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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-05-31 · Heft 23 (31.5.1852) · p. Seite 275

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 23 (31.5.1852)
Date
1852-05-31
Page
Seite 275 (sequence 11)
Language
German
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275 eben alt ist, wo das) Schreien-und Mitzwotverkaufen und dgl. Wesentlichkeiten find- oder' als in Sdlcheü, wo man blos den christlich-reformirten Kultus nachäfft, welcher an und für sich der kälteste ist, den ich kenne, i Einen Gebrauch habe ich hier nicht gefunden bei den Portugiesen,, den ich in Paris fand: daß, während der Vorbeter -vordem Lesen aus der Tora den Priestersegen singt, die Eltern ihre Kinder oder Enkel und dgl. mit Händeauflegen und Nachsprechen der Worte segnen. Es hat dieser Gebrauch etwas Patriarchalisch-Ansprechendes. Gepredigt wird nur am Sabbat vor Peßach und vor Jom-Kippur! Jetzt wird in englischer Sprache, früher wurde in spanischer gepredigt. Herr Meldola, erster Dajin, fand, daß die jüngere Generation wenig spanisch mehr versteht; Rabbi David Meldola, Sohn des früher» Rabbinen, nennt sich kresiäing ksbbi ok tke kortegeae snä Spanisli Jews in England und ist erster Dajin. Er veröffentlichte mehrere englische Predigten durch den Druck. Er gab, auch ein kleines Werkchen über die 10 Gebote heraus, welches sein sel. Vater hebräisch hinterlaffen hatte. Er.trägt sich ganz modern und weicht darin von seinen zwei Kollegen' ab. Diese sind: der zweite Dajin R. Abraham Halifa und R. Abraham Bilais. Ersterer trägt am Sabbat in der Synagoge einen weißen Kittel über-seinen anderen Kleidern. Er soll ebenfalls Gedichte eines italienischen Rabbi veröffentlicht und einen? durchdringenden Geist haben. /. DaS Aeußere von Bilais haben wir bereis oben geschildert als er am ^nöN.m^n Abends in die Synagoge kam. Nun Etwas von seinem Leben und Wirken. Er ist Verfasser mehrerer hebräischer und hebräisch-englischer Werke. Ein talmndischeS Werk, rins genannt, druckte er vor mehreren Jahren in Livorno. Ein anderes, metaphysisches Werk, vibw tb*>ab ist in Wien herausgekommen: , *nb n“>nb N-is, in'S Englische übersetzt von Herrn M. H. Breßlau, ist erschienen mit dem hebräischen Terte und enthält sogenannte oder Aufsätze im Style des ni2^bi"k nsin mit sehr angemessenen rabbinischen Parabeln. Sein letztes Werk ist bsn nns?, ein Kommentar über Köhelet mit hebräischem Terte, ebenfalls vow Herrn Breßlau übersetzt. ES sind mehrere hebräische Gelegenheitsgedichte von ihm ver- ' faßt und ebenfalls von Herrn Breßlau übersetzt herausgekommen. Gewiß arbeitet er .jetzt schon wieder an einem andern Werke.' ' ' ' Herr BilaiS ist in Tunis geboren Und war daselbst Schatzmeister beim ulten .Bei.» Als dessen Sohn an die Regierung kam, warf er Bilais und feine Familie in's Gefängniß. Der habsüchtige Bei hielt den Schatzmeister für reich und wollte nun ein Lösegeld.^ Es wurde für B. Kaution geleistet und er bereiste Europa, ... das Lösegeld herbeizuschaffen. , Der damalige König Emanuel von Sardinien nahm ihn in Schutz und empfahl ihn den verschiedenen Regenten Europa's: Das Lösegeld wurde herbeigeschafft und B. zog mit seiner Familie nach Nizza in Italien, wo er mehrere Jahre als Rabbiner fungirte. Sein heißes orientalisches Temperament und vermuthlich durch sein früheres Amt an's Befehlen, gewöhnt, machten ihn mit seiner Gemeinde zerfallen, und so kam er nach London, wo er jetzt schon mehrere Jahre lebt, schreibt, denkt und druckt und fortwährend thätig ist. Der Mann ist'voll Geist, Witz, Phantasie, durchdringend und Unermüdlich fleißig: Er spricht gewöhnlich italienisch oder hebräisch und'am Liebsten arabisch: ' Im Hebräischen/unterscheidet er im Sprechen - das U und n mit Dagesch lene von dem ohne Dagesch lene, was ihm Niemand? nachspricht. Eine interessante AUekdote darf hier nicht'übergangeil werden. Als er 1832 eine Audienz beim König Louis Philipp hatte, trat er in's Zimmer mit seinem messingnen Dintenfaffe und Feder am Leibe angegürtet, wie es die Orientalen zu tragen gewöhnt find. Der König sah Etwas glänzen, erschrak, eine'Waffe fürchtend. „Nein// sagte der alte BilaiS beruhigend- „Ew. Majestät haben Nichts zu fürchten, eS^ist mein Dintenfaß und meineFeder." Der König näherte sich und besah eS, worauf B. fatzte : „Ew. Majestät müssen wissen,- daß dieser Dolch gefährlicher ist als ein anderer, er verwundet nicht nur die Angehenden, sondern auch die. Entfernten , ünd sticht oft tiefer." Der König lächelte und sagte: „Sie haben Recht, Hetr Rabbiner."" Darauf schrieb er an den Kultusminister, 2 Exemplare jedes seiner Werke zu nehmen und bezahlte königlich. ' Herr Bilais) war. gegen den schon oft erwähnten v"iN gegen die londoner Reformgemeinde, als der alte verstorbene Oberrabbiner ein Gutachten von der portugiesischen Gemeinde haben wollte. Allein er wurde von seinen zwei Ko liegen. Meldola - und Halifa überstimmt,, srotzdem däß er seine liberale Ansicht durch Talmudstellen belegte... . ' " (Schluß folgt.) ' ' ' "' :

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