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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-08-09 · Heft 33 (9.8.1852) · p. Seite 394

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 33 (9.8.1852)
Date
1852-08-09
Page
Seite 394 (sequence 10)
Language
German
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394 im Auge des zarten Kindes den Geist hervorblitzen zu sehen, der, an dem Busen der Natur und der Menschheit .erstarkend, einst das sanfte, erwärmende Feuer stillen, menschlichen Glückes verbreiten oder mit seinen Gluthen eine. Welt zur verzehrenden Lohe entzünden kann, es ist nicht klein, in sich selbst zurückzukehren, den forschenden Blick auf sein eignes Inneres zn richten und an der kleinen Geschichte deS ,eignen Lebens die große Geschichte der Menschheit zu studiren. Wol mag der Feldherr, dessen Schwert und dessen. Scharfblick das Schicksal großer Staaten entscheidet, wol mag oft der Staatsmann, dessen Hand die großen- Gesellschaften der Menschen leitet, den Pflanzenforscher. belächeln, wenn er im Schweiße seines Angesichts Felsen nach einem winzigen Mose erklettert, in Sümpfen watet, um eine schwimmende Wasserrose zu erhaschen, oder gar Steppen nach. einigen nutzlosen Gewächsen durchschreitet, wol mögen die großen und kleinen Herrscher dieser Erde den Astronomen bespötteln, wenn sein Blick Welten, durchmißt in. den weiten Fernen des Firmaments, deren Dasein so gleichgiltkg erscheint, weil sie unß keine Produkte, keine Zölle, keine materiellen Genüsse senden und spenden — wies doch selbst ein Friedrich dem Naturforscher Bloch vor. einigen.Jahren spottend zurück, als dieser ihm die Bilder der stummen Wafferbewohner einreichte und erklärte seine Forschungen.für eitel dummes Zeug, hält der große. König, der Philosoph auf dem Throne, sogar die höhere mathematische Analyse für einen „Luxus des Verstandes" — aber die erschlagenen Körper der Helden des Schlachtfeldes vergehen und verwesen, wie die unscheinbare Sumpfpflanze, die Geschichte reihet mit kaltem Griffel die eine sogenannte Heldenthat an die vielen anderen, ohne sie gewiß schon längst vergessenen, nach vielen Jahren ist der .Name-des Helden ein leerer Klang und man fragt nur, was er als Mensch war, -die kühnsten politischen Gebäude fallen zusammen und die Menschheit -sucht ihre Wege, still trotzend dem Genie des Staatsmannes, während der Forscher einen Stein nach dem andern zum großen Tempel menschlicher Bildung gelegt, wo einer den andern trägt, einer die Grundlage des andern bildet, ein nie aufhörender Bau, himmelan strebend, wahrend jede Mlüthe des. Geistes sich zur neuen Frucht entwickelt, die Blüthe erfreuet, die Frucht erquicket, der Same sich zu neuem Leben gestaltet, Hoffnung gewährend. Die Herrschaft war verreiset auf einen Tag und hatte ihre Gäste und Anna mitgenommen, um einen Besuch heim benachbarten Grafen Kieling zu machen, dessen prächtige Gartenanlagen bekannt sind. Ich wollte mit/ Albert eine Exkursion in den Wald machen und war bei Lindbergs eingeladen, der den Tag zuvor,, wie ich Dir schon geschrieben, seiner Frauen Schwester aus der Stadt abholen wollte. Als ich in Elsenau ankam, übergab : mir seine Frau einen Brief von ihm, ein Zettel hatte ihm die sich verspätende Ankunft Mariens gemeldet, er konnte dahererst am heutigen Tage mit ihr eintreffen und er bat mich, daher,. ihn. abzuwarten und den. Tag einmal durch dolce fa.r niente in seinem Hause züzubringen, seine Bücher, sein Garten ständen mir zu. Gebote. Ich schlug es nicht aus, seinem Wunsche nachzukommen. In den Frühstunden machte ich mich zuerst an die kleine Bibliothek, die in seinem Arbeitszimmer aufgestellt war, sie war in zwei Abtheilungen geordnet, die eine gehörte dem alten Emeritus, seinem Schwiegervater, der sie ihm übetlaffen hatte, die andere war seine eigene Sammlung. Es machte mir Vergnügen, in den alten Lederbänden des Emeritus zu blätternda fand sich sogar das Tagebuch seines StudentenlebenS in Jena und Hasse. Neben jedem Kommers, . den der alte Bursche mitgemacht hatte und der sorgfältig mit allen Details, mit der'Zahl der Krüge Bier, die von ihm, von den Senioren und Änderest getrunken wurden, mit den Liederndie sie gesungen hatten, verzeichnet war, fanden sich die gottseligsten Betrachtungen über Sünde und Sündhaftigkeit des menschlichen Herzens, wurde ängstlich, wenn auch vergebens , jede Regung des eigenen bewacht und besorgt — neben jeder Paukerei, die zwisch en den LandSluannschaften stattfand und die in lebhaften Farben ergötzlich aufgetragen war, war jeder Witz der ProfefforeS mit diplomatischer Gewissenhaftigkeit niedergeschrie- , ben, wie Lange heute das Kolleg mit drei liefen Seufzern eröffnet, , wie Baumgarten auf Lange lösgezogen und die Kommilitonen vor den Kopfhängern gewarnt hätte, ihnen die Perfektibilität des Chriftenthums entwickelte und diese Perfektibilität nur in dem schon perfekt sich dünkenden Pietismus seiner Gegner leugnetedann war wieder die Ankunft des Königs beschrieben, wie die muntere Studentenschaft unter die Fenster des alten DessauerS gezogen und unter Fackelschein ihr Vivat rex gesungen und gebrüllt, wie die Lehrer die Revue vor dem König pässirten und er ihnen daS Studium des Locke empfohlen, den einige unter ihnen gar nicht zu kennen schienen — alles dies, dann die zierlichen Hefte, die ganze akademische Weisheit, enthaltend, das Streuestroh für die künftige. Lagerstätte der Pfarre, machte/mir, wie gesagt, unendliches Vergnügen. ES ist schön, wenn auch wehmüthig. diese vergangenen Freuden eines Alten vor sich vor- *

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