Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 22 (24.5.1852)
- Date
- 1852-05-24
- Page
- Seite 259 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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259 voll-Haben, und nach Gotteswort handeln. So heißt eS auch im göttlichen Worte (2 Mos. 19, 16.): „geh nicht als Verleumder umher". Aber gewisse Leute, die beständig von Götteswort überfließen, die alle Welt „an dem Stachel des göttlichen Wortes löcken" lassen, fließen ebenso immerfort von Verleumdung über. Die hiesige Staatsregierung hat einerrGesetzentwurf über die Güterzertrümmerung an die Kammern gelangen lassen, um auf sehr angemessene Weift die attzugroße Zerschlagung der Güter zu beschränken; es kommt in dem Entwürfe keine Wort von Juden vor; es ist hier zu Lande bekanntdaß die wenigste Güterzertrümmerung durch Juden geschieht; dennoch macht die berliner Kreuzzeitung daraus: „durch welchen dem jüdischen Schacher der Güterzertrümmerung entgegengetreten werden soll",' und druckt dies mit gesperrten Lettern. Warum? Weil sie ihren Lesern weiß machen will, der Entwurf ist gegen die Juden gerichtet, weil sie immer mehr undlangsam, da es ihr mit einem Male nicht gelungen, die Beschränkungen der Juden nach' allen Seiten hin den Geistern insinüiren will. Thut, was' ihr nicht lassen könnt, aber lasset dann wenigstens die Maske des göttlichen Wortes, dessen Ansehn durch Niemand gründlicher untergraben wird, als durch diese Leute. Hannover, 14. Mai. Heute wurde der Landtag eröffnet. In der ersten Kammer wurde ein Schreiben des Gesammtministeriums vom heutigen Tage, die Äenderung des Verfassungsgesetzes vom 5. September 1848 betreffend, verlesen.- Unter den Anträgen der Regierung befindet stch: „§. 6 des VerfaffungSgesetzeS soll, da er den Grundgedanken verläßt, daß der Staat ein christlicher ist, beschränkende Bestimmungen erhalten." Karlsruhe, 12. Mai. Die „Karlsruher Ztg." erwähnt heute mehrerer Berichte über die auch in den israelitischen Gemeinden veranstaltete Trauerfeier für den verstorbenen Großherzog. So aus Pforzheim, Bühl und Breisach. In Bühl hat sich ein -großer Theil der katholischen Bevölkerung in die israelitische Synagoge begeben, da eine katholische Trauerfeier unterblieben war und eine protestantische Kirche nicht vorhanden ist. Bei dem Gottesdienst stimmten Christen die Trauergesänge an, welche mit Eifer einstudirst worden waren, um bei dem erwarteten Traueramte in der katholischen Kirche gesungen zu werden. Preußen. Groß-Glogau, 10. Mai. (Privatmitth.) Der Mittheilung von hier in voriger Nummer werde ergänzend hinzugefügt, daß, da sich eine bedeutende Unzufriedenheit kund gab, nun dennoch drei Tage nach der Wer dem Herrn Lich t enstein durch den Vorstand ein silberner Becher mit der Inschrift: „Ihrem verdienstvollen Lehrer zur 25jährigen AmtSfeier die israelitische Gemeinde zu Glogau, 1852" zugestellt wurde. * , Italien. Florenz, 8. Mai. Heute ist ein?Proklamation des Großherzogs erschienen, welche die Konstitution definitiv aüfhebt. Ob die älteren Toleranzedikte auch, aufgehoben worden, ist noch nicht berichtet. Mit der Aufhebung der Konstitution ist die, thätsächlich längst nicht vorhandene Emanzipation aufgehoben, aber unsere Glaubensgenoffen wären doch wenigstens geduldet und berechtigt. - Würden die-Toleranzedikte aufgehobenso fände auch dies nicht statt, sondern die mittelalterlichsten Beschränkungen wären wiederhergestellt. Daß dies übrigens nicht zu befürchten, erkennt man aus folgender Aeußerung deS Nouit. lose, in'seinem nichtamtlichen Theile: „Vorstehende Veröffentlichung ist die beste Widerlegung der grundlosen ^übertriebenen, inletzter Zeit im Publikum verbreiteten Gerüchte bezüglich angeblicher Veränderungen, denen, wie man sagte, die ehemaligen Gesetze des GroßherzögthumS unterzogen werden sollten." Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Synagogenmusik. » Es giebt in diesem Augenblicke Nichts, was einen unsicherern, schwankender» Begriff gebe, als — das Wort Synagogenmusik. EsiMnoch nicht lange her, da verstand manMeiliMnür „Synagogengesang" darunter, und dieser" war mit der Zeit reduzirt und herabgesunken zum bloßen miTfi, d. h. zu dem, nicht naturwüchsigen, sondern geschichtswüchsigen Gesang der Chasanim, der, aller Kunst baar und aller Theorie zuwider, manchen trefflichen,