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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-08-02 · Heft 32 (2.8.1852) · p. Seite 375

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 32 (2.8.1852)
Date
1852-08-02
Page
Seite 375 (sequence 3)
Language
German
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375 gendwie eine absichtliche Entfernung bemerkbar wäre, findet sie statte ES hat mir dies viel zu denken gegeben: Zn Wer That kann man einer großen Zahl -der anwesenden Juden ich meine natürlich unsere liebenswürdigen Frauen mit' — den feinsten, anständigsten Ton nicht absprechen, ein -würdiges Benehmen, wie man eS nur wünschen kann, Natürlich finden sich minder gebildete genug, aber bescheiden, und anständig betragen sich Alle. Man kann auch nur sagendaß-der Putz der jüdischen Damen nur der Zahl nach hervorsticht, denn eS putzt sich hier Alles über die Maßen. Es gab eine Zeit, wo man christlicher SeitS sehr oft aussprechen hörtedaß das Verbot der christlichen . Küche, die Nichttheilnahme am Tische die Annäherung verhindere. Nun, obgleich in allen diesen böhmischen Bädern für die jüdische-Küche sehr gut gesorgt ist, namentlich in Franzensbad, und obgleich natürlich eine-große Anzahl-Juden dieser Küche treu bleibt, so nimmt doch eine noch größere Zahl an den allgemeinen Tischen Platz, und der obige Grund findet also auch nicht statt. Aber die Scheidung besteht dennoch. Nun soll hiermit nicht gesagt sein- ^daff dieselbe'ganz allein von Einer Seite ausgeht; es ist, als ob jede Pärteisich nur unter einander wohl und 'leicht - fühle, daß-' eine aufrichtige, unverhohlne Annäherung -nur-zwischen-Gliedern einer und derselben. Religionsgenosfen stattfinde — einzelne Ausnahmen, aber nur seltene zugegeben.; Man wird es unseren Worten durchaus absehen, daß wir hiermit gar nicht gesagt habenob es so gut sei, oder es anders besser wäre,, sondern nur, daß es - so' ist. Auch glaube nur Keiner, daß wir gesehen haben, was wir vielleicht sehen wollten- oderdaßwir hiermit sagen-, was wir uns blos einbilden — nein, es ist sichres Faktum- und wir? haben unsre Prüfung bei den feinsten/- liebenswürdigsten Persönlichkeiten! unsers Glaubens,!die >anwesend waren, angestellt. - . . - Markenbad bietet im -Allgemeinen/ einen, aristökratischern Anblick als FranzenSbad.. Hierspaltet sich die Gesellschaft viel mehr/ da es -au eiriem^ vereinigenden-Mittel-. Punkt -fehlt. Marienbad ist ein reizender Fleck Erde/ Die schönsten-, waldgekrönten Höhen schließen sich unmittelbar an die Häuserreihen -7^- eigentliche Straßen giebt eS hier nicht — und bieten nach allen -Seiten -die schattigsten Spaziergänge - irn'Wäld/e mit allmäligem Aufgang an den Höhen?undherrlicher-AuSschaw von diesen,-dar:! '?. >- Aber iw eineganzandre;:Welt wird man. plötzlich in Karlsbad versetzt. Maw kann sagen ,-eine , andre. Welt", denn-es ist die -Weltwie .sich hier in. den. zahlreichsten Vertretern aller Nationen versammelt. Es .wärethöricht, hier Karlsbad beschreiben zu wollen; diese Stadt, die ihre Häuserreihen an den Felsen über einander thürmt, da siehineingezwängt in eine enge, - wie ein Kw'e gebogene Bergschlucht, in deren Mitte der Fluß einen -reiten Raum noch '-einnimmt, keinen genügenden: Platz in. der Tiefe hatte; die einen ungeheuer» LuruS mit den höchsten Schönheitender Natur vereinigt, und von ihren Höhen den Blick bald in die Engniß ihres Grundes die Schlucht hindurch auf die dünkelen Waldungenbald über eine wreite Ebne draußen, von der Eger durchströmt, won tausend Menschenwohnungen - unterbrochen, über Wald, Feld, Au zuden Höhenzügen des Erzgebirges und des Fichtelgebirges, immer aber über ihre mannigfaltig gr.uppirten Häusermengen schweifen laßt. -Wir schlendern lieber über die s. g. „Wiesen", die aber von eleganten Kaffeehäusern und den reichsten Gewölben besetzt 'find, hinter dem Menschenstrome her, der das Thal hinauf den herrlichsten Spaziergang am Fluß entlang , die hohen . Felsen- und Waldberge zur Seite, bedeckt. Zwar bemerkt man wenige Nationaltrachtendenn die Glieder aller Nationendie hier zusammdnkommen ,s haben /sich in die europäischd Tracht - gesteckt, < höchstens die türkischen und polnischen Juden -^/von-Letzteren/sehr Viele/in den feinsten seidenen Stoffen — haben ihre Trachtbeibehalten, .Weil ihnen wie Alles so auch? ihre Kleidung ein Religiöfts shat; aber die mannigfaltigsten Sprachen, in denen diese -lustwandelnden,Menschen sich unterhalten,-/ verrathen Dir dieses Babel der Vereinigung; italienisch, englisch, französisch, russisch, polnisch, wallachisch, ungarisch u. -s. w. u. s. wi klingt abwechselnd, an. unser Ohr — halt! was warwies? Gam ani elech misch am .7^- wie?- ist das Hebräische noch eine, lebende - Sprache-?^ dient - sie zur Unterhaltung? zur Verständigung? In der That; vor.mirgeht) ein.türkischer und ein polnischer-Jude. Denke .Dir eine, untersetzte, dicke, sogar sehr dicke,-aber-auch-.breitschulterige Gestalt, mit' rundemvollem, rothem Gesicht- und weißem Bart und- Haupthaar, in einen fein en/fchwarzseidenen-Kaftan gesteckt — ..es: war der. .galizische"Jude, sehr,unterschieden von. den'.meisten sein er-Landsleute-. die/läng,7hager/rmit gelbem,- abgemagertemiGesichtej erscheinen. Neben ihm eine größere, feine,/sehr bewegliche.Gestalt,, mit braunem Gesichte, auS dessen markirten Zügen .die cklugen, schnellen Augen nach allen-, Seiten -blitzten, gekleidet in einen buntseidrnen Rock, von -gelber Farbe /mit gleichem, breitem-Gürtel, darüber einen/blauen, wielgeschlitzten Tuchmantel - ohne-Kragen undmit weiten Aermelneinen-bpn-

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