Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 22 (24.5.1852)
- Date
- 1852-05-24
- Page
- Seite 258 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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258 mindern und auszugleichen, welche sich noch allda aus den gegebenen Bedingungen..vorfinden:.— wie kann die Natur, auch nur den geringsten Maßstab Euch da verschaffen?. Sie. schweigt: denn in dem .Kreise ihrer Be^ rechnungen und ihrer Gesetze liegt die menschliche Gesellschaft n icht, ste entbehrt der Analogieen, der Aehnlichketten für diese ganz und gar. Ihr woll et der p o s itiven Religion entbehren? Zhr könnet es nicht — denn sie allein eröffnet Euch die Erkenntniß und die Mittel. Sie lehrt Euch: 1) Diese menschliche Industriewelt ist auch eine Schöpfung Gottes, eine Schöpfung der göttlichen' V orsehung. Unter der Leitung der göttlichen Vorsehung ist sie also geworden; es war kein bestimmtes Bewußtsein in den ersten Menschengeschlechtern, als sie die ersten Entfaltungen dieser Jndustriewelt begannen, als sie die Früchte ihrer Arbeit einander' abzugeben anfingen, als sie auf einzelne Produktionen (Gewerbe) einzeln ihr Leben zu verwenden, als sie ein allgemeines Werthmittel zu bestimmen, als sie zerbrechliche Fahrzeuge zu besteigen anfingen, um ihren Ueberfluß mit dem Ueberfluß ferner Gestade und Eilande zu vertauschen, als Völker sich zu Völkern Bahn brachen durch Wüsten und Gebirge, nicht mit den Waffen, sondern mit den Erzeugnissen des Friedens in den Händen. (Vgl. Jecheskel K. 27.) Die göttliche Vorsehung hätte eS ihnen in den Geist gelegt, die göttliche Vorsehung zwang sie dazu durch die erst einfache, dann steigende Komplikation der Verhältnisse; die göttliche Vorsehung brachte sie immer weiter darin und dahin, und' je mehr Ihr die Geschichte auch dieser menschlichen Jndustriewelt durchforschet, desto mehr werdet Ihr erkennen, wie im Bereiche all dieser Entdeckungen und Erfindungen und Erweiterungen -nicht der berechnende Geist der Menschen allein, sondern, die göttliche Vorsehung durch ihre Fügungen unddie Belebung dieses Geistes das Meiste' gethan hat! — Sie lehrt Euch : 2) diejenigen Grundgesetze kennen, nach welchen wir in der menschlichen Jndustriewelt handeln müssen, so wie diejenigen Grundgesetze, zu denen auch die menschliche Jndustriewelt sich-heränbilden muß und im Laufe der Jahrtausende wird. Lasset mich hier nur eine Frage an Epch richten : sagt, wie wollet Ihr aus der Natur das heilige Recht des Eigenthums, das ewige Verbot, das Eigenthum des Nächsten nicht, zu verletzen, erweisen.?,. Die.>Natur giebt Euch keine Analogie. Denn in der Natur ist Alles Eigenthum Jedwedes, der sich desselben zu bemächtigen und eS zu verthekdigen vermag; die ganze Oekonomie. der Natur ist dahin berechnet , daß , was. dem Einen ist, ein Andres sich dessen .bemächtigt, und es verzehrt. Während doch das Grundgesetz der: menschlichen, Jndustriewelt,-die Gegenseitigkeit, das Eigenthum als. unverletzlich heiligt; während die Grundeigenschäft des Menschen,-die Persönlichkeit^ das Eigenthum sankrionirt! . Nein! die Natur sagt Euch vielmehr das Gegentheil von dem, was allein menschlich ist! . Und nun erst die Grundgesetze, zu welchen auch , die menschliche Jndustriewelt sich immerfort -hinanbildet — die Natur schweigt hierüber, weil sie keine freie Fortbildung kennt. Aber fürwahr! in der ersten Urkunde aller positive n Religion, den fünf Büchern Mosche, findet Ihr diese Grundgesetze ausgesprochen. Sie sind dort ausgesprochen zwar nur für eine Nation, aber so wie die religiöse Idee überhaupt auch nur an diese Nation gerichtet, dennoch für die ganze Menschheit gegeben war, und in diese hinausgetreten ist: so auch jene Grundgesetze, weil sie ja nur die einfachen Konsequenzen der religiösen Idee sind, giltig und befähigt für die ganze Menschheit. Welche diese Grundsätze und Grundgesetze, ausgesprochen im MosaismuS sind, ausführlich darzusegen, ist hier nicht der Ort, ich verweise auf Früheres.*) Ich wollte Euch nur zum Ersten erweisen, daß die Natur schon für die menschliche Jndustriewelt keine Erkenntniß, keine Gesetze und keine Maßstabe, darbietet, daß die Menschheit auch hierin weit über die Natur hinaussteht, daß schon für die menschliche Jndustriewelt die positive Religion die rechte' Quelle der Erkenntniß und deS Gesetzes ist, während die Natur für sie schweigt und keine Auskunft ertheilt. Zeitungsnachrichten. Deutschland. München, 14. Mai.. Bekanntlich ist es ein großer Unterschied zwischen „ Fromm thun" und „Fromm sein", den Mund beständig mit Gotteswyrt ' *) S. meine Vorlesungen über „die Religion der GesellschaftV, Leipzig, S. 151, über „die Entwickelung der religiösen Idee", S. 39 ff. S! 73 ff.