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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-06-14 · Heft 25 (14.6.1852) · p. Seite 291

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 25 (14.6.1852)
Date
1852-06-14
Page
Seite 291 (sequence 3)
Language
German
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LSI Jedermann, zum Mitgefühl in Freud' und Leid unserer Mitmenschen, zur Barmherzigkeit. Von allem Dem keine Spur in der Natur. Denn wenn auch unleugbar in einigen Arten höher orgänisirtcr Thiere sich Gefühle, welche außerhalb der körperlichen Sphäre liegen, kund thun/ wenn ihnen ein beschränktes Vorstellungsvermögen nicht abgesprochen werden kann, wenn einige derselbe!, zeitweise oder immer in Gesellschaft leben zur Abwendung gemeinsamer Gefahr, oder zur gemeinsamen Erreichung eines fernen Zieles, oder zur Herstellung eines gemeinsamen Werkes, der Wohnung, der Nahrung, so liegen doch alle Äußerungen dieser Momente außerchalb der psychischen Liebe. Barmherzigkeit und Nächstenliebe wird bei den höchstorganisirten.Thieren niemals wahrgenommen, Aufopferung zum Wohle Anderer ist nicht ihr Theil; das eheliche Leben beschränkt sich auf die Befriedigung des geschlechtlichen Triebes; die Eltern kennen ihr Kind nicht mehr, sobald es selbstständig geworden, das Kind die Eltern nicht mehr, sobald es die Euter oder das Nest der Mutter verlassen, von Geschwifterliebe keine Spur, alle diese kreuzen sich späterhin in der Begattung, Bruder und Schwester, Sohn und Mutter u. s. w., ihr früheres Verhältniß ist bis auf die letzte Erinnerung verschwunden. Das.Einzige, was man hiegegen anführen kann, ist die Liebe der Mutter zu ihrem Jungen, welche sich selbst der Todesgefahr kühn gegenüberstellt, und die Anhänglichkeit einiger Hausthiere, z. B. des Hundes, an ihrem Herrn. Aber die schon angeführten Umstände zeigen uns selbst diese Mutterliebe der Thiere auf das nothwendigste Maß beschränkt, in welchem sie nicht entbehrt werden konnte,, ohne daß zahllose junge Geschöpfe der Vernichlung durch Verlassenheit preisgegeben wären. Sie erscheint also als nichts weiter, als die Fortsetzung des Embryolebens im Mutterschooße, als'die noch, nicht ganz vollendete Loslösung des.Jungen von der Mutter, die. aber in dem so schnell kommenden Selbstständigwerden der Jungen ihr baldiges Ende erreicht. Die Anhänglichkeit einiger Hausthiere, zumeist am Menschen, sehr selten untereinander, beruht auf der Erinnerung an erhaltene Befriedigung von Bedürfniffen, sie besteht in der fortgesetzten Erwartung dieser Befriedigung, und ist so kein eigentliches psychisches Band, das den Hund an den Menschen fesselt; im wilden, natürlichen Zustande kömmt auch sie nicht vor. Der große Baumeister heS Weltalls hat aber diese Liebe nur — dem Menschen zuertheilt. , *■ > Und nun, woher willst Du die Gebote dieser Liebe nehmen?... .Die Natur weiset Dich! zurück - - sie kennt von.Seiten der Wesen die Liebe nicht. Und wenn auch die Liebe als unmittelbare Sympathie, wie wir sie eben gedeutet, in den Menschen gesenkt ist, wissen wir nicht, daß alle natürlichen Anlagen des Menschen erst entwickelt, geregelt, gesichert in ihren Bahnen werden müssen? Trotz dieser unmittelbaren Sympathie brachte die Naturstufe den Menschen bis zu menschenfressenden Grammen; der hochgebildete Grieche kannte den „Menschen" nicht, sondern nur den Stammgenossen und den „Barbaren", jeder Nichtgrieche war ihm ein Barbaros; selbst Aristoteles begriff die Entmenschlichung in der Sklaverei nicht, und hielt den Sklavenstand für unentbehrlich in der Oekonomie des Staates, das Sklavenhalten für berechtigt. Wer kennt nicht den traurigen Zustand der Heloten, und wie da Griechen gegen Griechen verfuhren? Wo sind bei den antiken Schriftstellern Spuren yon Wohlthätigkeitöanstalten, von Uebung der Barmherzigkeit gegen Verarmte, Kranke, Alte? Fürwahr! nur der MosaismuS verkündete : „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!" nur der Pr.ophetismus erkannte alle Menschen ,,alS Söhne Eines Vaters!" und hob für die Zukunft selbst die Nationalität auf, um das einige Menschenthum an deren Stelle zu setzen. Nur der Mosaismuß wollte keinen Sklaven haben, und stellte die Vermiethung an dessen statt. Nur der Mosaismus stellte die Rechte des. Armen und Fremden auf, und zeichnete Linien, innerhalb derer die Barmherzigkeit, das ifi vbie Liebe gegen den Zurückgekommenen, geübt werden muH. Ja, die Religion Israels erklärte die Liebe für eine Gottesflamme „stärk wie der Tod, fest wie die Unterwelt, nicht für Häuser voll Goldes feil"!... Also weißt Du nun, aus welchem Boden allein Du stehest,-wenn Du die Liebe durch Dein Leben wqlten lässest, wenn Du opferst vyn dem Deinen, ohne dafür zu empfangen?... auf welchem Boden Du stehest, wenn Du Dir Gesetze der Liebe auserlegst, und sie erfüllest?... Du stehst auf dem Grund und Boden der positiven Religion, der. Religion Israels allein — die Natur hat nicht einmal ein Echo.hierfür! (Schluß folgt.) Zeitnugsttachrichlett. Deutschland. München, 23. Mai. Hinsichtlich der den Jnden günstigen, m das Gesetz über Güterzertrümme-

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