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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-05-24 · Heft 22 (24.5.1852) · p. Seite 257

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 22 (24.5.1852)
Date
1852-05-24
Page
Seite 257 (sequence 5)
Language
German
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Reden wider den Unglauben. Viertes, polemisches Wort. I. Die menschliche Industrie (Schluß). - ' .(S. No. 1. 6. 12. 13. 20.) Erwägen wir wohl: wir befinden uns hier auf' einem Gebiete der Natur, welches - das umfassendste , merkwürdigste, großartigste ist, auf dem der Oekonomke der Natur. Welche Mannigfaltigkeit, welche Unerschöpflichkeit! Von dem Ersetzen des Sauerstoffs aus den grünen Blättern und Zweigen der Pflanzen bei Sonnenschein bis zu dem Eierbeet der, Mücke oder dem Eierleger der Ichneumonfliege, der aus Sägebohrer und Doppelscheibe besteht, - um durch die härtesten Substanzen zu dringen und die Eier in das Nest der Schlupfwespen zu legen! Diese Oikonomie der Natur, die so göttlich ist, daß sie da die unendliche Mannigfaltigkeit ihrer Mittel am Bewunderungswürdigsten entwickelt, wo wir -das Ersterben derselben am Nächsten glauben. Führen wir nur ein Beispiel an. Wenn wir die Polargegenden in ihren äußeren Erscheinungen betrachten, und sie düster, nackt, schauervoll, öde, von wüthenden Stürmen heimgesucht und einer .übermäßigen Kälte ausgesrtzt finden, welche bei uns dem. Leben und Allem, was das Leben unterhält, Verderben, Untergang bringt, so setzen wir voraus, daß hier die animalische Natur in sehr geringem Grade und nur in winzigen Formen vorhanden sein kann, daß nur zwerghaste und verkrüppelte Gattungen an ihren traurigen, öden Gestaden umher zerstreut zu finden-feien, und daß jedes Leben, welches in diese Einöden zu dringen suchen sollte, kraftlos werden und ersterben müßte. Und siehe, gerade jene nackten Felsen und eisgesüllten Gewässer sind mit einem unermeßlichen Reichthum an lebenden Wesen,' wie man ihn kaum unter der heftigsten Gluth der tropischen Sonne findet, angefüllt; gerade sie sind mit den größten aller lebenden Wesen (Zetazeen) ausgestattet, gegen welche, wenn man ihre ungeheueren Körper in Anschlag bringt, der ElephaNt und das Flußpferd, welche ihre furchbaren Gestalten in den morastigen Ebenen der tropischen Länder umherbewegen, fast Zwerge zu sein scheinen; selbst die kleineren- Gattungen, wie z. B. der Häring, werden in den Tiefen der Polargewaffer in' unermeßlichen Haufen gefunden; selbst die Luft wird verdunkelt durch unzählige Schwärme von Seevögeln, wahrend sogar aus der gefrornen Oberfläche des Landes Thiere von besonderer Bauart eine ihren Bedürfnissen angemessene Nahrung finden. Und durch welche Mittel und Hilfsquellen unterhält die Natur mitten-in dieser' Eiswelt' diese Ünermeßlichkeit lebender Wesen? Sie hat 'einerseits' als die Grundlage der Subsistenz' für. die zahlreichen Thiergattungen eine: unermeßliche Masse vom Geschlechte bei Meduse (nach Sinne) verbreitet/ einer weichest, 'elästifchen/ siällertartlgdn Substanz, ohne anderes Lebenszeichen, als daß sie sich beim Berühren zusammenzieht. 'Diese gallertartige Mas^e erfüllt die grönländischen Meeie 'auf 20/000 Quadrätmeilen. Diese Gallerte ist bt-e Nahrung zahlloser kleiner Geschöpfe, die dann den größeren Thieren zur - Ernährung dienen., und so richtet sich /eine Stufenleiter auf, bis auch die größten Nahrungsinden. .Sie, hat andererseits alle dortigenThiere, um sie gegen die furchtbare Kälte zu. schützen, mit großen Lagen Fett und Oel umhüllt, so wie die Landthiere (z. B. Eisbär, Rennthier, Kaninchen, .Hund, Polarfuchs) mit dicken Fellen, dichtbehaart, -und .auf dem Grunde mit daunenartiger Wolle versehen.*) ... - Aber so wenig,, die menschliche Industrie mit diesem unerschöplichen Reichthum der Form-en und Hilfsmittel der Natur zu vergleichen ist,: um-so höher steht.sie,wenn wirwie wir gesehen haben, - die Grundsätze Und den Gedankeninhalt prüfen, der 'in Beiden ausgeprägt.und verwirklicht ist.- Die Gegenseitigkeit des Todes und der Vernichtung in der Natur wird zur Gegenseitigkeitdes Lebens , des Hingebens,- des. Gebens und Empsangens erhoben^ der ewige Stillstand und dasewige Dasselbige zur steten Entwickelung und Fortbildung-,' die Nothwendigkeit des Naturtriebes zur freien Wahl und persönlichen Freiheit—: welche Unterschiede des Charakters Und der treibenden Gesetze, welche Höhen des Gedankens, und des ideellen Werth es in diesen wenigen Sätzen! : Die Menschheit ist hinausgetreten über fämmtliche Kreise der Natur, und vermittelst des geistigen Elements hat sie eine Höhe erreicht, welche weit außerhalb der Natur -liegt. „ Ist eS aber so, wie könnt Ihr Eure Erkenntniß für diese Gesellschaft aus der Natur holen zu wollen, holen zu können vorgeben? Was kann: Euch die Natur lehren für diese .menschliche Jndustriewelt, deren Tiefen und Höhen weit über den Höhen und Tiefen der Natur liegen-? Wenn Ihr die Gesetze derselben 'erforschen wollet, die Gesetze^ nach welchen Ihr in ihr Handeln sollet und müsset, wie wollet Ihr sie aus der Natur ziehen? Noch mehr, wenn cs nun gilt, die Menschheit auch auf. diesem Geriete fortzubildkn, und diejenigen Uebel allmälig zu ver- ' *) S. Die Polarseen von L-esle, Jameson und Murray. Leipzig/1834. S. 49 ff:

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