Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 25 (14.6.1852)
- Date
- 1852-06-14
- Page
- Seite 295 (sequence 7)
- Language
- German
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2SZ und man freuete sich, durch ein räthsklhaftes Rechenerempel überraschen zu können. Raw Huna ben Josua hält gemeinschaftliche^Tafel mit dem Freunde Papo. Während er ein Stück ißt, hat Papo 4 Stücke verzehrt. Huna findet diese Sozietät für seinen Geldbeutel höchst nachtheilig, denn die Rechnung wird zu gleichen Theilen bezahlt, und sucht sich in Freund Rewina einen beffern Speisegenossen. Allein er kömmt vom Regen in die Traufe. Rewina hat es in der schnellen Verdauung noch weiter gebracht. Der nimmt gar 8 Stücke zu sich, während Huna eines ißt. Dieser bemerkt bald seinen Mißgriff und ruft entrüstet aus: „Lieber mit 100 Papo's speisen, als mit einem einzigen Rewina!" *) Dieser Ausruf frappirt keinen guten Rechner, denn Huna hatte in der großen gefräßigen Gesellschaft weniger zu zahlen, als mit Rewina allein. 2) Dieser Raw Huna scheint sich überhaupt auf die Arithmetik verlegt zu haben. Er giebt uns auch ein Kennzeichen für die Theilbarkeit mit 7 an. Will man wissen, daS wie vielte Jahr im siebenjährigen Zyklus der Erlaßzeit sei, so nehme man für jedes Hundert der Jahreszahl zwei, addire den Betrag zu den Einheiten und Zehnern, und theile die Summe durch 7. Der Rest giebt das verlangte Jahr im Zyklus. 3) Es gab viele Talmudisten, die sich mit allem Eifer aiiF das Studium der Mathematik verlegten, und dabei Mangel und Noth duldeten. Folgende Erzählung des Talmuds giebt uns davon ein deutliches Bild. Die bekannten Rabbinen Gamaliel und Josua reisten zur See. Beide halten sich mit Mundvorrath versehen, doch die Fahrt dauerte länger als man vermuthete. GamalielS Vorrath war schon aufgezehrt, und der besser versehene Josua mußte ihm aushelfen. Wie kamst Du auf den Gedanken, fragte Gamali<seinen Freund, Dich für eine kurze Reise so zu ver- 4) Pesachim 89 Ir. 2) In der großen Gesellschaft ißt er eine Portion und die 100 Papo's 400 Portionen, er hat also bei der Zeche zu zahlen ----- 398/ioi. Speist er hingegen mit Rewina allein, der frißt 8 Portionen, während er eine ist.' Bei derZeche hat er zu zahlen ^4*/2, und kömmt natürlich, übler davon. .3) Aboda Sara 9 Ir. Es sei -z. B. das Jahr 612. Man dürfte nur für die 6 Hunderte 12 zu 12 addiren ----- 24, mit 7 theilen, bleibt 3 als Rest, also das 3te Jahr im Zyklus, weil 100 ----- 7 X 14 -I- 2. Uebrigens ist dieses Kennzeichen am Geeignetsten für kleinere Zahlen anzuwenden. proviantiren? — Es erscheint , erwiderte Josua , alle M Jahre ein Komet, welcher die Schiffe verirrt macht, an diesen dachte ich, als ich so viele Lebensmittel mit mir nahm. *) — Hast Du so viele Kenntnisse, fragte Gamaliel weiter, und mußt Deine Nahrung auf dem Wasser suchen? — Wundere Dich darüber nicht, versetzte Josua, Du hast zwei Schüler auf dem trocknen Lande, Elieser ben Chisma und Jochanan ben Godgada, welche die Tropfen des Meeres zu berechnen im Stande, und dennoch fehlt eS ihnen an Nahrung und Kleidung, sie leben in der größten Dürftigkeit. — Rabbi Gamaliel, der Naßi war, beschloß im Herzen, ihnen Würden, zu verleihen, und so ihre Kenntnisse zu belohnen. Als er an's Land kam, schickte er um die beiden Gelehrten. Diese schienen seine Absicht zu ahnen und kamen nicht, bis er das zweite Mal nach ihnen schickte. Glaubet ihr, rief der Naßi ihnen zu, ich will euch Würden verleihen, nein! Lasten will ich euch auflegen. 2) In der Gedmetrie war der Talmud ziemlich heimisch. Manche Abschnitte handeln ausführlich von Feldmessungen, und beurkunden ein tiefes Verständniß dieser Wissenschaft. Auch gab eS Männer, deren Geschäft eS war/ geometrische Messungen, wovon sie den Namsn „Feldmesser" erhielten. 3) Daß übrigens diese Bemessungen nach wissenschaftlichen Prinzipien vorgenommen wurden, erhellt daraus, daß wirklich im Talmud einige Sätze der Geometrie Vorkommen. So wird das Verhältniß der Kreisperkpherie zum Durchmesser, wenngleich nicht mit vollkömmeNet Genauigkeit, angegeben A)-} denn eS stand die "Wissenschaft im Dienste der Theologie , und es galt der Grundsatz: nur wo ein religiöses Gebot erleichtert, nicht aber, wv eS blos um ein Weniges erschwert werde, müsse man strenge Genauigkeit haben. Ebenso kannte man die irrationalen Wurzeln, und gab die Quadratwurzel von 5060 mit 70 und einem Rest an, weil man wohl wüßte, daß sich der Bruch nicht genau bestimmen lasse. Ebenso ist die Diagonale eines Quadrats, welche gleichfalls eine irrationale Wurzel ist, annäherungsweise berechnet.'5) Diese Ungenauigkeiten rühren daher, daß man sich bei theologi- E) Der Halley'sche Kommet hat ungefähr diese Umlaufszeit, was, wie ich glaube, bereits von Rappoport bemerkt wurde. 2) Horiot 10 a. 3) Baba Mezia 107 b. 4) Erubin 13b. s) Ibid! 57 a. r.rüyl *