Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 33 (9.8.1852)
- Date
- 1852-08-09
- Page
- Seite 395 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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überziehen zu sehen, wie jeder Lag aus seinem Grabe wiederum ersteht, und seine Lebensgeschichte erzählt, längst verschwundene und nur dem Namen nach noch bekannte Gestalten in ihrer Eigenthümlichkeit und in der Besonderheit ihres Daseins wieder aufleben zu lassen und an solchen detaillirten Schilderungen kennen zü^ lernen : so war der und d er, .als ans Biographien und Nekrologen, die oft weder das Lehen,- noch den Tod des Verblichenen, sondern nur den Schatten desselben geben. So brachte ich den Morgen in der schattigen Gartenstube zu, während Albert im Garten und auf der Wiese seine Käfersammlung bereicherte; ich setzte mich alsdann an'S Klavier, wo neben einigen Chorälen daS schöne Lied deS ach! zu früh verstorbenen Hölty lag : Rosen auf den Weg gestreut, Und des Harms vergessen. Ich sang es nach der darunter gesetzten Komposition von Reinicke, aber ich war kaum bei der zweiten Strophe: Wonne führt die Lunge Braut Heute , zum Altäre; Eh die Abendwolke thaut, Ruht sie auf der Bahre; als Louise, Lindbergs Frau, hastig aufsprang und mit dem Rufe : Sie kommen! hinauseilte. Ich .sah zum Fenster hinaus, die Leiden Schwestern lagen sich in den Armen und hielten sich lange umschlungen; ich ging Lindberg entgegen, der sich mit seknem.Taschentuch den Schweiß von der Stirn wischte. „Ich habe lange in der Stadt auf die Wetterdirne warten müssen," sagte er, „die alte Tante war plötzlich erkrankt und Maria wollte sie nicht eher verlassen, bis sie wieder genesen/ Glücklicherweise gab sich das Uebel bald. Nun, Kinderchen, kommet herein, ich bin vom Wege ermüdet und auch Marie kann'S sein, es ist kanadisch heiß, aber schönes Heuwetter!" Wir traten ein und ich hatte, jetzt Gelegenheit, die Jungfrau anzusehen. Karl, das ist ein schönes Mädchen. .Eine herrliche, schlanke Gestalt, ihr Gesicht hat die Züge der schönen menschlichen Freude, ihr kastanienbraunes Haar hängt in-zauberischen Locken über die zwar blassen, aber doch fein gerötheten Wangen, ihre dunkeln, feurigen Augen ruhen voll Unschuld auf Jedem, den sie ansieht. Nach einer Verbeugung gegen mich, als ich ihr als Kandidat Neuendorf von Rühsdorf vorgestellt wurde, durchflog sie mit der Schwester das Haus bis zuden obersten Bodenräumen, den Garten und den Hofraum, freuete sich mit Allem, bewunderte Alles/ während, ich , etwas zerstreut, mit Lindberg in der Stube zurückblieb und er mir verschiedene Neuigkeiten aus der Stadt erzählte. Wir setzten uns zu Tisch. Marie erzählte von der Tante, mit rührender Zärtlichkeit schilderte sie die Leiden der alten Matrone in den letzten Tagen) mit dankbaren Worten erwähnte sie ihrer mütterlichen Sorgfalt und sie schien von unaussprechlicher Sehnsucht erfüllt, als wir, auf den fernen Vater zu sprechen kamen und als ich,' der Fremde, nun auch schon Beiträge zu seiner LebenSgeschichte liefern konnte. Ich hatte ja am Vormittage das Hallenser Tagebuch gelesen und nun saß die blühende) liebreizende Tochter des Studenten auf Giebichenstein und Kröllwitz, des Zuhörers Langens und Baumgarlens vor mir. So verjüngt sich Alles in stets schönerer, vollendeter, vergeisteter Form. Ich ging spät nach Hause, still neben Albert, dessen Fragen ich oft überhörte , und wiederhole ich mir ihr Bild, die Gespäche jener wenigen Stunden, den Ton ihrer Stimme, ihre Bewegungen, den Reiz ihrer Heiterkeit'und Liebe, mit der sie an dem neuen Bruder hing, die zarte Zurückhaltung gegen mich, den Fremden, das tiefe Vertrauen gegen den Freund des Bruders zugleich, wiederhole ich daS Alles — so verschwindet jedes andere Lob gegen das ihre, jede Unschuld ist Nichts als Einfalt dagegen. lFortsetzung folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen l ’/t Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Seile aus Petitschrift oder deren Raum so wie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Bekanntmachung. Bei der hiesigen israelitischen Gemeinde wird zu Michaeli c. die Lehrer- und Kantorstelle offen. Hierauf Reflektirende belieben sich zeitig an den Unterzeichneten Vorstand zu wenden. Lügde, un Juli 1852. Der Vorstand der israel. Gemeinde. I. R, Michaelis. D. Hermann. C*'F' Zu Michaelis d. I. ist Die Stelle eines Lehrers und Schächters in hiesiger Gemeinde zu besetzen; das Einkommen derselben betragt bei freier Wohnung und Beköstigung 80 Thlr. pr. Krt. Reflektirende wollen sich entweder persönlich oder in portofreien Zuschriften wenden an » den Vorstand der Israel. Gemeinde hierselbst. Laage (in Mecklenburg), den 28. Juli 1852.