Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 34 (16.8.1852)
- Date
- 1852-08-16
- Page
- Seite 399 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Matmmonialgesetzverstößen tu dgl. freue ich mich, Ihnen auS Unseren letzten Jahresberichten mittheÜen zu können, daß die Anzahl unserer eingezeichneten Armen sich fortwährend v er m in d er t , die unserer Gemeinden schulkinder sich fortwährend mehrt (die 4 Schulavstalten enthalten deren jetzt an 730), daß bei unserer Vorschußanstält bei einem Umsatz von über 88,000 Mark nur 335 Mark, d. i. etwa 2/s Prozent, durch Bürgen bezahlt worden sind, und daß/ abgesehen von der willkommenen Ausgabe für die Schulen, in unserer letzten Gemeindebilanz nur die einzige Ausgabenrubrik „arme Durchreisende" sich vergrößert hat, und allem Anscheine nach fortwährend anwachsen wird. Die durch Herrn Karl Heine gespendeten Reparaturen und verbesserten Einrichtungen unsers weit und brejt als Musteranstalt anerkannten Krankenhauses sind jetzt vollendet, und haben etwa 1600 Frd'or gekostet, und zu einem neuen Talmud Tora Schulhause sind die einleitenden Arbeiten fast zu Ende gebracht. Blos unser Kuttuswesen ist,/ was den öffentlichen Gottesdienst mit seinen Zubehörungen anbelangt, stehen geblieben, d. h. zurückgegangen, und es sind aus diesem Gebiete unglaubliche Erscheinungen zu berichten. Doch setzt man sich um so leichter hierüber hinweg als man sieht, wie wenig der Fortschritt und die Wohlfahrt damit zufammenhängen. Von politischer Reaktion ist hier noch Nichts'zu spüren undbei allen hiesigen VerfaffungSwirren hat " noch Niemand nach neuer Manzchation verlangt, wenigstens nicht öffentlich. Man hatte ausgesprengt, vom Ausschuß des Bundestages sei verlangt worden, ein Gesetz möge die jüdischen Bürger von der Wählbarkeit zum Senat ausschließen: das hat sich aber nicht bestätigt und wäre auch sehr überflüssig gewesen, da das wol ohnehin nicht eintreten wird. Bisher ist auch kein Jude zu irgend einem bürgerlichen Offizium, nicht einmal zum Bürgerofsizier gewählt worden. -Wir Hamburger, als wahre matter-ok-lsot- Menschen, machen uns auch sehr wenig daraus und legen mehr Werth auf den Anblick Eines jüdischen SchiffSkapitäns, Maurermeisters oder Kupferschmieds als auf den von sechs Staatsbeamten und Ordensrittern. In unseren Augen ist der Jude, der sich grämt weil Salomons durchgefallen, ebenso ihöricht als wer sich freut, weil Fould M inist'er. ist.' Das Einzige was uns jetzt noch hiev belästigt ist, daß man uns noch immer unsere- Men. Privilegien nicht abnehmen wist itn& daß wir also noch immer als Gemeinde mit devhiesigen Aufnahme > von Einwanderern und mit der Aufsicht über die Fremdem zu schaffen haben. So lange dies nicht geschieht, bilden wir noch immer zu unferm großen Leidwesen so ein Stückchen „Staat im Staate". Aber im gegenwärtigen Augenblick will man nicht gern an dem alten Wüste rühren. ES sind hier seit Kurzem zwei Kinder an den Folgen der Verblutung nach der Beschneidung gestorben, wie dies in amtlichen Zeugnissen angegeben ist, und jetzt wird von Seitender Gemeinde eine Ordnung für die Mohelim ausgearbeitet. Im Ganzen herrscht jetzt bei hiesiger Judenschaft, so wie wol überall, -eine große Apathie hinsichtlich der allgemeinen jüdischen Verhältnisse, und diese kommt während des immer mehr heraufbrausenden schweren Gewitters am europäischen ReligionShimmel uns Juden, wie ich glaube, sehr zu statten. Ausgehen.wird unser Flämmchen doch nicht, dafür keine Sorge! Berlin, 7. August. Die preußischen Bl. enthalten Folgendes: Schon im Jahre 1850 wurden die oft- und westpreußLschen Bezirksregierungen durch das Ueberhandnehmen der Einwanderung russischerund polnischer Juden veranlaßt, strenge Konirollmaßregeln in Betreff derselben anzuordnen. . Sie durften sich seitdem nur innerhalb der Grenzkreise ohne Reisepässe aufhalten und wurden hei Ueb.erschreit.ung dieser Grenzkreise in namhafte Geldstrafen genommen und über die Landesgrenze geschafft. Dies hatte eine außerordentliche. Ueberfüllung der Ortschaften in den Grenzbezirken mit. legitimationslosen. Juden.zur Folge, und es sind neuerdings die Landräthe der Grenzkreise gleichfalls angewiesen worden,, in ihren Verwaltungsbezirken russischen oder polnischen/ Juden, die nicht mit einem HeimathSattest von ihrer Ortsbehöcde versehen sind, den Ausenthalt nicht zu. gestatten. Nur in einzelnen besonders dazu bestimmten Uebergangspunkt.en dürfen sie die Landeögrenze überschreiten und .innerhalb zwölf Stunden einen Paß bei der. preußischen Bezirksbehörde nachsuchen. Goch, Ende Juki. (Nachruf.) Die Nummer 31 der A. Ztg. d. Jud. hat auch uns die Trauernachricht von dem Absehen unsers srühern Lehrers,