Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 36 (30.8.1852)
- Date
- 1852-08-30
- Page
- Seite 426 (sequence 4)
- Language
- German
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426 als das der Insekten, und doch stehen Letztere in psychischer Beziehung viel höher, ste stehen dem Anschein nach sogar höher als die Fische und viele Amphibien, obgleich der Hirnbau dieser dem des Menschen weit näher kommt. Vergleicht man ferner die Vögel mit den Säugern, so ist im Allgemeinen kaum zu sagen, bei welchen das Seelenleben, mehr entwickelt sei, und doch ist das Gehirn der Säuger sehr viel ausgebildeter. Bei Weitem das menschenähnlichste Gehirn hat der Affe, und doch stehen Elephant, Hund und Pferd in Bezug auf ihre Fähigkeiten gewiß nicht unter ihm. Aeußerft entwickelt ist das Gehirn des Delphins, bei welchem große Gaben kaum vorausgesetzt werden dürfen, und höchst unentwickelt ist das Gehirn des Bibers, welcher nicht nur durch seine Kunsttriebe, sondern auch durch seine Zähmbarkeit sich auszeichnet. Nicht minder wichtig sind die pathologischen Erfahrungen: bei den geachtetsten Beobachtern finden sich Beispiele von Erweichungen, Verhärtungen, hydatidösen und anderen Entartungen des Gehirns, die, ungeachtet einer sehr weiten Ausbreitung, keine merkliche Störung im Seelenleben zp Stande brachten. Noch unbegreiflicher sind oft die geringen Folgen der Hirnwunden, wovon Arnemann und Haller eine Menge merkwürdiger Falle zusammengestellt haben. Ebenso weiset Volkmann mit Zahlen in der Hand nach, daß es auf die Größeentwickelung des Gehirns, weder der absoluten, noch der relativen Größe, durchaus nicht ankömmt, viele Affen und Vögel haben ein verhältnißmäßig größeres Gehirn als der Mensch, bei diesem bildet eS ^35 bis V60 der Körpermasse, bei dem Kanarienvogel sogar */i4. Auch haben alle kleinen und jungen Thiere ein relativ größeres Gehirn als alle großen und alten. Von nicht minderer Wichtigkeit sind die Untersuchungen über die Funktionen einzelner Hirntheile und es muß hier die Wissenschaft eingestehen, daß sie durchaus nicht beweisen kann, daß einzelne Seelenthätigkeiten an einzelne Hirntheile gebunden sind, sondern vielmehr das Gegentheil. Steigen wir von den höheren zu den niederen Hirnbildungen herab, sehen wir Organe auf Organe verloren gehen, so können wir doch nicht Nachweisen, daß hiermit bestimmte Arten von seelischen Thätigkeiten verschwänden. Bei den Säugern verschwindet allmälig der Hintere Hirnlappen und die Windungen, bei den Vögeln die Hirnschwiele und hie Brücke, bei den Amphibien das Gewölbe, und eS läßt sich auch nicht in einem von diesen Fällen Nachweisen, daß die Seele um ein bestimmtes Vermögen ärmer geworden. Gleiches thun die verschiedenartigsten pathologischen Fälle dar, und ebenso die physiologischen Experimente. So wichtig das große Gehirn für die Seelen« thätigkeiten ist, so zeigt sich doch keine derselben ausschließlich an dasselbe gebunden. Nimmt man den Thieren das große Gehirn, so bleibt noch immer ein verhältnißmäßig reges psychisches Leben, und nicht minder, wenn man ihnen das kleine Gehirn genommen. Volkmann kommt daher zu dem Schlüsse : daß nicht nur die Fundamentalvermögen der Seele, sondern auch die von ihnen zunächst abzuleitenden Thätigkeiten allgemeiner Art an die Totalität der Hirnmasse, nicht aber an einzelne Theile derselben ge- . bunden sind. Die Wissenschaft vermag daher Nichts zu erweisen, als: daß die Seelenthätigkeit durch Vermittelung des Gehirns zu Stande komme. Wir führen nur noch die eigenthümlichen Schlußworte Volkmanns an: „Inwieweit die Fortdauer unsers ideellen Theiles eine persönliche sei, ist nicht Sache der Physiologie zu entscheiden; doch hat diese keinen Grund, die Persönlichkeit zu leugnen. Einen Grund zum Zweifeln suchte man in der Auflösung des Organismus im Tode. Es ist aber andrerseits festzuhalten, daß wir die Veränderungen des Organismus im Tode nicht in dem Grade durchschauen, daß wir eine vollständige Auflösung zu behaupten befugt wären. Es ist möglich, daß wir uns durch das Zerfallen der gröberen Organe täuschen lassen. Höchst geistreich hat Fechner darauf aufmerksam gemacht, wie ein Fötus, wenn er physiologische Betrachtungen anstellen könnte, seine Geburt als den Untergang seiner Individualität ansehen würde. In der That werden die Organe, die ihm als Fötus die wichtigsten erscheinen müssen, die Eihäute und die ernährenden Gefäße zerrissen, und doch erhält sich inmitten dieser Zerstörung, welcher der Tod des Eies ist, ein Rest des Organismus als Träger des Individuums. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Lübeck, 20. August. Wie man der Schles. Ztg. schreibt, ist auch an den Senat von Lübeck in Betreff deS dortigen Verfassungswesens ein Bundesbeschluß