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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-08-23 · Heft 35 (23.8.1852) · p. Seite 411

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 35 (23.8.1852)
Date
1852-08-23
Page
Seite 411 (sequence 3)
Language
German
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411 teS, in welchem Gott selbst 'nicht ist, sondern in welchem nur der Wille Gottes ist, daß eS nach -dem Gedanken Gottes, nach dem von Gott in dasselbe versenkten Gesetze wird, ist und aufhört. Gerade entgegengesetzt hatten von jeher alle Völker und haben noch heute die Richtung: Gott aus und. in den Wesen, die ringS um uns sind, Gott aus und in.der Natur zu fassen, Gott als das, waS kn den Wesen wirkt und lebt, als das Gesetz Und den Gedanken ihres Seins zu verstehen, so daß also die Natur nicht Werk Gottes ist, sondern-selbst Gott, die Dinge Gott> mindestens das Leben und Seim in ihnen Gott< Dies ist der Unendliche Gegensatz, und während Israel.stets und nur diese religiöse Idee pflegte und erhielt, während nicht bloS Mosche, sondern auch die-Propheten und heiligen Autoren, die Talmudisten und Rabbinen, .die Lehrer der frühem und gegenwärtigen Zeitwährend wie Ieschaja bei Chiskija, ebenso Danijel bei Nebuchadnezzar, wie Jehuda Halevi in Spanien als CuSri, ebenso. Mendelssohn als moderner Philosoph, immer und überall Gott als besonderes, über die Himmel, d. h. über das ganze Weltall und all seinen Inhalt erhabenes WesendaS diese als bloßes Werk und That geschaffen, lehrten und feierten, war die Richtung aller Völker nach dem Gegensätze, Gott in den Wesen und mit ihnen Eines (identisch) zu fassen. DieS war der Grund und Boden des alten Heidenthums in allen seinen Variationen und Abstufungen, bei Indern und Persern, bei Eghptern und Sabäern, bei Griechen und Germanen, und dies ist der Grund und Boden des modernen Heidenthums unserer Tage; dahin kehrten bei den Völkern immer' wieder alle ihre Lehrer und Philosophen zurück; dies machte sich sogar in Dem, was man von Israel entlehnte, bei ihnen immer wieder Bahn, bald heimlich, bald öffentlich e das Haupt erhebend und die Massen beherrschend; und selbst die, welche jene religiöse Idee Israels als die einzig vernünftige und der Menschennatur allein zusagend anerkennen, wenn sie sich nicht ganz auf Israel stützen, schweben sie in der Luft^ und früher oder später wird sieihnen wieder entrückt,, beseitigt oder zersetzt. Aber sicherlich glaubet ihr nicht,- daß dies eben Nichts weiter, als den allgemeinen Lehrsatz. von Gott bedeute. Ihr wisset vielmehr, daß dieser Lehrsatz die wahre Sonne am geistigen Himmel des Menschen ist, von der alles Licht und alle Wärme auSstrahlt< Denn, stehet nur, ihr Menschen, vor jener dunkeln, verschleierten Gottheit der Völker- ' fcie1 -zuletzt nicht Anderesi als 'die deunochMnerklärliche Na tüdn othw endigkeht ist-was seid Ihr d a? was Euer Thun? was Eure Sehnsucht? was Euer Geist? was Eure Freude und was Euer Leid? Nichts, gar Nichts, ein ohnmächtiger Hauch, ein unbeachteter, ewiger Seufzer/nicht so viel werth wie das Heulen des Windes, ' wie das Räuschen eines stürzenden Platzregens, wie das Murmeln deS rollenden Baches.... Aber der Gott, den Israel lehrt, er verkündet' Euch: /Hb bntt „Kinder seid Ihr dem Ewigen, Eurem Gott", Er hat Euch geschaffen in seinem Ebenbilde, ihr seid nicht blos sein Werk, wie die Wesen, sondern er hat euch einen Geist gegeben in Seiner Aehnlichkeit, Er steht mit euch in einem unmittelbaren Verhältnlß, ihr seid Ihm wie Kinder einem Vater! WaS euch begegnet, Er hat es vorausgesehen, vorauSgeordnet, daß es zum Heil euch sei, waS ihr thuet, Er beachtet eS, Er knüpft nbbpi segensreiche und strafende Folgen daran; Er will, daß ihr recht handelt, daß ihr nach sittlicher Höhe strebet, daß „ihr euch heiligt, dieweil er heilig ist^; Er hat euch die Liebe in die Tiefen des Geistes gefenket, daß ihr die Seligkeit der -Liebe genießet, daß ihr Werke der Liebe übet und dessen jauchzet; wenn ihr euch freuet, Er hat es euch gesendet, wenn ihr leider, Er tröstet euch, wenn ihr zu tragen habet, Er erleichtert euch - Er richtet den gebeugten Rücken auf und befreit den belasteten Nacken, und führt zur Freiheit den-Gefangenen, zum Lichte den Blinden, zur Genesung den Siechen .fel)et•'iiViK „daS ist der Gott Israels^ ..'.und wenn ihr gefehlt und gesündigt habet, und euer Jnnres empört sich wieder Euch selbst, und eure Linke schuldet eure Rechte an und verdammt sie, Er versöhnet euch, und hauchet euch mit Frieden an; und wenn ihr eure Glieder strecket zum Sterben, oder ihr habet zu. bergen einen geliebten Menschen unter dem Rasen der Erde, Er sagt euch : fürchtet Nichts, ihr seid unsterblich. ... sehet, buw MnbK "ribm „dies ist der Gott Israels!— — Aber alles Dies schwindet und verfliegt zu Nichts vor jener Gottheit derVölker, die in den Dingen ist; die Nichts ist als daS verborgene Sein der Dinge, deren Gedanke und Gesetz, eine eherne Gewalt der Nothwendigkeit, keine Vorsehung, kein Gericht; keine Vergeltung, keine Liebe, keine Versöhnung, keine Unsterblichkeit t- — Wohl; dies ist der Gegensatz, und in diesem Sinne allein gilt jener vielbestrittene Ausspruch der Schrift. Dieweil in Israel als dessen Erbtheil, ununterbrochen, Geschlecht auf Geschlecht dieser wesenhafte, über das Weltall, wie det Prophet sägt, wie der Töpfer über das Gefäß, das seine Hände aus Thon geformt, erhabene, voll-

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