Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 35 (23.8.1852)
- Date
- 1852-08-23
- Page
- Seite 410 (sequence 2)
- Language
- German
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Gehen wkr dabei ganz einfach zuwege, und betrachten zuerst die faktischenErscheinungen. ) ' Forschen wir, Israelitenkn unsrer Geschichte und in ltnserm Bestands sehenwir zunächst," daß wir, nach: vier Jahrtausenden, noch immer bestehen, noch immer bestehen in einem gemeinsamen Bekenntniß, noch immer bestehen in unvermischter Stammesgenossenschaft, noch immer bestehen mit mancherlei, von Allen verschiedenen Bräuchen und Sitten, während alle Völker, alle anderen Genossenschaften, mit all' ährensBräuchen und Sitten, die um unsre Wiege, standen, die unsre Kindheit und unsre Jugend umrangen, die unfern Untergang als selbstständiges Volk sahen , die unsre Zerstreuung bewirkten, und' viele, die seitdem unS aufnähmen und beherrschten, untergingen, so daß nur Erinnerung und Trümmer noch von ihnen , Kunde geben —so müssen wir/ so muß Jedweder unS als ein BesondereS. EigenthümlicheS zugestehen. An ihrer Wiege schon empfängt unsere Söhne ein viertausendjähriger, besonderer und wahrlich! schwerer Akt der Weihe, und unsere Gräber noch stehen aus abgesondertem Felde. —- Und beobachten wir weiter, so drängt eS sich auf, wie schon ein gemeinsamer Typus, eine eigenthümliche Bildung der Ungeheuern Mehrzahl der Söhne und Töchter Juda'S in ihrem Aeußern, Körperlichen aufgeprägt ist, daß wir und auch Andere unS leicht als Juden erkennen. — Und gehen wir nach innen, zeigen sich nicht gemeinsame C harakt er zöge bei unS Allen? erkennen wir nicht dieselben Charakterzüge bei unseren Ahnen in der Wüste, bei unseren Vätern in unsrer ganzen Geschichte, wie noch heute an unS Gegenwärtigen? Dieselbe Beharrlichkeit, ja Hartnäckigkeit in dem einmal Erlangten und Aufgefaßten, dieselbe unverwischliche Anhänglichkeit an dem, was einmal Wurzel in unS gefaßt, und gerade entgegengesetzt dieselbe Reizbarkeit, Empfänglichkeit, Entzündbarkeit und-Flüchtigkeit — hinwiederum derselbe Scharfsinn, die Verhältnisse zu durchblicken, derselbe zersetzende Verstand, und gerade entgegengesetzt dieselbe Wärme des Gefühls und Leichtigkeit der Phantasie —* kurz, ein so eigemhümlicheS, und doch immer sich gleich bleibende- Gemisch von Gegensätzen, von Tugend und Fehler in einer und derselben Eigenschaft, daß Niemand daS Besondere verkennen kann. — Und verfolgen wir dies immer mehr: wie? geht nicht Ein einziger Inhalt durch unser ganzes Leben? was ist eS, waS Israel in seinem langen Dasein hervorgebracht, waS es verfolgt, durchgearbeitet, immer von Neuem erforscht und gestaltet hat? wem warkn al le seine Kräfte gewidmet, feine Anstrengungen, seine geistigen Erzeugnisse? nicht immer und überall.Einem und Demselbigen, .einrvr Einzigen, der religiösen Idee und ihren Konfeguenzen -77der Religion? 'Lange, -tausendjährige Zeiträume gab eS in Israel, wo eS sich lediglich und^ür hierauf beschränkte, nichts Anderes hatte und wußte, zurückgezogen von allem Andern; dann kamen andere Zeilen , aber im großen Ganzen bis jetzt nur kurze, wo eS sich zerstreute, wo es auf alle geistigen Gebiete überging, und nicht ohne Erfolg *) — .aber selbst in diesen Perioden war her Brennpunkt seines - LtbenS' die religiöse Idee, und alle seine Geistesstrahlen fielen hierauf zurück, sammelten sich da wieder. Dies bezeichnet doch in der That Israel als ein Besonderes, EigenthümlicheS, daS sich abscheidet von allen Nationen, welche immer und überall nach .den verschiedensten Richtungen , Wissenschaften,' Künsten getrieben waren. Wir müßten demnach DaS leugnen wollen, waS so klar wie daS Licht deS TageS ist, wollten wir verkennen, daß eS um dieses Israel faktisch schon ein Besonderes, ein EigenthümlicheS ist. War aber und ist lediglich > bie .teligiöfe Idee, her einzige Inhalt unserS Lebens, so. daß eS unS versagt war, für Anderes anders als in einzelnen Streiflichtern zu wirken und zu schaffen: sehen wir genauer zu, wie eS um diese religiöse Idee steht. ' Man sagt gewöhnlich, die Lehre Israels hat den Monotheismus zum Inhalt,^ d. h. die Lehre von einem einzigen Gotte. Richtig, eS war, ist und wirb sein die Spitze unserS Bekenntnisses „der Ewige ist einzig und einig." Nun ist es ferner wahr, daß alle die Religionen, welche jetzt einen einzigen Gott bekennen, diese Lehre von Israel haben; aber fie haben sie doch, und so.wäre dies längst nichts Besonderes, nichts EigenthümlicheS mehr für Israel. Allein fo allgemein ist fie auch nicht daS Wesentliche.. Die religiöse Idee, wie stin Israel erstanden und in ihm von jeher erhalten worden, und wie sie für alle. Zeit in und von ihm erhalten und bewahrt werden muß, ist wesentlich die: Gott ist ein besonderes, über Alles erhabenes, vollkommneS, daher für uns begreifbares, aber nicht erkennbares Wesen, das die Welt geschaffen , hat alS sein Werk, den Menschen aber in einem unmittelbaren Verhältniß nach Seinem Ebenbilde, nach Seiner Ähnlichkeit; Alles daher, waS eristirt, ist Gebilde, Werk Got- *) Die griechische Periode vor der Zerstörung - dies zweiten Tempels , die spanische vor der Vertreibung' der Juden äuS Spanien, und die moderne-Zeit. :