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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-05-31 · Heft 23 (31.5.1852) · p. Seite 273

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 23 (31.5.1852)
Date
1852-05-31
Page
Seite 273 (sequence 9)
Language
German
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thums. Den Kuratoren ist eine fast unbeschränkte Macht eingeräumt und nur in wenigen allgemeinen Normen giebt das Testament den Willen deS edeln Testators an. — ES fiel Manchem auf, daßder sel. Kommerzienrath F. ' diesen wenigen, wenn auch so anerkannt ehrenwerthen Männern, eine solche Machtvollkommenheit über ein so bedeutendes.Vermögen einräumte. Zu vielen anderen erklärenden Gründen tritt uns jetzt noch ein psychologisches Moment hinzu. Bald nach dem Verscheiden unsers S. I. L. fand man eine Reihe von Testamenten auS verschiedenen Jahren, in denen er mit tiefer Religiosität in der allerspeziellsten Weise den Seinigen feinen letzten Willen kund gab. Der Zerfahrenheit und Flüchtigkeit unserS Geschlechts, das in der provisorischen Lebenseristenz hienieden ganz aufgeht, erscheint es wunderlichwie ein Mann von der Lebenskraft, den weitgehenden Planen und Unternehmungen S. I. L's, sich so häufig und so beschaulich mit dem düstern Gedanken an den Tod beschäftigen konnte. Allein diese Eigenschaften bilden keinesweges Widersprüche, sondern verhalten sich gerade wie Ursache und Wirkung zu -einander. Die wahrhafte Lebensenergie strebt danach, das Ephemere der leiblichen Existenz in der bloßen Gegenwart durch die geistige Fähigkeit der Vergangenheit und Zukunft zu denken, zu besiegen. Dieser gesunde religiöse Geist beseelte auch unfern S. I. L. Er beschäftigte sich mit dem Tod nicht um sich ihm in Trübsinn hinzugeben, sondern, um ihn zu überwinden. Durch Mittheilung seines Willens und seines Geistes an die Seinigen suchte er sein Leben über den Tod hinaus zu verlängern. Gerade aus echter Liebe zum Leben sann er darauf durch bleibende Thaten sein Leben zu firiren. — Einen Gegensatz zu dieser Denkweise, bildete die des sel. Herrn KommerzienrathS. Er war zwar von der gegenwärtigen allgemeinen Zerrissenheit unberührt, er befaß viel alten Kern und edle Tugenden, empfand aber eine gewisse mystische Scheu davor, an den Tod auch nur erinnert zu werden. S. I. L. war daher der. Geeignetste, um nach dieser Seite hin auf den Edlen zu wirken. Nur durch S. I. L. befreundete er sich mit dem Gedanken an's Testiren und nur ihm. und seinen Herren Kollegen zollte er die Hochachtung,, um ihnen die genaueren Bestimmungen und Ausführungen vertrauensvoll zu übertragen.-- . \ Die Institute, welche nach den allgemeinen Angaben des Testaments errichtet werden sollen, find: eine Stiftung für die Familie des Testators, zu deren Fundirung 3—400,000 erforderlich ist; ein.städtisches, nichtkonfessionelles Institut;- ein Zufluchtshaus für arme ältere jüdische Familien; .ein Leihamt; eine Stiftung für jüdische Handwerker und Künstler und ein Seminar zur Bildung jüdi.scher L<hrer und Rabbinen. - Die drei erstbenannten Institute sind bereits durch die Mitthätkgkeit unsers S. I. L. in's Leben getreten. Die übrigen werden in nächster Zukunft erstehen und wir zweifeln'nicht, daß die verehrten Herren Kuratoren,-bei der Hochachtung und Liebe, von welchen sie für ihren unsterblichen Kollegen beseelt sind, den reichen Schatz von Gedanken', den er ihnen sicherlich für - die weiteren Ausführungen anbertraute, mit Treue verwenden werden.' Ein Lieblingsthema seines Denkens bildete das^theologische Seminar. Dieses sollte seinem Wunsche gemäß auf dem Boden des erleuchtet-konservativen Jüdenthums errichtet, . unberührt von den' religiösen Konflikten und Parteien der hiesigen Gemeinde, epochemachend für die Religion und Wissenschaft deS Judenthums werden. Sein letztes Testament war mit einigen religiösen Betrachtungen in hebräischer Sprache eingeleitet. Er verlangte ohne Sarg rü Jninto beerdigt werden. Er bestimmte zwei Legate Behufs Vertheilungen an seiner und nach dem Ableben seiner frommen, ehrbaren Gattin auch an derer jedesmaligen Jahrzeit. ' *Am 25. April des Nachmittags wurde er von einem Schlagfall betroffen; der unerbittliche Tod ließ ihm jedoch noch so viel Zeit, um in voller Klarheit des Geistes von den Seinigen und den Herren Mitkuratoren den. letzten Abschied nehmen zu können. Segen für seinen ältesten Sohn waren seine letzten Worte; er sprach mit tiefer Andacht ' und verschied bei dem Schlußworte Friede seiner Asche. Zum Nachfolger des sel. Herrn S. I: L. im Kuratorium ist dessen Sohn, Herr vr. weä. Immanuel Löwt ernannt. Er hat sich bereits in. der medizinischen Wissenschaft einen guten Namen erworben, ist zum korrespondirenden Mitglied mehrerer Gelehrtengesellschaften ehrenvoll ernannt worden und besitzt, eine bedeutende philosophische Intelligenz., Möge er neben diesen großen geistigen Gaben mit der Liebe zu seinem verklärten Vater zugleich L i e b e z u r Religio n der Väter hegen. und Pflegen.

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