beweisführung war oberflächlich und zum Theil selbst willkürlich." Er führt z. B. an: das Gehirn der Mollusken kann kaum unvollkommner genannt werden,