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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-05-31 · Heft 23 (31.5.1852) · p. Seite 272

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 23 (31.5.1852)
Date
1852-05-31
Page
Seite 272 (sequence 8)
Language
German
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272 feinem Ableben; mehrere-Anschreiben, mit denen erL-milde Gaben, für ..verschämte -Arme -begleitete.. ES ist als -wären sie unmittelbar/nachder-Lektüre in MaimonideS.!(osp. 10 vonden - Gabeni am Arme ) - geschrieben. Deni Gedrückten wurde' eSu leicht, die. so gereichte. Spende anzunehmen^ ste bot sich :ihm nicht , als ein Almosen,' sondern als eine Art Honorar.. '.Seit. 1812 lebte unser-Verklärter hier in-Breslau. Nachdem er lange. Vorsteher mehrererwohlthäriger Anstalten gewesen, wurde er an die Spitze des ObervorsteherkollegiumS der Gemeinde gestellt. ES war; dies eine schone Zeit meiner großen Täuschung auch für S. I. Lvwi. In der Jugend und in den kräftigen jugendlichen Alten war das edle Bestreben aufgetaucht, das hier erstorbene Interesse für 'Judenthum neu zu beleben/ dem .öden Gotteshaus neue -Besucher zuzuführen und der' jüdischen Wissenschaft, wie -sie damals -einen Aufschwung genommen, hier eine Stätte; zu - bereiten: Selbst der -radikalstekühnste Reformer von später-wagte sich mit seinen Reformwünschen damals -sicher nicht rüber die bloßenAeußerlichkeiten deS Gottesdienstes hinaus. Man erwartete! vielmehr allgemeinvon dem „neuen^ Rabbinen, daß erdas-Judenthum/im-Innern: und besonders: nach außen. -würdüg -rrpräfentiren, es mit wissenschaftlichen, philosophischen Miiteln b eg vu n d e n - werde. - Gegen die s e Bestrebungen erschien der Widerstand -der Orthodoxie M-- gerechtfertigt- und S. -I:: Löwi; trat •;mit einem wahren Feuereifer als siegreicher Verfechter dieser an sich ignten Sache? auft' -^-Wir - müssen - hier deiner - Thatsache/ Erwähnung thün, die/ Äveil man Niemandem außer S. I. L> die dazu nöthige^Energie zutraute,! auch ihm besonders zugeschrieben wird/; Wir meinen, die Amtssuspenston dessel/ Oberräbbinen' S. Tiktin: Leider, istder gegenwärtige Moment, wo man hier,. nach einer eigenthümlichen Nemesis, von entgegengesetzter - Seite, ähnliche- Sünden zu versuchenscheint, am Wenigsten geeignet^ den! Schleier, der auf jener That ruht, zu lüften/ Wir sagen daher nur, waS uns der-Verklärte selbst mittheilte, daß nämlich mit jener SuSpenfionSVerfügung, die Absicht ihrer-ernstlichen Durchführung durchaus nicht verbunden gewesen, und daß nur die Hartnäckigkeit von der einen Seite und der ungestüme Ehrgeiz eines Mannes von der andern Seite,, die versuchte Suspension zur wirklichen That machte. —'In dieser Zeit begann hier der St. Veitstanz der Ultrareform. Diese,, so wie das bald erfolgte- Ableben des Oberrabbinen, welches von einem großen Theil der Gemeinde als ein Martyrertod angesehen wurde, erweiterte die -Kluft zwischen den. Parteien. Der Vorstand, dessen Haupt im währen /Sinnen des- Mortes S. . I:.L.;gewesen, .sah - nun ein/ daß-zur Konsolidirung -der Gemeinde und um. zur angedeuteten ursprünglichen Intention der frommen-Be.ssergesinnten zurückzukehren, die; Wahl eines Oberrabbinen. Noth thueder.bei solider, wissenschaftlicher Bildung und.toleranter; Gesinnung eine. r a bbin i sch e A utor-i tat. sein -Man glaubte; in Fassel den rechten Mann gefunden zu hoben und er wurde gewählt. Diese Wahl bildete den Gipfelpunkt der Wirksamkeit S. I. L's, in feiner Eigenschaft als Präses des Vorstandes. Er -glaubte hiermit hie Gemeinde von der frivolen Reformwirthschaft zu retten ,und ihr-.den Frieden wiederzugeben. Eine feingesponnene Jntrigue wußte jedoch Alles dies zu vereiteln. Fassel lehnte dann die Wahl ab und S. I. L. legte sein Borsteheramt nieder. Der darauf gefolgte neue Vorstand anerkannte zwar in einem, besondern Dankschreiben die aufopferungsvolle ' Hingebung ' und namentlich die meisterhafte Verwaltung S. I. L's, ohne jedoch dessen fromme, gemäßigte Prinzipien zur Anerkennug zu bringen: Es herrschte dann ünbehinderk jene Richtungwelche wol für die Reform des Judenthums, weniger aber für'das Judenthum selbst ein inneres Interesse empfindet. S. I. L. sah nun mit tiefer Wehmuth die Noch jetzt Herrschende Desorganisation eintreten, blieb jedoch unthärig, weil er sich von keiner der beiden ertremen Parteien einfangen lassen mochte.' Er gab sich der Hoffnung hin, von einer andern Seite aus der Gemeinde zu ihrer Wiedergeburt verhelfen zu können. Er war inzwischen auch durch einen andern Umstand eine M acht : geworden. Herr Kowmerzienrath Jonas Frankel, fei. Andenkens, fungirte ebenfalls als 'Vorsteher der Gemeinde. Der scharfsichtige Blick Fränkels erkannte bald die erfinderische.' Kraft,~ die logische, übersichtsvolle Klarheit ^des?S. I. Lsscheu/Geistes.^ Bei einer gemeinsamen Anwesenheit in-Karlsbad schloffen sie . sich noch enger an einander, so daß Frankel, wie die noch vorhandene Korrespondenz zwischen Beiden zeigt, von einem unbegrenzten, hochachtungsvollen Vertrauen zu S. I. L. erfüllt wurde: Das Resultat dieser innigen Freundschaft war, daß S. I. L. neben den ihm gleichgesinntenfrüheren Vorstehern, den Ehrenmännern Kaufmann Milch und Bankier Joseph Prinz, Begründer des Kommerzienrath Fränkelschen Testaments und dessen erster Vollstrccker wurde. Der Zweck des Testaments, das wie allgemein geglaubt.wird über die Summe,von 1,600/000 verfügt, ist: Humanität und Hebung des Juden-

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