Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 25 (14.6.1852)
- Date
- 1852-06-14
- Page
- Seite 299 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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299 Bei Durchsicht des Vereinsbudgets habe er wahrgenommen, daß wol mehr für die Lehrer des Seminars geschehen könnte. Die Hauptaufgabe des Vereins bestehe in der Ausbildung von Elementarlehrern und deshalb verwende man lieber weniger auf die der Handwerker. Zur Begründung giebt er eine detaillirte Aufzählung der Vereknsbevürfnisse, wobei allerdings das Unproportionelle der Lehrerbesoldungen der Versammlung auffallend erscheint. Herrmanns glaubt, daß durch regelmäßiges Erscheinen der gedruckten Jahresberichte das Vertrauen zur Anstalt und den daraus hervorgehenden Lehrern gehoben werden könne. Die Presse könne auch hier als Hebel benutzt werden. - - Die Diskussion wird geschlossen, indem alle Mitglieder ihre Zusage geben, noch Kräften für den Verein zu wirken, aber auch der Ansicht Leesers: „Präsident möge auf Besserstellung der Lehrer an fraglicher Anstalt besorgt sein", ihre Zustimmung ertheilen. Dritte Sitzung: 11. Mai, Morgens 10 Uhr. Präsident richtet an die Versammlung den Wunsch,' sie möge ihre Ansichten -über Ausarbeitung eines Lehrplanes für ein jüdisches Seminar überhaupt ihm mitlheilen; der Ausarbeitung desselben wolle er fich selbst unterziehen. Goldstein ist der Meinung, daß diese'Sache gar nicht die der Konferenz'und daß cs besser gethan sei, sich noch mit dem Innern der Schule zu beschäftigen. Es wird noch Mehreres für und wider die Ausarbeitung eineS^ solchen Planes gesprochen, was den Präsidenten veranlaßt zu bemerken, daß er die Ausarbeitung'ohne Weiteres auf sich nehmen wolle, indem er dieselbe als höchst zweckdienlich erachte. ' . * Goldst e i n *) bringt das Zweckmäßigeder Errichtung von Schüler bi bliotheken zur Sprache; auf dem Lande seien dieselben ein fühlbares Bedürfniß. — Cahn habe lil seinem Orte eine solche Anstalt durch Pfennigbeiträge der Schüler gegründet; sie blühe und in derselben befänden sich die Schriften von Hoffmann, Nieritz, Veumer, Campe u. A. m. Wilmersdorf: Solche Bibliotheken werden mit jedem Tage nicht nur auf dem Lande, viel mehr noch in der Stadt ein größeres Bedürfniß; die Leselust ist ja in eine *) Man lese den leit.. Art. in No. 24 d. Ztg., der geschrieben und abgedruckt war, bevor dieser Bericht uns zugekommen. / Redakt. wahre Lesewuth auögeartet! ES ist uns hohe Aufgabe, dafür zu wachen, daß nicht schädliche, die Phantasie erhitzende, die höhere Moral verletzende Romane, oder gar die larmoyanten Traktätchen der Misstonsvereine in die Hände der Kinder gerathen. Es giebt solche Leute, die ihre seligmachende Maare nicht nur an den Manu, sondern auch an die Kinder bringen wollen. Wir haben allerdings leider wenig jüdische Schriftsteller, denen es kn ihrer Thätigkeit einmal in den Sinn gekommen wäre, Etwas für ' die Kindlein ihres Stammes zu schreiben. *) Kräm er schrieb recht hübsche Erzählungen, aber er hat damit nicht die Jugend bedacht. Wir werden sehr viele Mühe haben, spezifisch-jüdische, oder auch nur solche Jugendschriften, zu finden, die nichts Antijüdisches enthalten. Selbst bei bedeutenden Schriftstellern äuS der Judenheit wäre eS zu wünschen, daß sie etwas weniger mit dem Christenthume liebäugelten und mit ihrem doch noch jüdischen Gewände nicht nur VerstrckenS spielten. 3) Cahn bringt die Errichtung von Fortbildungsschulen zur Sprache und Edelstein stellt den Antrag, den Herrn Präsidenten zu ersuchen, er möge bei seinen jährlichen Rundreisen hierfür thatig sein. Präsident erklärt sich bereit. Leefer stellt den Antrag: die Konferenz jeweils auf die Zeit der Ferien anzuberaumen, Behufs dessen Solche an alleu Schulen gleichzeitig eintreten zu lassen; er begründet denselben hinweisend auf die Theilnahmlosigkelt an unserer Versammlung. Nach den eingelaufenen Be-, richten tragen bei den Einen die Gemeinden durch Urlaubsverweigerung, bei den Anderen dringende Berufsgeschäfte die Schuld.-— Dem Anträge wirb, da die Möglichkeit zur Ausführung von der Autonomie der Gemeinde abhängig ist, nicht zugestimmt. Präsident legt zwei eingehende Schriften vor: s)Elementarbuch der hebr. Sprache von vr. Levy, Breslau 1852, und b) Hebräische Lesefibel von Levison, Lehrer in Fulda^ 2te Auflage, Fulda 1852, und empfiehlt die erste den Mitgliedern der Konferenz zur Durchsicht und die andere zur Einführung in. ihren Schulen. *) Viele nicht, aber einige — man förderte sie aber nicht! Redakt. 2) , Unsere Ansicht ist die ganz. entgegengesetzte. ES kommt nur darauf an, was unter „Jugend" zu verstehen. Kindern vlW 11, 12 Jahren können einige der Krämerschen Schriften sehr wohl in die Hände gegeben werden. R edakt. 3) ES hätten hier Namen genannt werden sollen. R e d. -