Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-05-24 · Heft 22 (24.5.1852) · p. Seite 260

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 22 (24.5.1852)
Date
1852-05-24
Page
Seite 260 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3224737-3225768-3225791--12437-3242609
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

altüverkommenen Melodie enschatz.iw buntester Verunstaltung zu Tage förderte, im Ganzen'aber versteinerte, mumifizirte, so daß in der.Synagoge wie, dieselben /Worte-^auch^nur immer ein und/di.eselb,en Laute gehört und wieder gehört wurden,: und,, stach., der 'Sekunde b.ere^net werden .konnten. Hierzu trat .zunächst der Drang ach.Leben; allem es wurde eine putzige Erscheinung, > wiedie-Chasanim die ersten, be'Hen /belie-ien..OpeM.-.^.ja.-V.oWaxjen benutzten, um ihre Zuhörer zu. befriedigen, ,und „wir winden dir rc.", oder'„durch! die siLalder, durch die Auen rc.", oher gar „Mann, Mann, Mann, was hast du in deinem, Köbexchen rc." sich zu den uralten Synagogenmelodieen gesellten und zu einem neuen Kaddisch und Lecho daudi rc. sich hergeben mußten. An die 'Stelle dessen trat aber nun bald der Chorgesang) man wählte entweder den höchst steifen, langweiligen, einstimmigen, Choral, der der ' Synagoge aber gar nicht zusagte) oder den, künstlichen vierstimmigen Choralgesang. Endlich gesellte sich hie und da die ^)rgel. chi.nzu, aber auch diese genügt nicht, sondern .bei jeder außerordentlichen.Gelegenheit, wie Einweihung- Konfirmation, großen Trauerfällen u. dgl. wird, man noch andere Instrumente., hinzusügen^ Da -.ist nundie nächste Frage./ welche Musikstücke, hat man .zu^ .wählen? .welchen Charakter.. sollen, sie. haben? welche .find: sowol hem. erhabenen Gegenstände,, als dem. jüdische^ -Charakter,; als - der Synagogenpraris am Entsprechendsten? . Diese Fragen werden noch lange nicht genügend beantwortet werden.können — von höchster Wichtigkeit ist es aber, den ersten,, nächsten Fehler zu.vermeiden, den — der blinden Nachahmung. Und zur Aufklärung hierüber theilen wir. hier folgenden Artikel mit. Vor Kurzem nämlich erschien eine Schriftbetitelt: „Musikalische Briefe von einem Wohlbekannten", die in eleganter Sprache, unterhaltender Weise und schärfster Kritik, die jetzt gangbare Musik nach allen ihren verschiedenen Seiten beurtheilt, und von vernünftigsten. Grundsätzen ausgehend, aller'NebÄirung feind/einmal wieder klar macht, worauf es bei der Musik eigentlich ankommt. Der achte Brief des ersten. Theils dieser „musikalischen Briefe" lautet mu^üher die. Kirchenmusik, und aus diesem entnehm enwirFolg en d e s. . > ",Daß KirchenmüstfAnK lGgweilige Musik sehr-häufig für gleichbedeutend gehalten' w.iph/und zwar,von Leuten, die wahrhaft kirchlich, die fromm sind Mb/zugleichOreunde der Musik, dürfte schon darauf hindeuten, daß die keli/ giöse Musik nicht den Zweck erfülltden sie erfüllen soll: Dieser Zweck, tgnn offenbar kein anderer sein, als in der versammelten Gemeinde eine .andächtige Stimmung zu: erwecken, zu fördern und-zu unterstützen,. die -Seele - zudem großen Geiste. emporzutragen - udas 'verstockt^Herz zu: erweichen, das. stolze - mit Demuth.zu .erfüllen, dasi trauernde zu trösten ,, das schwache - zu. starken.. -Sie^vermag/'alles das und. in. noch)stärkerer:Weise 'aUWorte.;> Sie vermag eS aber n,vr>-wenn-sie>verständlich-sAllenverständlich ist.., Auch die Gemeindo,/die/näher/Kirche/versammelt ist, besteht nicht : etwabloS-aus Gebild eten>-oder. gar nur aus..Musikverstan>rgen---j-eS>sindon!-.sich,.-gapfvtele weniger gebildete, GeisteSarme/unter ihnen^ Die/ Kirchenmusik, die für Alle ist, muß. also nothwendig in einer Sprache reden, die in A l l en Gefühle der Andacht zu erwecken und zu erhalten im Stande ist. . /. / Das ist nun leider im . Ganzen nicht der Fall. Wir hesitzen sehr wenig wahrhaft erbauende,. Andacht erweckende Musik. 3m; Gegenthe.il, die trockdndste, gelehrteste, kälteste, ja lächerlichste gilt für die zweckentsprechendste und wer-keine - andächtige,. Stimmung mitbkkngt, wird sie. selten durch unsere. Kirchenmusik erhalten. - . -So. oft und laut. Viele - nach Fortschritt, in der Mnfik schreien, , so hat doch Keiner/ha ihn verlangt,/ wo er/allein dringendes Bxdürfniß ist. In.der-/Kirchenmusik-:- wo ein so - großes, schönes, / brachliegendes Feld zu bebauen/st, hat' bisher das reformatorische Genie gefehlt,: denn wenn auch Mendelssohn in seinem Paulus Ahnungen des Besern zeigt, so hat er doch viel zu wenig gethan- /viel zu viel des Althergebrachten beibehalten, als daß man ihn für einen Reformator der kirchlichen Musik halten könnte. ~; Die Mängel, die heute noch dieselben sind , hat man bereits vor drei Jahrhunderten gefühlt. Auf dem Kon-' zilium zu Trient, welches sich nach seiner Vertagung von fast zehn Jahren 1562 wieder versammelte, kam auch die für nöthig erachtete Reinigung der Kirchenmüsik zur Sprache. Der schwerste Tadel betraf'die Art der Komposition, denn es wurde geklagt, daß unter den ko.ntrapunktischen Verschlingungen in/ den KgnonS. und Fugen die/ heiligen Texte völlig unverständlich würden. . Es war mähe daran, daß die Figuralmusik der Kirche verbannt worden wäre. . Leider! ist das damals nicht geschehen und wir, müssen die Klagen von sonst in verstärktem Maaße . heute noch wiederholen) denn nicht genug, daß die Kirchenmusik (die altitqlienische ausgenommen) die allgelehrttste mit den künstlichsten kontrapunktischen Kombinationen, Fuge, Kanon, ist, die selbst /viele Musiker , nicht verstehen unjD die dem Volke ein Greuel ist,/ spricht sie zu uns überdjk.Sü.in^ver-lteten, steifen Floskeln..

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.