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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-06-28 · Heft 27 (28.6.1852) · p. Seite 322

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 27 (28.6.1852)
Date
1852-06-28
Page
Seite 322 (sequence 10)
Language
German
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und immer wieder schafft, ohne jene leidenschaftliche, von der Begierde deS- Erwerbs oder der dahinter stehenden Noch getriebene Geschäftigkeit, die das Bild deS Kampfes der. Gesellschaft.unter einander in. den großen Städten darbietet — die Familie der Herrschaft selbst, welche zwar ihre- Standesvorurtheile hat, aber sie in richtigem Takte zurückhält und am Ende doch auch nur mehr in äußeren Formen suchtals daß sie damit Anderen, die sie gewähren .lassen, zu nahe tritt — alles Dies -wirkt beruhigend auf mein .Gemüth .und eine stille Heiterkeit belebt den von den traurigen Außenverhältnissen - der letzten Zeit niedergebeugten, Geisi wieder. IN der Nähe des Gutes, hinter einem anmuthigen, von vielen kleinen Bächen durchschnittenen Birkenwäld.chen liegt das Pfarrdorf Elsenau, dort ist - mein Vorgängerder erste Erzieher, meiner Zöglinge, Prediger. I Gr heißt Lindberg, hat in Halle studirt und ist seit einem halben Jahre verheirathet.: Seine Frau ist Hie. Tochter eines alten. AmtSbruderS, der jetzt emeritirt ist und - bei. .seinem Sohne, einem Schulmanne an der Saale, : seine alten Tage.verbringt. ES ist ein frisches, einfaches, sehr IhätigeS Weibchenwelches durch feine Anspruchlosigkeit?-:Und GeMüthlichkeit sehr liebenswürdig nst. Lindbergselbst ist ein Mann von klarem Verstände und einem guten Herzen , eifrig, in seinem. Amte, energische in seiner Wirthschaft.und überhaupt in Allem, was das praktische Leben angehty'. in daS, waS seine Wissenschaft betrifftisi er aber nicht tief.eingedrungen; er scheint allem Spekulativen abhold, zu sein und am allerwenigsten sagt ihm die Richtung zu-, welche die deutsche Literatur in der neuern Zeit genommen s er meint, daß - die neuere Philosophie in den Abgrund einer Alles zersetzenden Kritik führen und den ohnehin zu spekulativen Deutschen von allem lebendigen Schaffen und Gestalten abhalten wird, und daß die Poesie in ihrem heutigen Charakter, eine Welt der puren Einbildung zu erzeugen, daS Leben.von seiner Schattenseite darzustellen und'das menschliche'Gemüth, zwischen diese SchatteNsesten.Md seine .Aäume gestellt, in einem mitleidswerthen und weinerlichen^Kämpfe erliegen zu lassen — gar die Gefahr einer völligen Erschlaffung der Geister, eine Verweichlichung der kommenden Generationen in sich und mit sich trägt. -Frage ich ihn dann nach den Mittelndiesen Gefahren^vorzubeugen, so verweiset er zwar immer , ausupraktische? Thatigkeit, treue Berufserfüllung u: dgl., aber, . da nicht alle Menschen Landprediger und Landwirthe werden können , da dem-Geiste der Zeit von den ruhigen,' in stillem Kreisel lebenden und wirkenden Menschen am Allerwenigsten eine andere Richtung gegeben werden kann, da er über und außer diesen stillen Kreisen waltet und -herrscht, so bleibt Lindberg doch auch die nähere Antwort schuldig, und zieht sich beim liefern Eingehen in diese Materie mürrisch zurück: Ich verbringe aber sehr angenehme -Stunden in seinem Hause und in seiner Gesellschaft, auch hat er mir viele Aufschlüsse über Herrn von.RühSdorf und die Verhältnisse im Hause, auch nützliche Winke über den Charakter und die Anlagen meiner Zöglinge gegeben, deren Erziehung er bis zur Uebernahme seiner Pfarre geleitet.hat.? Wenn ich mit ihm und seiner Frau Abends in der schönen Hollunderlaube seines Gartens, in welchem Beide den ganzen Tag über, so lange keine anderen Geschäfte sie fern halten, fleißig arbeiten und den sie in kurzer Zeit, zu.einem kleinen.Paradiese umgeschaffen haben, sitze, sie sich von der Arbeit, ich mich von der Anstrengung des Weges auSruhen, wenn dann das einfache Mahl den kleinen, runden Tisch bedeckt, ringsum iw der Pflanzenwelt Alles treibt) blühet und duftet, spät heimkehrende Bienchen , nach dem nahen Zminenschober summen; die Vöglein in den Sträuchern und Bäumen ihre. Jungen ätzen, darüber aber und oben am Firmament der in seltener Pracht glänzende Abend- und LiebeSstern funkelnd' der Sonne, der er folgt, nachsiehtwenn die Natur die still« Gemächlichkeit ihres HaüSwesens aufgetischt hat — '.dann, mein Karl,-warum sollte ich es Dir nicht gestehen? — beschleicht mich auch die -Sehnsucht nach einem eignen Herde, dem Altäre wahren Friedens und wahrer. Glückseligkeit, dann möchte ich dem Pfarrer oft in Allem zustimmen, wenn er viele, recht viele solcher Abende als das Ziel alles Streben s darstellt, wenn er Alles, was nicht zum häuslichen Glücke, zur Zufrieden^ heit mit der eignen Beschränktheit führt, für Tand, ja für Sünde erklärt und aus der ganzen Menschheit nur eine Schaar still vergnügter Familienjede-„unter ihrem Feigenbäume", wie die Schrift sagtmachen möchte, die aus sich selbst ihr Glück schafft und die-Leiden, die ein* mal verhängt sind, wo sie nicht abzuwehren, in ruhiger Ergebung und im Vertrauen auf! Gott, duldet und trägt. ES wird euch. Alles Nichts helfensagt er dann wol, eure Philosophie, die - jedes; Jahrzehend wechselt und - wie die Raupe sich' häutet und verkümmerte Bälge zurückläßt, eure Poesie, die euchstatt mit! der Welt zu versöhnen, mit ihr entzweit -rfolget nur einzig und allein dem heiligen Worte, der ewigen Leuchte deS Lebens, arbeitet still für Euch hin, liebet untereinander, und bauet auf ihn, der Alles lenket. -- Gott heilige Schrift — es sind für mich längst

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