Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 33 (9.8.1852)
- Date
- 1852-08-09
- Page
- Seite 393 (sequence 9)
- Language
- German
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393 eS Mir nicht « unmaßgebend erscheinen, wenn eine nicht zu zahlreiche Kommissiondurch die Kirchengenossenschaft selbst ernannt, zusammenkäme, um ein Reglement der Verwaltung zu entwerfen. Diese Kommission sollte, meines Erachtens, auS allen Theilen des Reiches zusammenberufen werden, und aus denen ernannt, die als befugt dazu er-' achtet werden können. DaS durch diese Kommission zu entwerfende Reglement soll die ganze Organisation der israelitischen Kirchenverwaltung enthalten, in Übereinstimmung mit den Prinzipien unserer Staatsverfassung und den Bedürfnissen der Kirche selbst. Dieses Reglement sollte hinsichtlich des StaatSbelangeS . der Genehmigung des Königs unterworfen werden; jedoch alle bestehenden Bestimmungen und Verordnungen in Kraft bleiben müssen, bis zu dem Augenblicke, wo eine neue Kkrchenverfaffung eingeführt werden kann. , Ich habe gemeint, vorgehende Ansichten Ew. Wohlgeboren mitzutheilen; es sollte mir sehr angenehm sein, Ihr Urtheil über dieselben zu vernehmen) und insofern Ew. Wohlgeb. (wie ich mir schmeicheln darf) diese An», sichten und Gefühle mit mir theilen mögen, ersuche ich Ew. Wohlgeboren , mir genauere und maßgebendere Bestimmungen einzureichen, um die Frage zuNösen, auf welche Weise eine solche Kommission, wie hier oben zum Entwerfen eines allgemeinen Reglements angegeben, sollte zusammengebracht werden können. Dies müßte einen bestimmten Vortrag umfassen, um als Basis für einen zu nehmenden Beschluß zu dienenden ich Sr. Maj. dem König als Entwurf vorzutragen mich entschließen könnte. Der.Staatsminister für die geistlichen Angelegenheiten, (gez.) van Heemstra. (Fortsetzung folgt.) Belletristisches. Der unbekannte Nabbi. Eine Novelle. (Fortsetzung.) Noch ist mein Herz voll von den Eindrücken des gestrigen Abends und der vorhergehenden Tage- und ich schreibe Dir und möchte den geliebten Freund an Allem, waS » meine Seele bewegt, Theil nehmen lassen. Warum sollte täj mich dieses Stilllebens nicht freuen, in welchem doch eine leise, fortschreitende Wirksamkeit waltet. Draußen in der Welt ist es ja auch still geworden. Seit der große König die-Waffen niedergelegt, ' scheint der mächtige Impuls zu fehlen, der in Deutschland und anderswo die Geister in Bewegung setzte; fast scheint es, als wenn nur der Donner der Kanonen die Welt vor versumpfender Stagnation bewahren könnte, gleichwie die Gewitter die Luft reinigen und den Boden zur fruchtbaren Vegetation lockern. Aber gewiß, es scheint nur so. Auch solche Zeiten sind nothwendig und unter der starren Schnee- und Eisdecke lebt und keimt es still und kräftig für sich hin, nicht also, um zum neuen Leben zu erwachen, wie der Dichter sagt, sondern selbst lebend und unaufhörlich nach oben strebend. — Durch das in dieser Zeit der scheinbaren Ruhe wieder laut werdende theologische Gezänke, durch die Bestrebungen der Verfinsterer wollen wir uns ebenso wenig irre machen lassen, als durch die Seichtigkeit der sogenannten Aufklärer, die unS Nichts reichen als' die Verneinung und zertrümmern , ohne aufzubauen — jeder Tag bringt unS ja neue Produkte des deutschen Geistes, wenn auch neben vielem Fremdartigen und Ephemeren, ein noch vor zwei Dezennien nicht geahnter Schwung verkündet sich in deutscher Literatur und deutscher Dichtung, die der Geist der Nation haben muß, wenn auch nur erst in künftigen Generationen; ja, irre ich nicht, so bereitet sich auch schon, wenn diese euere Nahrungsquelle für den Geist deutscher und europäischer Kultur erloschen ist, schon jetzt ein neuer Keim des Geisteslebens vor, gleichwie in der Knospe schon der Keim der "künftigen Frucht, noch vor dem Erschließen der eignen Blüthe, zu finden ist. Wo, auf welchem Boden ich diesen Bäum des künftigen starken Baumes, der Mit seinem Schatten und seinen Früchten dem materiellen und geistigen Leben der Welt eine neue, unversiegbare Quelle des Genusses werden wird, suche? das will ich Dir, Freund, ein anderes Mal entwickeln, wenn ich mehr Gemüthsruhe in mir fühle, als gerade heute. Diese Andeutung genüge Dir, Dich zu vergewissern, daß ich nicht ganz theilnahmloS an dem geworden bin, was die Welt bewegt und bewegen wird und daß ich sorge, den Geist sich wicht im Minutiösen meiner Umgebung verlieren zu lassen. Und dennoch frage ich: was ist klein, was groß in der Schöpfung, im Menschen- und Naturleben? Es ist nicht klein, im Herzen und in der Seele geliebter Menschen um unS her der Quelle ihrer Empfindungen, ihrer Leiden und Freuden, ihres Webens und StrebenS nachzuspüren, eS ist nicht klein, 33*