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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-07-05 · Heft 28 (5.7.1852) · p. Seite 328

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 28 (5.7.1852)
Date
1852-07-05
Page
Seite 328 (sequence 4)
Language
German
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wird niemals eine Idee , und eS wird ewig /unbegreiflich bleiben, warum ich die Vorstellungen gerade unter diesem Gedanken und in keiner, andern, Weise auf einander bi» ziehe, wenn nicht etwaS; außer den Vorstellungen da ist, welches diese Beziehungen erst möglich macht. ES .eröffnet sich uns aber hier die unendliche, unerg rü n d b a r e T i e fe d e sm?n schli che n G e istes,. Die großen weltbewegenden Gedanken der. hervorragenden Weisen, Gesetzgeber- Forscher und.Künstler lassen sich unmöglich auS den Gesetzen der Vernunft und deS V e r st an de s l og i s ch d e duz iren; si e sind im Individuum da, ohne daß ihr Empfänger weiß woher, und seine. Sache ist es nur, ihre Wichtigkeit alsbald zu würdigen, und sie durch eigene Anstrengung mit Hilfe aller psychischen Kräfte durch- und nuszubilden. UebrigenS findet dieser Vorgang nicht blos bei den Heroen der Menschheit, sondern bei allen Menschen statt, und Jeder kann und muß öfter als einmal an sich die Erfahrungmachen, daß mancher Gedanke auf eine ihm völlig unbewußte, unbegreifliche Art in ihm entsteht. — AuS dem Bisherigen ergiebt sichdaß Vorstellungsvermögen,'Verstand und Vernunft nur der Ausdruck für einzelne Prozesse der gesammten Erkenntnißthätigkeit. sind. Es ist.daher gar nicht nothwendkg, daß jeder derselben mit einem besonder» Theile des Gehirns in Verbindung stehe. Diese Annahme beruht auf der falschen Vorstellung, als ob die Seele zu jeder einzelnen Modisikalion ihrer Thätigkeit ein besonderes körperliches Organ nöthig habe. Die. Erfahrung lehrt uns ja weiter Nichts, als daß die Seele, um von der Sinnenwelt affizirt zu werden, und um andrerseits ihr Jnnres in eine sinnlich wahrnehmbare äußere Erscheinung treten zu lassen, körperliche Organe nöthig habe, keineswegs aber, daß-her körperliche Stoff der wesentliche Grund ihrer Gesammtthätigkeit sei. — Vielmehr sind Vorstellen, Denken und Nachdenken so innig mit einander verschmolzen und verbunden, es entwickelt sich eins aus dem andern so heraus, daß sie nur als verschiedene Entwickelungsstufen einer und derselben GrundkräftdeS Erkenntnißvermögens, erscheinen, deffen wesentliche Momente, das Abstrahiren und Kombiniren, sich in allen wiederholen. Sie können daher auch unmöglich an. getrennte physische Organe gebunden sein, sondern der Keimdie Basis der übrigen, das Vorstellungsvermögen, muß es seindas ihre Beziehung zu den leiblichen Organen vermittelt. Die Erfahrung erweist dies, auch. — Das, was daS Thier überhaupt vont Menschen! in Bezug auf das Erkenntnißvermögen unterscheidet, ist der Mangel der-Vernunft.indem! daS Thier^weder/mach den Gründen - der Dinge^forscht, noch /für^Jdee,^-empfänglich rst.> Wosite man nundep Vernunft einen Platz im Gehirn? anweifen, so müßteman /ein dem Menschen eigenthümliches Organ, iw diesem vorzeigen.können/; dies ist aber nicht möglich> indem der einzige, Unterschied des Menschengehirnes von:Thiergehirne, den man noch mit einiger Gewißheit festhalten kann, feine, Anzahl und die Größe seiner Windungen ist. Daraus folgt nothwendig. daß - mit dem Gehirne zunächstkeine andere Erkenntnißthätigkeit zu thun hat, als, die,, welche allen mit Gehirn begabten Thieren zukommt, das Vorstellungsvermögen.;— Ebenso wenig ,Beweise für einen besonder» Sitz, höherer intellektueller Kräfte liefert, die Pathologie (Krankheitslehre). Man mag die Geschichten der Hirnverletzungen und Hirnkrankheiten so genau wie möglichstadirenniemalswird man Nachweisen.können, Laß mit Störung eines.besondern HirntheileS ausschließlich das Vermögen zu urtheilen oder zu schließen, oder nach Gründen zu forschen, verloren gegangen wäre. — Wir müssen daher vor Allem und überall -den Grundsatz festhalten - d a ß d i e S e eie nicht blos eine Eigenschaft des Hirnlebens, sondern etwas. S e l bst st ä nd i g es, W e s en h a fr e s für. sich ist.; - - (Fortsetzung folgt.) >. Zeitnttgsnachrichten. Deutschland. Lübeck, 20. Juni. Wir haben bereits mitgetheilt, daß auf den Antrag des Senats und die Anempfehlung des BürgerausschuffeS, die Bürgerschaft die völlige Gleichberechtigung der Juden angenommen hat — ein Lichtblick in der Jetztzeit. Die „Kreuzzeitung" wird sagen: da sieht man wieder die großen Städte, in der That die Vernunft u.nd die Liebe, die Unschuld und die Gerechtigkeit haben sich ganz! auf daö Land zurückgezogen, sind'lediglich ländliche Schönheiten geworden; in Frankfurt am Main will der Senat und die gesetzgebende Versammlung, in Lübeck wollen sogar sämmtliche Instanzen die Juden emanzipiren — wahre Sodom und Gomorrha!! Jndeß lassen wir dies, und tragen lieber einiges Betreffende noch nach. Allerdings hatte auch in Lübeck die Kramerzunft gegen die gewerbliche Emanzipation der Juden ein Votum abgegeben. Destornachdrücklicher

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