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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-08-09 · Heft 33 (9.8.1852) · p. Seite 386

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 33 (9.8.1852)
Date
1852-08-09
Page
Seite 386 (sequence 2)
Language
German
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bemächtigt, und sie glauben sich befriedigt, wenn sie die unklaren, schwankenden Zustände.ihres innern Glaubens undMrk^nntnsmiv einigen allgemeinen Phrasen, die einen frrisinnigdAnstrich haben, mit' einigen f. g. rationalistischen Sentenzen verdecken und im Halbdunkel lassen. Entweder Tag oder Pacht, nur keine ewige Dämmerung! Wir sprachen, umnur. e i n Beispiel, anzuführen,■ diese Tage mit einem Männe, der alle Kraft auf die wiederherzustellende Heilighaltung des SabbatS gerichtet hat und dafür überall eifert, , und her, als wir^ihn um seinen Begriff von der Offenbarung, frugen, in welchem dieser Sabbat doch ganz und gar und allein wurzelt, antwortete: „Gott offenbart sich in Allem, in der Natur und in der i Geschichte:" " Als ob eine Offenbarung Gottes in der Natur und in der "Geschichte, also in Werken und Ereignissen, ^denen wir erst mühsam und durch Forschung und ' von' bestimmten Voraussetzungen ausgehend, den göttlichen Gedanken, abgewinnen können, mit einer Offenbarung in bestimmt, for.mulirten und in Worte genau gefaßten Lehrsätzen und: Gesetzesvorschriften irgend, verglichen und als identisch angesehen werden kann! .... Also ein Pereat dieser und allen solchen Phrasen, sondern in der genauesten Fassung ein „Entweder — Oder"! . . . Wir können es uys nicht verleugnen, daß in den 'letzten Zeiten die,Lehre, in Israel nach allen Seiten verschwommen. ist; nicht blos das Gesetz hat sich zersetzt, daß es in jedem,Einzelnen ein anderes ist, je nachdem Zeit, Ort, Familie, Pietät und Individualität „hier ein Wenig, dort ein Wenig" zurückgelassen haben, sondern auch die Lehre, von der im Geiste das Gesetz doch nur wieder der Ausfluß ist,, hat den buntscheckigsten Charakter angenommen, und es wird ein bejammernswerthes Spiel damit getrieben. Nun, die Zeit ist günstig, denn einerseits hat jener falsche Liberalismus, der die Geister so beherrschte, daß Tausende sich scheuten,, nur einen Zweifel gegen seine Phrasen aufzubringen, seine Macht verloren, andererseits sehnet sich jedes tiefere Gemüth nach einer bestimmten und entschiedenen Ueb.erzeugung; nicht daö Alte und nicht das Moderne befriedigt, sondern das Bestimmte und Klare, mit Einem Worte: man will eine Ueberzeugung.... Also dahin haben wir zu streben, dahin unsers Geistes Krckft zu lenken, und wer hierin sich nicht versenken will, dessen Zeit ist vorüber — — Und ebenso im Aeußern, Realen. Wir haben Hier insonders Eines zu bestreiten. .Durch eine zweitausendjährige Zerstreuung, durch die. tiefe,Vereinzelung und Zusammenhangslosigkeit hat eS sich den Juden eingepflanzt, daß Jeder von ihnen seinen Blick auf's Schwerste über das Weichbild seiner Stadt,'! seiner Gemeinde zu erheben vermag. Wo irgend ein g eme.insumes, allgemeineres, mehrere, viele, oder alle.Gemeinden betreffendes Werk beabsichtigt wird, zu welchem viele und Vieler Kräfte gehören :— so scheitert es an der Krähwinkelei der Leute. „Was gehen mich andere Orte an, ich habe nur für meine Gemeinde zu sorgen!" Dies ist die Antwort. Während sich jetzt alle Welt für alle Welt inte.resstrt, und uns China nicht viel ferner liegt alö: das nächste -Dorf, kann sich die Mehrzahl der Juden von dem Begriff, daß die einzelne Gemeinde ihr Alles ist, nicht loStrennen. ES hat dies, wie wir schon oft bemerkt haben, eine zwiefach traurige Wirkung, erstens daß alle.gemeinsamen Institute schier unmöglich sind, trotzdem die Bedürfnisse allgemein sind, und nur durch gemeinsame Anstrengungen befriedigt, werden könnten, zweitens daß darum daS Interesse, für die einzelne Gemeinde auch nur gering ist und immer wieder so bald erlischt, weil : in der That der, jetzige Mensch sich für ein so geringes Objekt, wie eine einzelne Gemeinde ist, nur schwer und nicht nachhaltig begeistern kann. Ein ^roßes Werk entflammt und setzt immer wieder in Feuer, an einem großen Werke erhebt sich der menschliche Geist und immer wieder von Neuem, ein kleines, lokales ist bald erschöpft, und liegt dann um jo weiter hinter uns, Also, dies ist es, waS wir bei unseren Glaubensgenossen zu bekämpfen haben, den kleinlichen Geist der Lokalität, dies ist es, was wir zu wecken haben — den Gemein sinn, dies ist es, was wir den Juden zu geben haben, den Begriff und die Anschauung ihrer Gesammtheit. Vielleicht ist es uns bald gegeben, dies in konkreten Forderungen entgegentreten zu lassen. Aus Baiern. Zur Sache der israelitischen Schul-Lese- Bibliotheken. Durch Ihre Aufforderung zur Bildung von israelitischen Lesevereinen haben Sie sich, Herr Redakteur, ein neues Verdienst erworben: Durch solche Vereine könnte die beste und wohlfeilste „innere Mission" bei uns getrieben werden.' Nur Schade, daß diejenigen, welche am Ersten zu solchen Ausführungen geeigenschaftet wären, Lehrer, und Rabbiner, zuweilen am Wenigsten aus kleinlichen Ursachen^ guten Willen zeigen. „Was der und der

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