Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 30 (19.7.1852)
- Date
- 1852-07-19
- Page
- Seite 351 (sequence 3)
- Language
- German
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351 Gesetz soll uns gar nicht kennen, soll uns ignvriren: Ihr wollet ein besonderes Gesetz für Euch. Gewiß- -solch Gaukelspiel ist noch nicht dagewesen. Aber nur da S wisset, daß sich die Welt nicht täuschen läßt, und daß sie wohl weiß, woran sie ist.... . Wir werden dies noch weiter beleuchten. Franzensbad, 11. Juli. Reden wider den Unglauben. . Fünftes, polemisches Wort. Ueber die Seele. (Fortsetzung aus No. 1. 6. 12. 13. 20. 22. 25. 27. 28.) *) „Das G r e ife n a l t e r pflegt man als den Zeitraum der Involution zu' bezeichnen. Wenn man aber darunter schlechthin ein Wiederzurückhinken auf eine niedrere Stufe versteht, so hat man wenigstens betreffs der psy bölogischen Seite deS Menschen nicht unbedingt Recht. Wir haben Beilstiele genug von Weisheit und Geisteskraft im höhen Alter, freilich nur Lek vorangegangenem tüchtigen Leben. Wo aber Vergeßlichkeit und Geistesschwäche eintritt, da lehrt eine tiefer gehende Betrachtung daß nicht daS Seelenleben im Ganzen abgenommen habe und allmälig zu Nichts werde, sondern daß entweder nur sein Äußerungen durch Zustände VeS Gehirns, wie Atrophie oder Erweichung, beeinträchtigt werden, oder daß nur ein Zurückziehen von der Außenwelt,, die keinen Reiz mehr gewährt, ein innerliches , Leben und Beschränken auf sich selbst stattfindet. Wollte man in dem Kindischwerden mancher Greise ein Zurückbild§n auf die Stufe der Kindheit sehen, so müßte sich auch der Leib in ähnlicher Weise zürückbilden und wieder ein Embryo werden. Wir dürfen also mit Fug und Recht bei der Ansicht stehen bleiben, daß im Lode daS Psychische (die Seele) n i cht zU Grunde gehe, sondern nur für unsere äußere Betrachtung sich nicht mehr bemcrklich mache, und der Ausdruck, es trenne sich im Tode die Seele vom Leibe, hat seinen guten Sinn, wenn man ihn nur so versteht, daß der Mensch aüfhört, rin psychisch-leibliches Leben zu führen, und, mit Abstoßung des sinnlich Stoffigen, in anderer Weise zu sein fortfährt. Aber es beginnt hier eine Reihe von Fragen, die nicht mehr in unser Gebiet gehören; man ver- *) Schluß der Auszüge aus Hä g in' S „Psychologie UNd Psychiatrie". r; v; gönne uns nur, daß wir nur mit ein Paar Worten an- ' deuten, wie man sich das Verhaltniß d er Seele iin S t e rben etwä denken könne? Sagt man,' der Leib zerfalle deshalb, weil die Seele allmälig ganz zu Geist werdedeshalb sich vom Leibe zurückziehe und aufhöre ihn zu beleben, so kann Man die Fälle nicht erklären, in denen das Leben plötzlich durch mechanische Gewalt, Blutverlust, Krankheiten/ oder im frühesten Kindes-, ja Fotusalter erlischt. Will man hingegen daS Sterben daher ableitendaß der Leib sich abnutze oder irgendwie untauglich gemacht werde, so daß die Seele'sich seiner nicht chehr bedienen könne, so steht man nicht wohl ein, warum der Leib, der doch so lange willfährig gedient hat, auf einmal anfangen soll zu verkümmern. Auch kann man dann die hohe Geisteskraft, die sich oft noch kurz'vor dem natürlichen Sterben äußert, nicht begreifen, denn wenn das Seelenleben zu seiner Wirksamkeit durchaus gewisser Organe bedarf, so liegt ein Widerspruch darin, daß diese gerade in dem Momente am Kräftigsten wirken sollen, wo sie im Erlöschen find. Wir müssen daher beide Ansichten in einer dritten vereinigen. Nach dieser' ist der Tod nur daS letzte sichtbare Entwickelungssiädium einer Periode des Menschendafeins überhaupt, eine Metamorphose, auf die es schon von Anfang her angelegt ist. Wie das individuelle Leben sich seinen Leib formte, und dann über ihm sich die Seele erhob, um durch und an ihm mit der materiellellen Welt wirksam zu verkehren, so entäußert sich das Leben auch wiederum des Leibes, damit es als Seele eine andere Daseinsform eingehen könne. Daß während dieses Prozesses auch im Psychischen wesentliche Veränderungen vor sich gehen/ können wir mehr vermuthen, als beweisen; aber - jedenfalls wird die Verinnerlichung der Seele und das 'Zerfallen des Leibes nicht bloS jene von diesem oder dieses von jener bedingt, sondern beide gehen aus einem gemeinschaftlichen Grunde hervor und neben einander her. So ist der Vorgang im normalen Sterben. Wird der Tod durch Krankheit öder gewaltsame Zerstörung deS Organismus ftüher herbeigeführt', so heißt das nur so viel; daß dem Leben die Möglichkeit genommen ist, sich in 'leiblicher Richtung bis zu seinem normalen Endpunkte fortzuentwickeln; wie es sich sodann in psychischer weiter bilde, müssen wir billig als ein unserer Erkenntniß Unergründliches betrachten. Beim normalen oder wenigstens langiamer vorbereiteten Sterben läßt sich aber häufig nicht verkennen, daß noch innerhalb-'des'Lebens eine Umwandlung in der Seele vorgehe. Je näher sie ihrer Metamorphose kommt, destö