Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 24 (7.6.1852)
- Date
- 1852-06-07
- Page
- Seite 279 (sequence 3)
- Language
- German
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. Magdeburg, 1. 3uni. ' Aufforderung an die jüdischen Lehrer. Wenn irgendwer, namentlich 'in den kleineren.Gemeinden, berufen ist, für Erhaltung und Belebung deS Judenthums zu wirken, so stnd es die Lehrer. Daß dieselben in dem Wirken dahin mancherlei Schwierigkeiten zu überwinden» haben, ist gewiß/ aber ebenso sicher, daß diese zu überwinden sind. Die Beispiele, die zwar noch selten, aber doch vorhanden find, erweisen' dieS^ Frägt inan mich, was dazu nothwendig ist, so würde ich einfach sagen: /' Achte vor Allem selbst die Stelle, die Du bekleidest. Die meisten Lehrer verlangen Ächtung vot ihrer Stellung, und besitzen dieselbe selbst nicht. Tief im Geheimsten ihres Herzens verachten, odsr mistachten sie ihr Amt, verwünschen es, möchten eS los sein, und .jedwedes andere Geschäft vorziehen. . Ist dieses üble Gefühl aber bei Dir eingezogen, so macht es sich überall erkennbar; Du wirst die Arbeiten des Berufes so schnell wie möglich, d. h. so schlecht wie möglich, so energielos wie möglich abmachen; Du wirst nicht Nachdenken, wie kann ich mehr und nachdrücklicher wirken; Dü Wirst Deine eigne Ausbildung vernachlässigen Und dies ist im Lehramte bas Schädlichste, denn wer nicht lernt, kann auch n icht lehren, wo der Lehrer still steht, steht auch sein Unterricht still, bei -wem kein eigner Geistesstrom lebendig fließt, der kann auch in Anderen ihn nicht lebendig machen. Ja, die Lehrer stell e n sind in den jüdischen Gemeinden, ich meine besonders die kleineren, noch nicht sonderlich geachtet — aber das muß nur ein Stachel mehr für die Lehrer sein, sie geachtet zu machen> und daS vermögen sie, denn eS ist Niemandem versagt, sich geächtet zu machen, und damit auch seine Stelle. Der. Mann macht die Stelle, aus, Sei bescheiden, strebsam, wirksam, ohne Dich wichtig zu machen, eifrige ohne groß zuthun, voll Gluth für das was, Du willst und, sollst, und .die Achtung wird bald. Dein Theil sein. Also eine 'Klage über die Nichtachtung des Lehrers von Seiten der Gemeindeglieder, ist im Grunde eine Anklage gegen sich selbst. Denn erst wird man erkannt und gsachtM VVWVew wenigen Besseren, Und von diesen verpflanzt sich unwillkürlich die Achtung auch auf. die, welche das Verdienst zu messen, weniger vermögen. Aber allerdings gründet sich diese Selbstachtung seiner Stellung, seines Amtes vor Allem auf die Achtung vor seiner Aufgabe, vor dem-Inhalte seines Berufes. Frei-! kich, füllte man LehrernZftaelsda nicht erst zu predigen - haben!; Sie, die berufen find, die Sprößlinge jener merk- \ würdigen Nation zu bilden, welche allein unter allen Völ- - kern der Erde aus grauester Vorzeit in die Gegenwart hineinraget, welche ' allein unter allen Völkern' der Erde um einer Idee willen geschaffen, um einer Idee willen erhalten worden, um der Lehre des einigen Gottes willen,! welche für diese Lehre zum Knechte der Welt geworden, zahllose Stürme der Zeiten bestand, und noch heute ihr ' mit ihren edelsten Kräften dient— sie, dis berufen sind, dieser Lehre Lehrer zufeinsollten^in der-Thät diese- Berufes so voll sein, daß eher das Uebermaß, als der gänzliche Mangel deö Eifers in ihnen gefunden werde! — Aber alles dies zu ,sagen, war eigentlich heute weniger unsre Absicht, als vielmehr die Lehrer, die uns verstehen, aus ein kleines Mittel aufmerksam zu machen/ welches sich aber dennoch nach vielen Seiten hin als sehr wirksam -und nützlich erweisen wird. . : 'Allerdings ist das lebendige Wort allem Andern vorzuziehen, aber unser papiernes Zeitalter besteht geistig-einmal am Meisten in der Lektüre. Gerade die Jugend liest aber am Liebsten, und läßt durch die Lektüre auf sich wirken, sie ist noch offen und empfänglich auch für das gedruckte Wort^ Ihr/ jüdische Lehrer, legt an Euren Schulen, und seien es auch allein Religionsschulen, oder auch nur, wie man zu sagen pflegt, „ReligionSllunden", te$t Meine LefebibliotheFen für die Jugend NN> in denen kein gutes jüdisches Werk, das für diese paßt, fehlen darf. - Viele von Euch fragen, giebt es jüdische Werke, die zu solchem Zwecke paffen? Ich sage Euch, es giebt deren eine ganze- Reihe. Diese müssen zuerst angeschafft werden, dann andere gute, welche von Nicht-Juden sind, aber nichts Spezifisches enthalten, was dem Judenthume widerspricht. Ja, ich erkläre mich hiermitbereit, wie ich es schon mehreren Lehrern gethan, Jedem, der sich an inich (Rabbinet vr. Ph ilippsön in Magdeburg) wendet^ eine Reihe solcher Bücher aüfzüschreiben, und auch--sogar für viele Werke durch meine Verbindungen die Anschaffung zu erleichtern. Ihr fragt ferner^ woher, die Mittel nehmen? Ich glaube/ nur in seltenen-Fällen werdendiese fehlem Vor Allem, es braucht nicht gleich eine Unmasse angeschafft'zu werden, Man beginnt mit 10, mit 15 Bändchen.' Während diese zu zirkuliren beginnen, denkt man an neue Anschaffung. -Zum Anfang nun setzt man ein Zirkulär auf,