Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 31 (26.7.1852)
- Date
- 1852-07-26
- Page
- Seite 369 (sequence 9)
- Language
- German
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369 hohen Äang und große Macht einzunehmen, daß auch von irgend anderer Seite gern einem so l ch e n Manne Viel eingeräumt werden möchte, ist unzweifelhaft, nur ist von diesen beiden Dingen bis znr That und Wirklichkeit noch ein weiter Weg. Man erzählt sich auch, daß jüngst Geiger in Berlin war, um Dem entgegenzuwirken. Posen, 12. Juni. Am 9. Juni d. I. entschlief in Schloppe, Regierungsbezirk Marienwerder, Herr I. M. Wedelt, der früher Schul- und Religionslehrer zu Goch im Großherzogthum Kleve, und seit Januar d. I. von einigen geachteten jüdischen Hausvätern hierfelbst zum Erzieher und Lehrer ihrer Kinder engagirt war, in seinem 30sten Lebensjahre inmitten seiner rastlosen und erfolgreichen Thätigkeit im Gebiete deS ErziehungS-, Schul- Und Religionswesens. Sein Tod hat auch hier einen schmerzlichen Eindruck hinterlaffen, denn man erkannte alsbald in Wetz ell einen Mann, der von edlem Eifer für seinen Beruf erfüllt, demselben unekmüdet und aufopfernd nachlebte, bei Tiefe deS Geistes und Begeisterung des GemüthS recht eigentlich die Kunst verstand — zu lehren, und von Tag zu Tag die Zahl seiner hiesigen Freunde und Verehrer vermehrte. Mit großer Freude nahmen wir wahr, wie Wedell durch Liebe und Wohlwollen, durch ein überaus leutseliges, mild-ernsteS Wesen .und durch Wahrheit und Klugheit mit segensreichem Erfolge auf den Geist und das Gemüth seiner Zöglinge und Schüler wirkte und wie diese aufmerksam ihm zuhörten und voll Liebe an ihm hingen.! Durch schonungslose Anstrengung zog er sich ein Unwohlsein zu, wöbet jedoch sein Geist in rastloser Thätigkeit blieb, dagegen wuchs mit . jedem Tage seine unbesiegbare Sehnsucht zu seiner Mutter nach Schloppe - . zu reisen, und die Aerzte, die ihn behandeltenwilligten in diese Reise. Am 17. Mai c. reiste er von hiernach Schloppe; einige Tage nach.seiner Ankunft daselbst trat sein Unwohlsein in ein gefährliches'Stadium, und nach mehrwöchentlichem Leiden erlag er der galoppirenden Schwindsucht. Iw Wedell verloren seine Zöglinge und Schüler einen väterlichen Freund, ernenn unrrmüdeten: Führet die Lehrer einen tüchtigen, gemüthlich und. lphilosöphisch durchgebildeten AmtSgeNüffen, die. jüdische Homiletik einen wackern Jünger, -die Menschheit einen Mattn durch und durch von moralischemreligiösem Sinne durchdrungen, und die Familie eiri liebreiches, treu anhängendes und lebhaft theilNehmendeS Glied. /-^-SanftruheftineAsche!/-' - Mehrere Freunde Wedells. Aus der Provinz Poftn, im Juli (Privatmitth.) Seitdem ich Ihnen zum letzten Mal geschrieben (s. No. 24 d. Bl.) hat sich in den Gemeinden des Großherzogthums so Manches geändert, was ich für' meine Pflicht halte, Ihnen und Ihren Lesern sei'S auch nur mit wenigen Worten kund werden zu lassem Vor Allem mögen Sie erfahren, daß die RabbineranstettungSfrage in Rakel endlich ihre Lysuyg gefunden,' und zwat dadurch, .daß der in der literarischen Welt ^nicht unbekannte v>. Friedmann. ( aus Breslau) zum Rabbiner und Prediger gewählt worden. Diese Wahl durchzufetzen:, -Hat den Anhängern Fr'S viel Kampf und Anstrengung und außevdem.^- wie man hört — noch etwas Anderes, waS heutzutage Jedermann sehr lieb hat, gekostet; denn Fr. — oder richtiger seine Partei — > hatte mehr denn 70 Gemeindeglieder gegen sich, die ebenfalls alles Mögliche daran setzten, um ihven Kandidaten durch^übringen. Es war ein Kampf, so heftig, wie eS -vielleicht noch keinen in meiner Gemeinde Israels bei ähnlicher Gelegenheit.gegeben hat. Der ärgerlichen-(mitunter auch sehr lächerlichen) .Austritte - gab es so: viele, daß sich über diese ./Angelegenheit: eine ganze Ghronique scandaleuse schreiben ließe, und ein -Berichterstatter an Ort und Stelle mindestens zu z ihn langen Referaten Stoff hätte. Die Hauptsache, ist: vr. Fr.-ist /gewählt — und wenn auch durch große Opfer und .mit sehr geringer Majorität so ist - er doch .gewählt, und die. Gemeinde kann sich zu dieser Wahl Glück wünschen, da sie an Fr. in jedweder Beziehung eine treffliche Akquisition gemacht hat/Solcher Preis ist ' des Kampfes' und dec Opftr Merthdie er gekostet. Es ist allerdings nicht zu bezweifelndaß die Gegner der Fr'schen Partei —. die man deswegen mit Recht Anti-Fried-Männer nennen. könnte — rdiej getroffene Wahl ankämpfen und Alles, was / möglich /istver- 31*