Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 32 (2.8.1852)
- Date
- 1852-08-02
- Page
- Seite 374 (sequence 2)
- Language
- German
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gen .viel Lännens machen, , und im Ganzen könnte man ihnen von.^religiösem GeksteWnd Leben.eim ziemliches Theil lyehr^ wünschen, ^-Halleiy bie Frage kann nicht gtpeifcl* Haft sein, daß die größere Religiosität durch die bittre Zwietracht und Verfolgungssucht im Osten nicht bewiesen wird. Vielmehr streben sie, den Gottesdienst wie es irgend geht zu gestalten, daß ü dem Bedurfniß der Gegenwart nicht, geradezu widerspricht, ohne ihn eigentlich wesentlich anzutasten. Auf diese Weise wird er erhalten, wenn auch, nicht -sehr gefördert. Am Meisten äußert sich dieses Streben in dem Verlangen nach dem Besitz anständiger Gotteshäuser , und selbst ganz kleine- Gemeinden bringen die bedeutendsten Opfer zu diesem Zwecke. Je weiter man sich nun vom Herzen der Provinz Sachsen entfernt, desto geringer werden, die jüdischen Gemeinden. Hat man die Grenzen des Königreichs Sachsen betreten, so begegnet man nur noch zweien, Leipzig und Dresden, jene, , welche etwas über 200 Seelen zählt, diese, welche sich — ein seltenes Vorkommniß — vermindert. Diese Verminderung ist erklärlich, da es keinem fremden Israeliten gestattet wird, sich in Dresden niederzulaffen —es halten fich etliche daftlbst auf,, aber nur als Fremde — und der Ueberfchuß (der Geburten über die Todesfälle ist nicht so groß, , daß er den Abgang -durch Entfernung und Auswanderung decke. .Leipzig, aber zeigt das seltene Beispiel, daß wol nirgends von allen Enden der Erde so viele. Israeliten- und öfter hinkommen, so. daß ihre Zahl zur Zeit daselbst Tausende sein möchte — aber bleibender Aufenthalt, Wohnsitz nur in seltenen Fällen gewährt wird. Außer Leipzig und Dresden möchte wol in Sachsen, obgleich das allgemeine Staatsgesetz seit 1848 eS nicht mehr verwehrt, ein ansässiger Jude nicht zu finden sein, da sowol die Abneigung der -Bewohner als die Schwierigkeit, in den einzelnen Orten das Bürgerrecht zu gewinnen, davon abschreckt, und wiederum nur den schon in Dresden und Leipzig Wohnenden überhaupt; es möglich wäre. Es steht also nicht in Aussicht, daß unsere Glaubensgenossen in Sachsen sich bedeutend vermehren werden. Wasden/, innern Zustand betrifft,, so stehen Dresden und Leipzig ■ sich sehr, auffällig gegenüber. In Dresden Alles geordnet, ein schöner Gottesdienst in einem schönen Gotteshause-, eine'gute Elementarschule, -ein geregelter Gemeindehaushalt, nachdem er den Chok von 1848 überwunden, sehr rühmenswerthe Wohlthätigkeitsanstalten. Von allem Dem Nichts-in Leipzig, wo weder die anwohnenden Juden, noch die es besuchendem vermochten, zu irgend einem Ziele zukommen, obgleich, die Stadt wiederholt Plätze zn einer Synagoge gratis angewiesen hat. > In ^dcm-Jahren 1840?c. , wurden ^mehrere Abläufe gemäöht^ aberuman konnte sich nicht einigen,^ und so'wurde Nichts. ES. versteht sich -von selbst, daß die letzten^Jahre Nichts zu schaffen vermochten, und bis jetzt ist der „Werderuf" noch keiner Brust entquollen. — Betreten wir. von, Sachsen aus -den.. Nordwesten Böhmens, so haben wir auch da wenig Ansiedelungen von Juden, bis wir uns östlich und südlich der Mitte nähern. Es ist bekannt., wie in - Eger. eine^ bedeutende Gemeinde mit Stumpf und Stiel ausgerottet worden , und so sind kleine Reste nur in kleinen Ortschaften umher zerstreut. VZir besuchen die jetzt berühmten, aber kaum erst, seit 40 Jahren geschaffenen Bäder FranzenSbad und Marienbad, und finden daselbst keinen Juden angefiedelt, aber selbst in dem seit vielen Jahrhunderten bestehenden Karlsbad nur ein Paar. Jndeß wird der erste Blick in Franzenöbad wie Marieubad uns eine sehr zahlreiche Menge von den Söhnen und Töchtern Juda's erkennen lassen, welche mit den Vorzügen der modernen Kultur auch die Leiden derselben, so wie die Gewohnheit, für diese Abhilfe an den wohlthätigen Quellen, welche aus dem Schooße der Mutter Erde sprudeln, zu suchen, empfangen und angenommen haben. Franzensbad hat eine sehr. e.infache Umgebung; mit vielem Geschmack ausgesührte Park- und Gartenanlagen geben ihm ein sehr freundliches Aussehen und befriedigen in der nächsten Nähe; aber' die nach allen Seiten nur aus der Ferne duftig winkenden Gebirge entschädigen für die wald- und darum schattenlosen Moorwiesen und Fruchtfelder diejenigen nicht, welche des Nächsten bald überdrüssig werden. Man kann sich in Franzensbad leicht finden, ich meine nicht nur zurecht, sondern auch die Menschen. Die gemüthliche Vereinigung im Parke, wo Jeder ungenirt seinen Kaffee einnimmt, schreibt, liest, schwatzt, umherwandelt, führt leicht zusammen. . Mit jedem Tage sieht man eine größere-Zahl Menschen, untereinander bekannt werden, näher rücken, zusammensein. Nun, was' fallt da dem Beobachter auf? Die strenge Scheidung, die man zwischen den jüdischen, und christlichen Besuchern erblickt, ohne. daß dies in irgend einer Weife eine äußere Veranlassung fände. Es ist Alles öffentlich-; .»Alles für- Alle gemeinsam, niemals und nirgends habe -ich Geringste gehört und gesehen, was aus eine Unterscheidung hinwiese; ja sie verralhe, man-kann nirgends feiner, höflicher unumwundener behandelt werden — aber es ist doch so: die Juden gesellen sich zu den Juden, die Christen zu den Christen, und ohne daß ir-