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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-05-31 · Heft 23 (31.5.1852) · p. Seite 274

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 23 (31.5.1852)
Date
1852-05-31
Page
Seite 274 (sequence 10)
Language
German
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m »London, 22. April. r - Da wir bei dem Mängel von Politicis Zeit haben, die jüdischen Änstälten und ' Gelehrten zu besprechen, so lade ich/.den /Leser' ein, mitwir in dieportugiesische Synagoge zu .gehen.. Es ist. ^nöarm^n Abend. Mincha ist. schon zu Ende gebetet und Purimgesänge werden zwischen. Vorsänger und.Gemeinde rezitirt,- während die große und/schöne Halle noch fast leer und ziemlich dunkel ist. Ich sehe nurdaß die Bänke, deren eine sehr große Anzahl terrassenförmig angebracht find, von den Wänden nach, dem Zentrum der Synagoge/und im Zentrum selbst, wo eine ebenso große Menge steht, nicht gegen Osten, sondern eben gegen das. Zentrum, der. Synagoge gerichtet find. ... Endlich, werden die Kerzen an den altmodischen, langarmigenmesstngenen. Leuchtern angezündetwährend immer noch dre alterthümlichen Lieder ertönen, und der vielstimmige. Ch0jkus.'trägt dazu bei, daß sie ergreifend wirkend Man wähnt sich unwillkürlich in einen, morgenländischen Tempel versetzt und dies um so mehr, als fast so oft sich dle'Lhuren offnen'Männer. mit wallenden Bärten, arabischem Bürnus und Turban' einfteten. , Jetzt, tritt der greise, .eh'rfurchtgehietendevomAÜer und von Leiden gebückte, am Nockestützende Rabbi Abraham Bilais, in seiner völlig ursprünglich ör'ientälischen Tracht herein und schlecht Mch die gänze Halle hinauf Und nimmt an. der Seite deS TäbernÜkelS seinen Sitz ein. ' Auf der andern. Seite des Tabernakels sitzt ein gleichgekleideter Orientale, man sagt Symmetrie wegen, ebenfalls von recht ehrwürdigech AüSsrhen.' Niemand-'sitzt sonst in der Reihe der heiligen Läde und diese 'zwei morgenländischen Figuren bstden gleichsam die Eckpfeiler des breiten der in der Mitte eine Doppelthüre und an beiden Seiten eine .einfache hat.. An-den Thüren find außen keine Vorhänge, aber inwendig: . ' Eüdlich'wird das Abendgebet und nachher das Buch Ester' gelesen.' Die beiden Dajanim, von denen später die Rede ssein soll', stkheN neben dem Vorbeter auf dem Bkmä/ Die ^luss^rache ist die bekannte portugiesische und baS'Rezitativ gänz"verschieden von dem der Aschkenäsim. ZVie'Gemeinde liest'aber wie bei diesen auch einzelne Verse «ft; tbic •fyiJf’ u. s. w. Es ist sogar die alte verdammliche Sitte noch in dieser Synagoge, daß dem Herrn Haman zu Ehren geklopft und mit Füßen gestampft wird und zwar von Alt und Jung, so oft des sel. Herrn Ministers Namen gedacht wird. Vergeblich ist das Abweh-. ren des goldbetreßten der zornglühend auf- und abläuft;> dem frommen Rachegefühl mußi Genüge geleistet werden. - -. ■ / ■ :' , Die Megilot, kleine Pergamentrollen, deren fast/ jeder Mann eine hat/ werden sogleich in Briefform gelegt. — Megilla-Kerzen werden/jedoch keine gebracht. v:. - .v Die Frauen-Synagogen find nicht erleuchtet, und habe ichnur zwei Frauen; bemerken können, und erfuhr ich, es sei die Eine Lady Montefiore Baronesse und die/-Andere Halifa, des zweiten Dajins Frau. Es sehen die portugiesischen Frauen daS; Megillahören nicht für eine solche Pflicht an, wie dir unsrigen. Eines Mannes darf ich nicht vergessen.. Ein schöner Greis, mit'glänzend weißem Barte, der die .ganze Zeit über in gebückter Stellung an den Sticken des Almemor steht und keinen Blick, aus seiner Bibel verwendet, / in welcher er den Worten des Vorlesers folgt../. ES ist ein Baal Teschuba, lieber Leser! der so lange an der Schwelle der Bet - Hamidrasch-Synagoge gelegen, um reumüthig wieder in den Schoos seiner 'angestammten Religion /zürüHukehren. Der. weiß auch Etwas von den feinen Künsten der Missionäre und der Glaubenstreue der Bekehrten zu erzählen. Doch wir streifen zu weit ab und haben noch Einiges vom portugiesischen Gottesdienste, den wir am Sabbat darauf wieder besuchen, zu sprechen, und sehen wir uns die Verschiedenheiten des Kultus an, die zwischen den Aschkenäsim und Portugiesen bestehen. < Die meisten Gebete find wie die unsrigen. Die Sidra wird nach der Regina, aber nicht in unserm Rezitativ gelesen. Hier werden keine Mitzwot versteigert. In der pariser neuen portugiesischen Synagoge werden sie in spanischer Sprache, mit eigenthümlichem Singen verkauft. .Die Schulkinder sind unter der Aufsicht der Lehrer und fingen im Chore mit. Auch die-weibliche Schuljugend, die auf der westlichen Frauengallerie sitzt, hilft den Chor beleben. Es würden die Schuljugend, die Lehrer und die Chasanim einen hinreichend starken und ziemlich guten Chor bilden. Es ist deshalb Schade, daß so viele andere Stimmen, welche die Harmonie stören, mit einfallen. Uebrigens sind - diese Stimmen doch nicht so störend wir in den alten Synagogen, wie-ich sie früher gehört und sie noch an vielen Orten heute eristiren./ Es bildet doch ein/Ganzes und tragen selbst diese mehr oder weniger dazu bei, den Gottesdienst andachterregender zu machen als in den alten Synagogen, wo man blos am Althergebrachten hangt -und durchaus Nichts ändertweil's

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