Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-06-14 · Heft 25 (14.6.1852) · p. Seite 290

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 25 (14.6.1852)
Date
1852-06-14
Page
Seite 290 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225768-3225794--12470-3242645
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Punkten daher, in welchen der Mensch der allgemeinen Natür angehört, kennt^ er ebenso, wenig wie, alle Wtseü Recht uüd Liebe > 'sondern vernichtet und verzehrt wessen Äls der Wtüic et Hch nur bemächtigen kann. ' '' '' Verstehen wir unS recht: allerdings hat der Schöpfer sein All nnr aus Liebe geschaffen, denn nicht um seinetwillen, sondern um der Wesen willen, und sie der Criste nz theilhafn'g zu machen, hat er jenes und diese geschaffen; und ebenso hat er das Recht walten lassen bei seiner Schöpfung, indem er Jedes dem Zwecke angemessen und zu dem Zwecke befähigt geschaffen, welchen er Jedem gesetzt hat, mit anderen Worten: den Gedanken, den er in jedem Geschaffnen verwirklichen wollte, hat er verwirklicht, und mit allen Mitteln, die dazu benöchigt, ausgestattet. Aber Dies ist das Thun des Schöpfers. Die Wesen in der Natur jedoch kennen und üben untereinander weder Recht noch Liebe. Gehen wir, um nicht blos bei den Worten stehen zu bleiben, etwas tiefer hierauf ein. Was ist Liebe? So weit sich mit diesem Unendlichen, Unerschöpflichen eine Definition anftellen läßt, möchten wir sagen: Liebe ist das Sich-in-Harmonie-Fühlen zweier Individuen zu einander, oder eines Individuums zu einem andern, als Solcher, als Individuen. ') Alles was aus diesem Gefühl an That fließet, heißt Liebe üben. — Die Liebe ist nun als eine Befähigung des Menschen in den Menschen gesenkt- und deshalb einer Entwickelung in's Unendliche befähigt. — Daß sie so in dem Menschen vorhanden ist, geht uns einfach aus der Eristenz der unmittelbaren Sympathieen und Antipathieen hervor. Folgen wir hierin, einem der bedeutendsten Physiologen neuerer Zeit. 2) Sympathie und Antipathie sind Bewegungen im Gefühlsleben, die ganz subjektiver Natur sind, die nicht aus Vorstellungen des reflektirenden Verstandes abstammen, nicht das Resultat der Berechnung des Verhältnisses sind, in welches wir mit Anderen treten, deren Macht im Gegentheil in dem Maße abnimmtals sich im Verlaufe der Lebenserfahrun- *) Auch die Selbstliebe , fällt in diese Definition, denn die Selbstliebe setzt sich selbst noch einmcck als Individuum, das liebende noch 'einmal 'sich selbst als geliebtes Individuum/ •- 2) E. Harleß in dem großen Artikel ,,Temperament' in Wagner's phystol. Handwbch. Bd. 3. Abtheil. 1. S. 469 ff. gen das Urtheil schärft, und das Räsonnement ruhiger und klarerwlrh, kurz mit gsten anderen Gefühlenauch das der Sympathie der Herrschaftdes berechnenden Verstandes untergeordnet wird. Wir sehen einen M^rfchelr zum ersten Male, wir hören ihn sprechen, und er hat unsere Zuneigung gewonnen. Weder das, was er that, noch das, was er sprach, hat uns) für ihn eingenommen. Wir sahen dasselbe thun und sprechen von hundert Anderen, welche uns gleichgiltig bleiben. Nicht der Inhalt, sondern die Art.war es,;wie.er sich benommen, wie er gesprochen hat. Also zwar nicht der ideelle Werth dessen, was vor uns von ihm geschehen, sondern die Form rief die Zuneigung hervor, aber dennoch wiederum nur der ideelle Inhalt, der in dieser Form sich ausdrückt, der ideelle Werth der Person, wie er uns erschien. Wir sehen eine Person neben uns stehen, die ruhig irgend einem Schauspiel zusieht, und das Gesicht besticht uns. Dasselbe Gesicht an einem Todten gesehen, würde trotz der verschiedensten Affekte einen solchen Eindruck der Anziehung, der unwillkürlichen Zuneigung nicht machen, denn bei einer Leiche hat man ihn noch nie gefühlt. iEs ist also auch hier die Form, aber nicht an sich, sondern vermöge des besonders gearteten Lebens, das sich ln ihr ausprägt, und mit welchem wir uns „ i n Harmonie sü h - l en." — Diese Sympathie im Menschen liegt nun. aller Liebe zu Grunde, sie steigert sich zur Liebe, in unendlichen Stufen. Sie ist eswelche Vater und Mutter und Kind so fest aneinander kettet, aber es ist weder das Gefühl der Dankbarkeit, noch der Egoismus,des Vaters , der Mutter nicht entbehren zu können, welches die kindliche Liebe motivirt. Sie ist es, welche Geschwister so'eng aneinander schließt, daß sie sich für einander opfern können, welche Freundschaften begründet, die alle Lebenszeiten und Verhältnisse zu überdauern vermögen, welche endlich den wesentlichen Inhalt und Werth der währen Liebe zwischen den beiden Geschlechtern ausmacht,' denn dieser finkt in sich zusammen, wenn berechnete Zwecke, welcher Art sie seien, das unmittelbare Gefühl der Sympathie zwischen Mann- und Weib beherrschen. Diese Sympathie erhöht sich aber auch zur allgemeinen Menschenliebe, zur Liebe in gewissem Grade gegen jedes Individuum Mensch, mit welchem wir in Berührung kommen; sie gestaltet sich zum begeisternden Drange, für unsere Mitmenschen thätig zu sein, Großes, Segenbringendes mit großer Aufopferung zu schaffen und zu wirken, für unser Vaterland, für die Nation, dex .wir ungehören, in den Tod -zugehen; sie gestaltet sich zur innigen, sittlichen Freundlichkeit gegen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.