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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-08-30 · Heft 36 (30.8.1852) · p. Seite 424

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 36 (30.8.1852)
Date
1852-08-30
Page
Seite 424 (sequence 2)
Language
German
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der, daß die Gesetzgebung fast aller Länder auf die Beschränkung,.)« in vielen Branchen auf die Aufhebung des Hausirhandels hinwirkt. Ist doch z. B. in Preußen die Gewerbebesteuerung des Haustrhandels die verhältnißmäßig höchste von allen Gewerben, und,werden immer mehr und schwierigere Bedingungen auf Erlheilung der Hausirscheine gesetzt. Alle diese Umstände vereinigen sich, um es zu einer höchsten Nothwendigkeit zu machen, die untere Masse unserer Glaubensgenossenschaft immer mehr vom Haufirhandel abzubringen. Die Verachtung, die auf diesem Gewerbe lastet, die Entsittlichung, die immer mehr sein trauriger Begleiter wird, die wachsende Armseligkeit desselben und die daraus folgende Schwierigkeit, sich damit zu ernähren, endlich die Beschränkung desselben durch die Gesetzgebung sind Motive, welche es allen Juden zur dringendsten Pflicht macht, Mitzuwirken an dieser sozialen Umgestaltung der unteren jüdischen Masse. Wollen wir nicht, daß diese immer mchr verarme und versinke, wollen wir nicht, daß wir.eine istuner größere Zahl nahrungsloser und verachteter Tunkte in unseren Gemeinden haben, welche zuletzt das gtzLze Budget der Gemeinde als Almosenwesen absorbiren, so müssen große und nachhaltige Anstreng ungen auf diesem Gebiete geschehen. Hierbei können wir auch der thätigsten Mitwirkung der hohen Regierungen und aller edlen Brüder außerhalb unserer Glaubensgenossenschaft sicher sein. Wir geben zu, daß es z. B. in Deutschland schon Länderstriche und Gegenden giebt, in welchen bereits eine solche Umwandelung größtentheils vor sich gegangen, und in denen daher die Entfaltung großer Anstrengungen hierfür nur noch theilweise nothwendig ist —" aber eben so sicher ist, daß es noch ungeheuere Landschaften giebt, in welchen die Pflugschaar der Zeit hierin noch wenig urbar gemacht hat, und wo eS höchste Zeit geworden ist. Die Frage nun: wie dem abzuhelfen, und was hierin zu thun sei? beantwortet sich fast von selbst. ES ist hier zunächst die Jugend in's Auge zu fassen, daß diese durch Verwahrlosung nicht immer wieder zum Hausirgewerbe als einziger Zuflucht gebracht werde; es ist dann die Hinführung dieser Jugend zu Handwerken und Ackerbau, welche ihr das Hausirgewerbe, wohin sie das Beispiel so leicht führt, zu vermeiden möglich und wünschenswerth macht. Ich bitte in der That diejenigen Glaubensgenossen, welche in ihrer nächsten Umgebung die Nothwendigkeit, auf diese Umwandlung mitzuwirken, nicht mehr so sehr empfinden, weil sie bei ihnen zu einem Theile schon vor sich gegangen, und im Fortwachsen begriffen ist, diese Zeilen nicht als überflüssig oder als „altes Lied" bei Seite zu legen. Wer, wie wir, immerfort darauf hingewiesen ist, die Zustände unserer Glaubensgenossen in allen Ländern kennen zu lernen, und mit den würdigsten Männern in Verbindung zu stehen, um die Bedürfnisse kennen zu lernen, dem muß ein richtigeres Urtheil wo! zugestanden werden. Und da kann ich denn aus der Tiefe meinerUeberzeugung nichts Anderes sagen: als daß noch niemals und nirgends ein dringenderes Bedürfniß und eine edlere, gemeinnützigere und wohlthätigere Sache Vorgelegen hat. Hinsichtlich des Ackerbaus und der Landwirlhschaft wird eS mir Jedermann zugestehen. Denn so schwierig es überhaupt, namentlich im Geiste unserer Zeit ist, den Stadtebewohner, und dazu gehört die Ueberzahl unserer Glaubensgenossen, zur Landwirlhschaft zu bringen: so wenig hat diese auch noch bei unseren Glaubensgenossen Verbreitung gefunden. Aber auch hinsichtlich der Handwerke und gewerblichen Künste bleibt in den meisten Ländern noch sehr viel, in einigen großen Ländern noch fast Alles zu wünschen. Es ist also vor Allem nothwendig, aller Orten Vereine zur Beförderung des Ackerbaus und der Handwerke unter unseren Glaubensgenossen zu bilden, und da, wo Solche schon bestehen, immer mehr zu beleben und mit größeren Mitteln auszustatten, da, wo sie zeither, namentlich in den letzten Jahren, in Verfall gerathen sind, wieder zu wecken und wiederauferstehen zu lassen. Ich weiß sehr wohl, daß die bestehenden derartigen Vereine oft genug Erfahrungen gemacht haben, die denjenigen abschrecken oder entmuthigen, welcher morgen die Früchte der Saat, die er gestern gestreut hat, genießen will; ich weiß, daß öfter Zöglinge, die dem Vereine viel Geld gekostet haben, nach einiger Zeit doch wieder zum Hausiren oder Handel übergegangen sind; daß erst neulich in diesen Blättern von einem derartigen Vereine die Rede war, dem keine Zöglinge zugeflossen sind-diesem gegenüber weisen wir auf die schönen Resultate derartiger Vereine in Hamburg, Frankfurt a. M., Wien, Dresden, Münster rc. hin, um zu zeigen, was sie wirken können — und doch wird meistens noch hinzugefügt werden müssen: und was könnten auch diese noch wirken, wenn sie, der eine Theil noch lebhafter unterstützt, der andere Theil noch thätiger geleitet würden!-Wir waren vor Kurzem in Westphalen, und als in einem Kreise intelligenter Männer von dem drohenden Ende des von

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