Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 27 (28.6.1852)
- Date
- 1852-06-28
- Page
- Seite 323 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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verklungene Laute, auS meiner Jugend tönen sie mir wie des Hirten Schalmei, wie der schweizer Heerdenreigen, aus weiter Ferne mit lieblichem Gruße zu. Karl, sollte doch Wahrheit in diesem durch die ganze Menschheit tönenden Reigen sein, sollte die Kindheit mehr und lauterere Wahrheit gehabt haben, als der Jüngling erfaßt zu haben glaubt? In den Augenblicken, wo diese Zweifel in mir wieder aufgehen, in dem Momente, wo ich dies schreibe, fühle ich, ist die Ruhe gewichen, von der ich Dir im Anfänge dieses Schreibens verkündete, ach! sie ist vielleicht nur auch eine erträumte. Du willst von meiner Jugend wissen, Du sollst es bald. Ich will vor Dir kein Geheimniß haben. Den ... Juni. In beiden Häusern, im Schlosse und im Pfarrhause zu Elsenau ist Alles in Bewegung. Mir macht es Vergnügen, den verschiedenen Charakter der Thätigkeit an beiden Stätten zu beobachten. Hier fowol als beim Pfarrer erwartet man Gäste, also ist der Zweck, die Aufnahme liebender und geliebter Freunde in's gastliche Haus, bet beiden derselbe. Und dennoch! Herr von Rühsdorf erwartet eine ganze Familie. Nach langjähriger Abwesenheit will ihn seine Schwester, eine verwittwete Baronin von S., mit ihrer: Tochter und ihrem Schwager, einem pensionirten und invaliden preußischen Obristen, besuchen. Im Pfarrhause erwartet Lindberg eine einzige Person, seine Schwägerin Maria, ein. Mädchen von achtzehn Jahren, die bisher bei einer alten Tante im Braunschweig'schen erzogen worden ist.. Im Schlosse werden eine Menge Zimmer in Bereitschaft gesetzt, Bediente/ und Mägde reinigen,' putzen, tragen aus allen Ecken zusammen, Handwerksleute arbeiten bald an Thüren, Fenstern, bald an Möbeln, die Kutscher bringen die Equipagen in Ordnung, um den Herrschaften entgegenzufahren. Nach meiner Ansicht bedurfte es dieses Alles nichts Es waltet das ganze Jahr über in der Besitzung des -Herrn , von Rühsdorf eine so hervorstechende Akkuratesse, eine so streng beaufsichtigte und immerfort geregelte Ordnung,: daß jeder Gast jeden Augenblick einkehren kann, ohne Etwas zu vermissen. Aber sobald Herr v.)R. Fremhe - erchartek/ i-genügtAhm die alte, gewohnte Ordnung.nicht,--er muß-, 'ohne daß man ihn der Befriedkgun g e in er Eitelkeit - zeihen kön n te, er m u ß soviel wie möglich ändern, -verbessernerneuen lassen, um die Freunde möglichst zu befriedigen. Auch mein Pfarrherr und seine §7au arbeiten vies.in diesen. Tagen', auch.sie ^wollen die geliebte Schwester?-mit.allen.ihnen zu Gebote stehenden Annehmlichkeiten überraschen, aber der Charakter ihrer Thätigkeit ist kein umwälzender. Lkndberg steht im Pfarrgarten und reinigt selbst die Wege von allem emporgeschossenen Unkraut, sein alter Taglöhner keucht unter der Last , und Schwere der Karre, auf welcher er gelben Sand nach den Steigen zu fahren hat und Lindberg ruft ihm ein über das andere Mal zu, nicht zu viel zu laden. Die junge Frau ordnet im gescheuerten und abgestäubten Hause ÄlleS auf'S Vortrefflichste, sie steckt Gardinen an, sie überzieht Möbel mit frisch gewaschenen Kappen, zufrieden ruhen ihre schönen Augen bald auf diesem, bald auf jenem Punkt, und dennoch ist bald hier, bald da noch eine Stecknadel anzubringen, noch ein Faden ein- oder auszuziehen oder ein Stäubchen von einem Gerüche, von einem Bilde zu entfernen. Wie Lindberg mit dem Garten fertig ist, klopft er selbst und bürstet seinen Rock auS, denn er will Marien eine Meile entgegengehen, um sie in der Stadt in Empfang zu nehmen und hierher zu geleiten/- Sie hat -die häusliche Einrichtung und daS Glück ihrer Schwester noch nicht gesehen, sie kennt selbst den Schwager noch nicht. ES: wird ja eine -Fülle- Äöir- Ueb'erraschungen und einen hohen Feiertag der Geschwisterliebe geben. Und wenn gar, wie in Ausfichr steht und er ernstlich versprochen hat, so bald ihm seine Gicht nicht hinderlich ist) der Vater der beiden Geliebten, der alte Emeritus von der Saale in einigen Wochen einkehrt und an der Glückseligkeit seiner Kinder sein altes Herz erbaut, und erwärmt, wenn er sich an diesem Platze sonnen, an jenem in der Abendkühle erfrischen, hier süß schlummern, dort von seiner Jugend in Jena und: von fernem Weihe in der Erde von Saasdorf erzählen kann und wird — dann freilich, mein Lindberg, hast du selbst die schönste Idylle lebendig und wahr in deinem Hause und ich kann es/dir nicht verdenken,: wenn du Geßner langweiligunwahr und unter'Schattengestalten träumend findest, unter Schattengestalten, die nimmer Leben gehabt haben, oder Leben finden können)' . Den . . Juni 1786. - Karl, ich habe Dir viel zu erzählen. Sie sind dahier und 'iw. Elsenau»' > Heute gehl-:es. noch nicht. Aber,/Karl, wohin" gerathe ich?; Asimälich scheint ja das .kleine, 7-^- ach! ich /wage schon nicht mehr zu sagen kleinliche — Leben um mich her) mich immer) mehr zu fesseln, mein geistiges Leben sich, selbst amalgamiren^ zu wollen — welche Gegenstände erregen jetzt mein Interesse und,., was „das Sonderbarste..ist. .ick„kann stundenlang, daruber sprechen,Äw6S^uch^nych vor''wenigen Monden nur mit