Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 33 (9.8.1852)
- Date
- 1852-08-09
- Page
- Seite 388 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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388 krankt unser RabbinatSwesen überdies 'noch an der epidemischen Auflösung^- und AnschließungSsucht. Davon. wird jedoch?, in Folge des unermüdlichen Eifers eineß reichen ManneS das Rabbinat Wassertrüd in g en eine Ausnahme machen.- Dasselbewird dem Sohne des verstorbenen Rabbiners Buttenwieser zu Theil werden. Dittenheim,r.c. aber ist trotz seiner Stiftung anschließungslustig. ' Aus F ü r th können wir die erfreuliche Mittheilung machen, daß der dortige Gewerbeverein auf die Ermittelung hoher Staatsregierung.der großen. Summen,, welche alljährlich für Brillengestelle aus Baiern nach Paris fließen,, ermächtigt wurde, einen tüchtigen < Fachmann auf Staatskosten zur Erlernung jener französischen Geschicklichkeit abzusenden. Zwei und, siebenzig christliche Meister daselbst wählten nun Herrn Abraham.Schweizer einstimmig hierzu, und ein Meister jüdischen Glaubens ist's, der jetzt,auf Staatskosten an Paris arbeitet und zum Engagement eines dortigen Arbeiters so wie zur Mittheilung deS Erlernten an diesseitige Meister vom Staate ermächtigt ist. — ' Während die Filialsynagogen Mittelfrankens Jahr aus Jahr ein keine deutschen Vorträge, einen etwa ausgenommen,' zu hören bekommen, haben ominöser Weise die Lehrer gerade am 25. d. M., am Tage „Zerstörung Jerusalems" — wobei jedoch, damit die Baume ja nicht in den Himmel hineinwachsen, das Verbot keine Erklärung hinzuzufügen, seiner Zeit hinzu eSkamotirt ward — die Klagelieder (std*«) deutsch vorzutragen, tzchreiber dieses, auch solch ein N2>wn-Prediger, konnte sich nie entschließen, Stellen, wie z. B. Kap.-3, 9—17. und.Kap. 4, 17—22. deutsch vorzutragen, er überschlägt sie. Redenbegierigere Lehrer halten auch wol Vorträge an diesem Tage, und die Gemeinden hören sie gern. K. Preußen. Berlin, 27. Juli. (Z.) In neuester Zeit sind wiederum auf den Antrag des Vorstandes der hiesigen jüdischen Gemeinde von vielen Mitgliedern derselben die' zu den Gemeindelasten rückständigen. Beiträge derselben auf Verfügung deS königl. Polizeipräsidii im Wege der Erekution eingezogen worden. Diese Beitragsreste. sind übrigens nicht unbedeutend, und betragen vielleicht annäherungsweise.10,000 Thaler. In einem einzigen Falle betrug beispielsweise der Rückstand eines Mitgliedes 700 Thlr. Ostrotvo, 23. Juli. (N. O.-Z.) Die Cholera hat schon bedeutend in unserer Städt gewüthet, und es' stellt sich immer mehr heraus, daß Anstrengung und Auflegung ihre gefährlichsten Waffen sind. Da nun die ärmere Klaffe in solchen außergewöhnlichen Fällen am Uebelsten daran ist, hat der Armenvorstand sich veranlaßt gesehen, einen Aufruf an die hiesigen Einwohner zu erlassen und um freiwillige Beiträge zu bitten, die auch sehr zahlreich eingegangen sind. Obzwar eben, dieser - Armenvorstand, ohne konfessionellen Unterschied zu machen, eine sehr lobenswerthe, unermüdliche Thätigkeit entwickelt, find doch außerdem noch die angeseheneren Juden zusammengetreten, um noch bei ihren Glaubensgenossen besondere Beiträge für die jüdischen Armen zu sammeln , und es ist erfreulich mitzutheilendaß eine sehr ansehnliche Summe zusammengekommen ist. Hauptsächlich aber verdient als höchst rühmens- und nachahmungswerth hervorgehoben zu werden, daß eine Anzahl solcher jüdischer Männer, die sich schon seither mit der Krankenpflege sehr vertraut gemacht haben, zusammengetreten ist, um einen sogenannten permanenten Sicherheitsausschuß (politisch ausgedrückt) zu bilden. Tag und Nacht sind einige von ihnen im Korporationsgebäude anwesend, um, wo Hilfe nöthig ist, bei Reichen und Armen schnell bei der Hand zu sein. Ihre Thätigkeit und ihr umsichtiges Verfahren bewährt sich so sehr, daß die Aerzte erklären, bei den jüdischen Kranken hätten sie die Beruhigung, daß die ersten Mittel niemals verabsäumt werben. Aus der Provinz Posen, Ende Juli. (Privatmitth.) Die benachbarte Gemeinde Kalisch (in Russisch-Polen) ist in der neuesten Zeit schrecklich heimgesucht worden. Nicht allein, daß die CHolera dort sechs Wochen lang auf die furchtbarste Weise gewüthet und sich ihre Opfer größtentheils aus der jüdischen Bevölkerung (über 1000) geholt hat, so ist am 19. v. M. daselbst auch eine schreckliche Feuersbrunst auSgebrochen, in Folge deren , über 80 Häuser — darunter auch die über 500 Jahre alte Synagoge — ein Raub der Flammen und circa 300 Familien — davon über zwei Dritttheile dem Judenthume angehörig — ganz ob dach-