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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-06-21 · Heft 26 (21.6.1852) · p. Seite 305

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 26 (21.6.1852)
Date
1852-06-21
Page
Seite 305 (sequence 5)
Language
German
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805 wehr vom wissenschaftlichen Standpunkte aus veröffentlichen. Diese Hoffnung ist erfüllte ES liegt die Schrift vor uns ,-Ueber den Judeneid von Kirchew rath vr. Maier. Stuttgart, königl. Hofbuchdruckerei Zu Guttenberg." Die Broschüre, 22 großoktav Seiten stark, belehrt das richterliche und Gesammt^Publikum in würdig populärer Weise über den Judeneid. Die Einleitung der Schrift legt dar, daß das Mißtrauen der Nichtjuden gegen den Jüdeneid nur in der totalen Unkenntniß der jüdischen Religionsurkunden-begründet fei und daß Nur darin der Grund liegen könnewenn in neuester Zeit ein hochgestellter Richter des Landes auf eine ungerechte Weise über diesen Gegenstand öffentlich sich ausgesprochen hat. Der gelehrte Verfaffer stellt nun den,Judeneid in seiner religionsgeschichtlichen Bedeutung dar, und zwar als biblischen, talmudischen, rabbinisch erschwerten und von Nichtjuden — more judaicö — aüfgedrungenen. Eine Kritik der königl. württembergischen Verordnung vom 25. Oktober 1832, betreffend die Vorschriften über das bei der Eidesleistung der Israeliten zu beobachtende Verfahren, erkennt zwar den Geist der Humanität an, der in diesem Gesetze sich kund giebt, kann es aber doch nicht vom gehässigen Mißtrauen gegen eidleistende Juden freisprechen, da es Bestimmungen enthält, die nach dem Eide more judaico riechen. Als Doktrinär erklärt dann der Verfaffer, daß der Eid -,So wahr mir Gott helfe!" für den Juden vollkommen bindend - ja die Anrufung des göttlichen Namens dem Juden das Heiligste feü Weder die gewöhnliche Admonition, noch die Anwendung der Bibel ist bei dem Zeugeneide von Nöthen. Der Verfasser geht dann auf seine eigne 20jährige Pastoralthätigkeit über und betheuert, daß bei 200 Eiden, die er Israeliten abgenommen, n i e der leifeste Verdacht eines Meineids ihm aufgestiegen sei. In den meisten Fällen aber verzichte der Jude auf seinen Vortheil ehe er schwöre. - ' Ueber die' politische Gleichstellung der Israeliten sind beherzigenSwerthe Worte in der Schrift gesagt: „Es fei mir bei dieser Gelegenheit vergönnt, ein Wort über' die bürgerlichen Verhältnisse der Juden zu sprechen. Ich fürchte nicht, daß man mich der Parteilichkett beschuldige. Ich.bin nicht blind für die Fehler meiner Glaubensgenossen und auch nicht stille dazu. Ich rüge-sie bei jeder Gelegenheit, fowol öffentlich auf. der Kanzel-- als privatim in geselligen Zusammenkünften. Ich glaube daher ein Recht zu haben- Ihre guten Eigenschaften anzuerkennen und sie zur Anerkennung zu bringen. ES hat-sich dieses Volk eine solche Frische des Geistes, ein so tiefes sittl i ch es Gefühl und eine solche Thatkraft bewahrtdaß man bei dem langen Druck, unter welchem es gelebtnur darüber staunen kann. Werden diese intellektuellen und materiellen Kräfte zum Besten deS Gänzen wirksam, so habe ich die Ueberzeugung, daß'sie sehr viel zur Verbesserung unserer öffentlichen Zustände beizütragen vermögen. Nicht nur so manche Lücke in der Industrie könnte durch sie auSgesüllt werden, und ein gutes Theil der bis jetzt überschüssigen Arbeitskräfte durch sie lohnende Beschäftigung finden, sondern auch auf so manchem andern Gebiete würde ihre Thätigkeit nicht ohne heilsamen Einfluß bleiben. Bleibt auch nur eine einzige Schranke übrig, bleiben die Juden nur von einem einzigen Rechte auSgeschloffen, so müssen sie sich isolirt und zurückgesetzt fühlenihre Kräfte werden nur rückwärts wirken, und in keinem Falle in vollemMaße dem Ganzen zu Gute kommen. Nicht nur im Interesse der Juden, sondern mehr noch im Interesse des^ZtaatSwohlS im Ganzen liegt ihre vollkomnwne Emanzipation." Als Tangente zu der letzt angeführten Behauptung des, geehrten Herrn Verfassers theilen wir folgende Thatsgche mit: In Göppingen und Jebenhausen beschäftigen vier Baumwollenmanufakturen, deren Besitzer Juden find, gegen 3500 Arbeiter, zahlen wöchentlich gegen. 6000 fl. Arbeitslohn aus. Die ganze Gegend wäre in jetziger Nothzeit buchstäblich verhungert, wenn nicht dieser Industriezweig Arbeit und Brod geschafft hätte. Die Firma Rosenthal L Steinhardt hat durch Einführung eines neuen Industriezweiges, der Korsettenweberei, vielen fleißigen Händen Arbeit verschafft. Manches Feld der gewerblichen Industrie würde von Juden bebaut werden, wenn sie durch bürgerliche Schranken nicht davon zurückgeschreckt würden. —. Durch königl. Dekret sind auf Dienstag' den 15. JuNi d. I. die Stände wieder einberufen; es ist zweifelhaft, daß die Jüdenfrage indieser Session zur Verhandlung kommt , jedenfalls aber soll sie noch in dieser Landtägsperiode verabschiedet, werden. Mus Barern, Ende Mai. (Privatmitth.) Der Landtagsckbschied, Mit welchem die diesjährige Session

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