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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-08-09 · Heft 33 (9.8.1852) · p. Seite 389

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 33 (9.8.1852)
Date
1852-08-09
Page
Seite 389 (sequence 5)
Language
German
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389 los geworden. Me Meisten der abgebrannten Juden haben Nichts mehr als daS nackte Leben gerettet. Leider! sind auch viele reiche und sonst sehr wohltätige Juden ihrer gänzlichen Habe beraubt worden, während viele andere mit ihren Familiender Cholera halber — sich früher schon nach preußischen Städten geflüchtet-chatten. Die Hartgetroffenen in K. find, also vorderhand ohne alle und jede Unterstützung. Rechnet man hierzu, daß, in Folge der Cholera H underte von Frauen und.Kindern zu Wittwen und Waisen geworden-, so wird Jeder leicht einsehen, daß das Elend in Kalisch groß, unsäglich groß und schleunige Hilfe aus der Ferne daher sehr nothig ist. . Aus der Provinz Posen, 12. Juli. (Privatmitth.) In Bromberg ist unter 4 Kandidaten, welche konkurrirten, Herr Dr. Gebhardt aus Gnesen mit einer überaus glänzenden Majorität der Stimmen (60 unter 66) zum Rabbinen und Prediger gewählt worden. Diese Wahl soll auch schon höhern Orts bereits bestätigt fein. Der Antritt des Amtes Seitens des Gewählten soll jedoch nicht bald, sondern erst Mitte September erfolgen./ Rabbiner Malbim in Kempen (einer der ausgezeichnetsten Talmudisten unserer Provinz) hat einen Ruf nach einer großen Gemeinde Ungarns erhalten, denselben aber ausgeschlagen, nachdem er von seiner Gemeinde zu bleiben dringend ersucht und ihm von derselben auch eine bedeutende Gehaltszulage bewilligt worden. In-Schmiegel hat die öffentliche Konfirmation der jüdischen Kinder, welche sonst immer am Paffafeste abgehalten worden — dieses Jahr (aus uns nochunbekannten Gründen) am Wochenfeste stattgesunden. Am ersten Tage des Festes hat Herr Rabbiner Feldblum in einer Predigt über Erod. 19, 10. die Gemeinde auf den wichtigen Akt der Konfirmation vorbereitet und unmittelbar auf diese Predigt die Prü-- fung der Konfirmanden folgen lassen. Am andern Festtage hat die eigentliche Einsegnung der Kinder stattgefunden. Sowol am ersten als am andern Tage find von Kantor und Chor paffende Psalmen (hebräisch) gesungen worden. Die Feier war in jeder Beziehung eine sehr würdige, und ist ganz besonders durch die eindringlichen Worte deö Herrn Rabbiners auf die große Zuhörermenge-(aus allen Konfessionen) ein - höchst befriedigender Eindruck hervorgebracht worden. . .v- - Leider! aber gehören die öffentlichen Konfirmationen im Großherzogthume noch immer zu den Raritäten. Wenn auch gerade nicht mehr von den meisten, so wird doch noch von sehr Vielen dieser Akt alsripn verpönt und jeder Lehrer oder Rabbiner als ein Ketzer verschrieen, der in dieser Beziehung auch nur den kleinsten Schritt vorwärts sich erlauben will. .Ebenso wird der Gesangunterricht — der bereits in sehr viele jüdische Schulen der Provinz Eingang gefunden — Seitens der Orthodoxie immer noch stark angeseindet und als etwas dem Judenthume durchaus nicht Angemessenes behandelt. GiebtS doch sogar nicht Wenige, denen die öffentliche Schule überhaupt noch ein Dorn im Auge, und die —- wenrtts nur so ginge — je eher je lieber daS alte verderbliche Chederwesen wieder herausbeschwören und erhaltenmöchten! Wuchern doch die Privat- und'Winkelschulen für's Hebräische — früher hießen sie Chedarim und ihre Vorsteher Rebbi'S ~ wieder wie Unkraut in so vielen Gemeinden — und man läßt sie — wahrlich! zum höchsten Verderb und Nachtheil der Elementarschule — neben dieser eristiren und wirken, weil die Orthodoxie, wie der hinkende Liberalismus der Meinung, daß diese Quasischulen und diese Quasilehrer durchaus nothwendig, um durch sie das Kind dem Judenthume zu erhalten! „DaS Kind dem Judenthume erhalten!". Der Zweck allerdings ist ein schöner und edler. DaS Mittel aber, um diesen Zweck zu erreichen, kann wahrlich! nicht verkehrter und schlechter sein, als das, welches Ihr anwendet. — —- — Es ist hier der Ort nicht, uns ausführlicher über diesen Gegenstand auszulassen, und wollen wir demselben lieber — wenn die geehrte Redaktion es gestattet — nächstens einen ganz besondern Artikel widmen.' - v - ■ . v v . Für heute schließen wir mit der gewiß nicht uninteressanten Mittheilung, daß — wie wir eben erfahren haben — noch im Laufe dieses Monats eine Konferenz jüdischer Leh r er aus den Südkreisen des GroßherzogthumS in einer der größeren Gemeinden dortiger Gegend (man glaubt in KrotoSzyn oder in Rawiez) abgehalte werden soll. Aus dem Großherzogthuw Posen, 23. Juli. (Privatmitth.) Die „Nationalzeitung" brachte

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